Prostatakrebs: Ursachen, Diagnose, Behandlung

Übersicht

Prostatakrebs ist in unsren Breitengraden die häufigste bösartige Tumorerkrankung des Mannes. Sie tritt vornehmlich mit zunehmendem Alter auf und entsteht abhängig von bestimmten Risikofaktoren wie beispielsweise einer genetischen Prädisposition sowie Umwelt- und Lebensstilfaktoren.

Vorsorge lohnt sich

Das Prostatakarzinom weist in den meisten Fällen ein langsames Wachstum auf und wird erst symptomatisch, wenn es bereits zu Absiedlungen in andere Organe oder einer deutlichen Größenzunahme gekommen ist. Aus diesem Grund werden Männern ab dem 45. Lebensjahr jährlich Vorsorgeuntersuchungen von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet.

Im Rahmen der Vorsorge, aber auch beim Auftreten von prostataspezifischen Symptomen wird zunächst eine Tastuntersuchung der Prostata durchgeführt. Liefert diese Hinweise auf das Vorliegen eines bösartigen Tumors, können sich weitere Untersuchungen anschließen wie beispielsweise die Messung des PSA-Wertes, ein Röntgen der Lendenwirbelsäule, eine CT- oder eine MRT-Untersuchung des Beckens sowie eine Gewebebiopsie der Vorsteherdrüse. In Zusammenschau kann aus den erhobenen Befunden anschließend das Erkrankungsstadium abgeschätzt und eine Therapie eingeleitet werden.

Behandlung je nach Prognose

Zur Behandlung des Prostatakarzinoms stehen unterschiedliche Optionen zur Verfügung. Allgemein wird zwischen einem kurativen Therapiekonzept bei nicht-metastasierten Tumoren und einem palliativen Ansatz bei metastasierten Tumoren unterschieden.

Der kurative Ansatz zielt auf Heilung ab und kann mittels Operation oder Bestrahlung erreicht werden, während der palliative Ansatz nicht das Ziel der Heilung verfolgt, sondern ein beschwerdefreies Dasein zu ermöglichen versucht. Hierzu kommen vor allem Hormon- sowie Chemotherapien, aber auch der Ansatz des "Watchful Waitings" zum Einsatz. Dabei wird das Prostatakarzinom ausschließlich überwacht und erst dann interveniert, wenn es Beschwerden verursacht – was in vielen Fällen niemals der Fall ist.

Definition

Unter Prostatakrebs wird ein bösartiges Wachstum von Zellen der Vorsteherdrüse verstanden. Er ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung und nach Lungen- und Darmkrebs die dritthäufigste Krebstodesursache des Mannes. Im Mittel erkranken Männer um das 70. Lebensjahr an einem Prostatakarzinom, wobei die Dunkelziffer für Prostatakrebs sehr viel höher zu sein scheint. In über 50% aller Obduktionen, die bei über 80-Jährigen durchgeführt werden, findet sich ein sogenanntes latentes Prostatakarzinom, also ein Prostatakrebs, der zu Lebzeiten nicht klinisch auffällig geworden ist.

Ursachen

Es gibt bisher keine gesicherten Auslöser für die Entstehung von Prostatakrebs. Es konnten jedoch verschiedene Risikofaktoren gesichert werden, die mit dem Auftreten von Krebs der Vorsteherdrüse assoziiert zu sein scheinen. Nach der Leitlinie der European Association of Urology gibt es drei Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von Prostatakrebs:

