Welche Psychotherapie ist die richtige für mich?

Es kommt darauf an. Erstens auf die „psychische Störung“, die Sie vermutlich haben oder die Sie haben könnten. Zweitens kommt es auf die Person des Therapeuten an, ob er zu Ihnen passt. Die Frage nach der Art des Verfahrens hängt nämlich mehr von der Person ab, die sie anbietet, als von dem Verfahren selbst. Wichtig ist auch abzuklären, ob möglicherweise eine organische Ursache für Ihr seelisches Leid vorliegt. Weil es psychische Erkrankungen gibt, die durch organische Ursachen ausgelöst werden.

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Nicht alles wird von den Kassen erstattet

Wenn es darum geht, für welchen Therapeuten und für welche Therapie Sie sich entscheiden sollen, dann sind folgende Dinge zu beachten. Erstens ist die Auswahl an Therapieverfahren bei gesetzlich Versicherten begrenzt. Es gibt genau drei Verfahren, die über die Krankenkassen in Deutschland abgerechnet werden können:

  • analytische Verfahren,
  • tiefenpsychologisch fundierte Verfahren
  • und Verhaltenstherapie.

Das vierte klassische Verfahren, die Gesprächspsychotherapie, wird zur Zeit nicht von den Krankenkassen bezahlt, trotz ebensolcher wissenschaftlicher Anerkennung.

Wenn nun humanistische Verfahren wie die Gesprächspsychotherapie Ihnen näher sind oder auch die Gestalttherapie oder systemische Therapie – und Sie auf gar keinen Fall selber zahlen können – sprechen Sie trotzdem Ihre Krankenkasse an. Nicht alle Kassen blocken einfach ab. Zum Beispiel, wenn Sie bei niedergelassenen Psychotherapeuten keinen Platz bekommen können, kann auch in Absprache mit den Krankenkassen eine Kulanzlösung möglich sein. Das heißt, Sie dürfen möglicherweise Ihre Auswahl erweitern.

Es kommt auf den Menschen an

Wie gesagt, Psychotherapie ist stark personenabhängig, was ihre Wirksamkeit betrifft. Es kommt darauf an, wie gut sich die Beziehung zwischen Ihnen und der Therapeutin oder dem Therapeuten entwickelt. Deshalb haben Sie auch die Möglichkeit, sogenannte probatorische Sitzungen, also Probesitzungen nutzen zu können. Das heißt, erst ausprobieren und dann entscheiden, zu wem Sie gehen wollen. Möglich sind fünf bis acht Sitzungen, für die die Krankenkasse auf jeden Fall die Kosten übernimmt – ohne dass schon ein Antrag auf Kostenerstattung gestellt sein muss. Sie können also zu verschiedenen Therapeuten gehen, um erst einmal zu schauen, wer zu Ihnen passt.

Auch die Tatsache, dass es aufgrund von Versorgungslücken nicht einfach ist, einen Therapietermin zu bekommen, sollte Sie nicht davon abhalten, genau hinzugucken. Denn mit einem Therapeuten zu arbeiten, der nicht passt, bedeutet rausgeschmissenes Geld. Außerdem kann es auch zu einer Verschlimmerung Ihres Leidenszustandes beitragen. Oder Sie sind so enttäuscht, dass Sie gar keine Hilfe mehr in Anspruch nehmen wollen.

Genau hinschauen

Deshalb schauen Sie genau hin, hören Sie genau hin: Spüren Sie echtes Interesse an ihren Problemen? Hört der Therapeut wirklich gut zu? Lässt er Sie ausreden und fragt behutsam nach? Oder scheint er gleich schon Bescheid zu wissen (was kein gutes Zeichen wäre)? Ist bei Ihnen ein Gefühl von erstem Vertrauen da? Spüren Sie spontane gegenseitige Sympathie? Oder ist da eher eine komische Distanz zwischen Ihnen. Ist der Therapeut wertschätzend, warmherzig mit Ihnen?

Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie es möglicherweise direkt an. Wie der Therapeut darauf reagiert, kann wichtig für eine Entscheidung sein.

Autorin: Christa Kosmala, psychologische Beraterin (M.A. / Master of Counselling)

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