Wie groß ist nach einer Prostatakrebs-OP die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall?

Wenn man alle Fälle zusammengefasst, liegt die Rückfallrate nach einer Prostatakrebs-Operation bei 10-30%. Bei 1-3 von 10 operierten Männern kommt es also irgendwann zu einem erneuten Auftreten der Krebserkrankung. Und selbst dann sind die Aussichten nicht automatisch düster, weil das Prostatakarzinom tendenziell eher langsam wächst.

Sehr gute Chancen bei kompletter Entfernung

Allerdings muss man hier eigentlich stärker differenzieren, um einer realistischen Einschätzung näherzukommen. Vieles hängt nämlich davon ab, ob der Tumor bei der Operation vollständig entfernt werden konnte. Eine endgültige Sicherheit gibt es hier zwar nie. Stellt sich aber nach der Operation heraus, dass die Randzonen des entfernten Gewebes tumorfrei sind, kann man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass man die Erkrankung erfolgreich bekämpft hat. Und das ist in der Mehrheit der Fälle so. Diese Gewebeuntersuchung des entnommenen Knotens ist nach einer solchen Operation Standard.

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Findet man hingegen in den Randgebieten noch Krebszellen, spricht das dafür, dass der Tumor nicht komplett entfernt werden konnte. Manchmal kann man dann noch eine zweite Operation versuchen, aber das geht längst nicht immer. Häufig wäre bei einem zweiten Eingriff die Gefahr zu hoch, benachbarte Organe nachhaltig zu verletzen. Außerdem ist eine solche Diagnose kein Todesurteil. Wegen des meist sehr langsamen Wachstums der Prostatakrebszellen bestehen immer noch gute Chancen, dass man seine Krebserkrankung trotzdem überlebt.

Selbst in schweren Fällen gibt es Grund zur Hoffnung

Und noch etwas muss man bei all diesen Überlegungen mit einbeziehen. In manchen Fällen wird operiert, obwohl schon vorher klar ist, dass es nicht gelingen wird, alles zu entfernen. Das kann der Fall sein, wenn der Tumor örtlich schon sehr weit fortgeschritten ist oder auch wenn bereits Metastasen vorliegen. Dann dient die Operation in erster Linie der Linderung von Beschwerden, die durch den Knoten vor Ort entstanden sind (z.B. größere Probleme mit dem Wasserlassen). In solchen Fällen wird dann meist mit einer Hormontherapie versucht, einem weiteren Wachstum der verbliebenen Krebszellen entgegenzuwirken.

Insgesamt ist bei all diesen Fragen eines sehr wichtig: Verglichen mit anderen Krebsarten sind Tumoren der Prostata eher träge. Sie wachsen in aller Regel sehr langsam. Da Prostatakrebs eine Erkrankung des gehobenen Lebensalters ist, führt das langsame Wachstum dazu, dass viele betroffene Männer nicht an ihrem Krebs sterben.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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