  • Alter: Das Alter scheint bei der Entstehung von Prostatakrebs eine entscheidende Rolle zu spielen. So sind 80% aller Männer, die eine Krebserkrankung entwickeln, 60 Jahre und älter.
  • Lebensort: Wird die globale Welt betrachtet, besteht für das Auftreten des Prostatakarzinoms sowohl ein Nord-Süd- als auch ein West-Ost-Gefälle. Das bedeutet, dass Krebs der Vorsteherdrüse in den USA und in nordeuropäischen Ländern häufiger auftritt als im asiatischen Raum sowie in den Ländern Südeuropas. Die Ursachen hierfür sind bisher nicht abschließend geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass sozioökonomische Faktoren sowie unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten eine Rolle spielen.
  • genetische Prädisposition: Besonders für frühe Entstehungsformen von Prostatakrebs spielt die familiäre Vorbelastung eine wichtige Rolle. So verdoppelt sich das Risiko, selbst zu erkranken, wenn ein Verwandter ersten Grases (beispielsweise Vater oder Bruder) betroffen ist und verzehnfacht sich, wenn zwei oder mehr Verwandte ersten Grades unter einem Prostatakarzinom leiden. Männern mit einer erheblichen genetischen Vorbelastung werden aus diesem Grunde frühzeitige und regelmäßige urologische Vorsorgeuntersuchungen angeboten.

Vermeidbar: Rauchen und ungesundes Essen

Weitere Risikofaktoren, die positiv mit dem Auftreten eines Prostatakarzinoms korreliert sind, sind folgende:

  • chronische Erkrankungen wie eine chronische Entzündung der Vorsteherdrüse (Prostatitis) oder Geschlechtskrankheiten
  • fett- und fleischreiche Ernährung bei gleichzeitigem Mangel an Selen sowie fisch- und gemüsearme Kost
  • chronischer Nikotinkonsum

Obwohl sich eine positive Korrelation zwischen den Nebenrisikofaktoren und dem Auftreten von Prostatakrebs in diversen Studien nachweisen ließ, konnte bisher nicht gezeigt werden, dass sich eine Vermeidung der genannten Risikofaktoren präventiv auf die Krebsentstehung auswirkt.

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Symptome

Das Prostatakarzinom verursacht über eine lange Zeit keine Symptome und fällt oftmals erst dann auf, wenn es schon weit fortgeschritten ist. Dies macht es zu einem sehr tückischen Tumor, der sich oftmals nur noch schwer behandeln lässt. In frühen Stadien werden die meisten Prostatakarzinome im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen erkannt, die bei Männern ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.

Allerweltsbeschwerden

Beschwerden, die durch Prostatakrebs verursacht werden, treten nicht nur erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium auf, sondern sind zusätzlich wenig charakteristisch, da sie auch bei vielen anderen harmlosen Erkrankungen der Vorsteherdrüse auftreten können.

Mögliche Symptome sind im Einzelnen:

  • Probleme beim Wasserlassen (Dysurie) bis hin zum Harnverhalt, der durch die Verlegung der Harnröhre durch die Prostata verursacht wird
  • häufiger Harndrang, der sich vor allem nachts bemerkbar macht (Nykturie)
  • leicht blutiger Urin (Hämaturie)
  • Inkontinenz, durch den Krebsbefall des Schließmuskels
  • Impotenz, durch den Befall von Nerven und Gefäßen, die für eine Erektion zuständig sind sowie Schmerzen bei der Ejakulation
  • Darmentleerungsschwierigkeiten

Vor allem im Rahmen einer gutartigen Prostatavergrößerung sowie bei einem Harnwegsinfekt oder einer Entzündung der Prostata kann es ebenfalls zu den oben genannten Beschwerden kommen. Nur etwa ein Zehntel der Männer, die sich mit diesen Symptomen bei einem Urologen vorstellen, leiden tatsächlich unter Prostatakrebs. Bei allen anderen ist die Ursache weitaus harmloser und oftmals gut zu behandeln.

