Kann ich einem Heilpraktiker für Psychotherapie vertrauen?

Das entscheiden vor allem Sie selbst. Dazu hilft es Ihnen vielleicht, hier erst mal zu lesen, was so ein Heilpraktiker für Psychotherapie (HP Psych) tun muss, um sich überhaupt so nennen zu dürfen. Zum Beispiel den (kleinen) Heilpraktikerschein beim örtlichen Gesundheitsamt beantragen.

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Dazu gehören zwar erst mal recht einfache Bedingungen, wie ein Mindestalter von 25 Jahren, mindestens ein Hauptschulabschluss, ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis und der Nachweis, dass man die gesundheitlichen Voraussetzungen hat. Aber das ist erst mal nur der formalen Einstieg, also längst nicht alles.

Was muss ein Heilpraktiker für Psychotherapie überhaupt nachweisen?

Wer den Antrag auf Zulassung zum Heilpraktiker für Psychotherapie stellt, muss, wenn er zugelassen werden will, in einer Überprüfung durch das jeweilige Gesundheitsamt nachweisen, dass er vor allem keine mögliche Gefahr für Ihre Gesundheit bedeutet. Genauer heißt dass, derjenige muss sich faktisch gut auskennen auf dem Gebiet der klinischen Psychologie, Psychopathologie, Psychosomatik, Psychotherapie oder dem Gesundheitsrecht. Das wird schriftlich und mündlich überprüft. Dazu gehören auch ausreichende Kenntnisse in psychologischer Diagnostik, also diagnostische Fähigkeiten.

Es geht also auch um die Klassifikation psychischer Störungen überhaupt, die in der sogenannten ICD-10 Liste (Kapitel V) verzeichnet sind. Diese Liste ist durch die Weltgesundheitsorganisation mit vielen Ländern abgestimmt und wird von ihr herausgegeben und regelmäßig überprüft. Das Kapitel V dieser Liste ist dasjenige über die psychischen Störungen und Verhaltensstörungen. Die Liste können Sie im Internet finden.

Der Antragsteller für den Heilpraktiker für Psychotherapie muss mindestens ein Psychotherapieverfahren ausreichend beherrschen. Sie sollten beim ersten Kontakt fragen, welches Verfahren das ist und wie es Ihnen helfen kann.

Vor allem zählt Ihr eigenes Empfinden

Die Frage, ob Sie einem Heilpraktiker Psychotherapie vertrauen können, ist aber nur zum Teil davon abhängig, ob dessen Ausbildung seriös ist. Da es keine einheitlichen Ausbildungsstandards gibt und auch keine staatliche Überprüfung von Heilpraktiker-Schulen, ist das Gesundheitsamt zwar eine wichtige Prüfinstanz. Aber vor allem ist Ihr eigenes Urteil wichtig. Trauen Sie diesem Menschen zu, Ihnen helfen zu können? Können Sie offen mit dem Heilpraktiker für Psychotherapie sprechen über Ihre Fragen, Ihr Anliegen? Klären Sie auch die Kostenfrage: Besteht die Chance, dass die Krankenkasse die Behandlung bezahlt?

Normalerweise ist das eher selten. Wenn Sie aber in großer seelischer Not sind und aufgrund von unzumutbaren Wartezeiten keinen Platz bei kassenzugelassenen Psychologischen Psychotherapeuten bekommen können, könnte es möglicherweise klappen. Es kommt hier auch sehr auf die Krankenkassen an. Und Sie sollten drei bis fünf Ablehnungen kassenzugelassener Therapeuten nachweisen können (das kann auch eine Notiz zu einem Telefonat sein).

Autorin: Christa Kosmala, psychologische Beraterin (M.A. / Master of Counselling)

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