Hier wird es schon verdächtiger

Ein Hinweis darauf, dass ein Prostatakarzinom für Ihre Beschwerden verantwortlich ist, sind folgende weitere Symptome:

  • Schmerzen in den Knochen und insbesondere im unteren Rücken, den Beinen oder der Hüfte, bedingt durch eine Absiedlung von Tochtergeschwulsten (Metastasen) vom Primärtumor
  • Gewichtsverlust um mehr als 10% des Körpergewichtes in den letzten sechs Monaten
  • Nachtschweiß, der Sie dazu zwingt, nachts Schlafanzug und Bettwäsche zu wechseln
  • Fieber

Mehr dazu erfahren Sie hier:
Fragen und Antworten rund um die Symptome

Diagnose

Segen und Fluch der Früherkennung

In vielen Fällen wird das Prostatakarzinom nicht erst dann diagnostiziert, wenn es bereits Symptome verursacht, sondern schon in einem latenten Stadium im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung. Doch obwohl durch die Einführung von Früherkennungsmaßnahmen weitaus mehr Tumore der Prostata erkannt und therapiert werden, konnte bisher kein eindeutiger Vorteil auf das Überleben gezeigt werden. Vielmehr muss sich die Frage gestellt werden, ob es durch Früherkennungsmaßnahmen zu einer Übertherapie kommt, da ein beachtlicher Teil der entdeckten Prostatakarzinome zeitlebens nicht symptomatisch geworden wären.

In den aktuellen Leitlinien gilt daher die Empfehlung, über Vor- und Nachteile von Diagnostik und Vorsorgeuntersuchungen zu informieren und individuell vorzugehen. Denn während in vielen Fällen grundlose Vorsorgemaßnahmen keinen Nutzen erbringen, gibt es für einzelne Fälle doch die Chance, das Prostatakarzinom frühzeitig zu erkennen und in einem Stadium zu behandeln, in dem die Heilungsaussichten noch sehr gut sind.

Ob symptomatisch oder nicht, die Diagnosestellung ergibt sich immer aus verschiedenen Bausteinen. Zu Beginn wird Ihr behandelnder Hausarzt oder Urologe eine Anamnese erheben. Anschließend erfolgt eine digitale Untersuchung der Vorsteherdrüse sowie eventuell eine Blutentnahme zur Messung des PSA-Wertes. Als ergänzende Diagnostik können bei auffälligen Befunden weitere Untersuchungen vonnöten sein.

1. Anamnese

Im Rahmen des ersten Arztgespräches wird Ihr behandelnder Arzt Sie zunächst zu vorhandenen Beschwerden befragen. Weiterhin wird er mit Ihnen die Risikofaktoren für das Auftreten eines Prostatakarzinoms diskutieren und Sie zu Ihrer Familienanamnese befragen. Besonders wichtig ist dabei, ob ein Verwandter ersten Grades, also Vater oder Brüder, an einem Prostatakarzinom erkrankt ist, da sich in einem solchen Falle die Wahrscheinlichkeit für Sie erhöht, in Ihrem Leben selbst zu erkranken.

Im Anschluss an das Anamnesegespräch erfolgt die Tastuntersuchung der Prostata (digital-rektale Untersuchung).

1. Digital-rektale Untersuchung (DRU)

Was in Gedanken oft sehr unangenehm ist und viele Männer davor zurückschrecken lässt, eine Früherkennungsuntersuchung durchführen zu lassen, ist die Tastuntersuchung der Prostata von rektal. Dazu führt Ihr behandelnder Arzt den behandschuhten Zeigefinger in den Enddarm ein und ertastet die Oberflächenstruktur der Prostata durch die Darmwand hindurch.

Im gesunden Zustand ist die Prostata etwa so groß wie eine Kastanie und von prall-elastischer Konsistenz. Besonders im Frühstadium des Prostatakarzinoms lassen sich einzelne derbe Areale innerhalb des normalen Prostatagewebes abgrenzen. In späteren Tumorstadien ist die Prostata derbe verformt, asymmetrisch und schmerzlos vergrößert.

Bei maximaler Entspannung des Schließmuskels ist die Untersuchung nicht schmerzhaft und dauert nicht mehr als 1-2 Minuten. Wenn Sie gesetzlich versichert sind, haben Sie ab dem 45. Lebensjahr jährlich Anspruch auf eine DRU.

3. PSA-Wert

Fallen im Rahmen der DRU auffällige Tastbefunde auf, kann Ihr behandelnder Arzt zur weiterführenden Diagnostik eine Blutuntersuchung veranlassen, aus welcher der PSA-Wert gewonnen wird. PSA, das prostataspezifische Antigen, ist ein Marker, der nur durch die Prostata gebildet wird und bei bestimmten Erkrankungen der Vorsteherdrüse ansteigen kann. Typischerweise finden sich Werterhöhungen bei gutartigen und bösartigen Tumorerkrankungen, aber auch bei Entzündungen oder nach Manipulationen an der Prostata.

Die Kosten tragen Sie selbst

Der PSA-Wert wird in Nanogramm (ng) je Milliliter (ml) angegeben und wird im Rahmen der Früherkennung des Prostatakarzinoms als Screeningmethode eingesetzt. Da seine Aussagekraft als Vorsorgeinstrument jedoch strittig ist und bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass durch die Bestimmung des PSA-Wertes die Prostatakarzinomsterblichkeit rückläufig war, wird das PSA-Screening nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die Sie, möchten Sie den PSA-Wert im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung bestimmen lassen, selbst tragen müssen.

Nach einer Erstbestimmung des PSA-Wertes ab einem Alter von 45 Jahren ergibt sich je nach Höhe des ermittelten Wertes das weitere Vorgehen:

  • bei einem PSA < 1ng/ml wird die nächste Wertbestimmung nach vier Jahren empfohlen. Nach dem 70. Lebensjahr sind keine weiteren Kontrollen notwendig.
  • liegt der PSA-Wert zwischen 1-2 ng/ml sollte die nächste Wertkontrolle nach zwei Jahren erfolgen.
  • bei Werten > 2 ng/ml kann der Wert im jährlichen Abstand bestimmt werden.

Verlaufskontrolle übernimmt die Kasse

Weiterhin wird der PSA-Wert zur Verlaufskontrolle bei PSA-positivem Prostatakrebs bestimmt, um die Wirksamkeit der Therapie zu überprüfen und Rezidive frühzeitig zu erkennen. Im Rahmen von Kontrolluntersuchungen nach diagnostiziertem oder therapiertem Karzinom werden die Kosten für die Bestimmung des PSA-Wertes von der Krankenkasse getragen.

Insgesamt gelten verschiedene Situationen als suspekt und sollten weiter abgeklärt werden. Hierzu zählen unter anderem:

  • eine Gesamt-PSA von > 4 ng/ml
  • ein Anstieg des PSA-Wertes innerhalb eines Jahres um mehr als 0,35-0,75 ng/ml
  • ein Anteil von weniger als 20% freiem PSA am Gesamt-PSA

PSA-Bestimmung bleibt umstritten

Doch Vorsicht, auch wenn diese Angaben sehr klar zu sein scheinen, muss immer bedacht werden, dass der PSA-Wert auch dann erhöht sein kann, wenn beispielsweise an der Prostata manipuliert wurde (Analverkehr, Prostatamassage) oder eine andere Erkrankung der Prostata vorliegt (beispielsweise entzündliche Erkrankungen der Prostata oder ein Harnstau).

Weiterhin ist eine Erhöhung des PSA-Wertes nicht bei jedem Karzinom obligat. Bestimmte Formen sowie sehr langsam wachsende Tumore müssen nicht zu Auffälligkeiten im PSA-Wert führen und entziehen sich somit diesem diagnostischen Mittel.

Nähere Informationen finden Sie hier:
Fragen und Antworten zum PSA-Test

4. Sonographie & Prostatabiopsie

Bei suspekten Befunden in der Basisdiagnostik werden weitere Instrumente zur Sicherung der Diagnose eingesetzt. Mittel der Wahl ist hierbei die transrektale sonographiegesteuerte Prostatastanzbiopsie. Hierbei werden unter ultraschallgestützter Sicht und Lokalanästhesie 10 bis 12 Gewebeproben aus der Prostata entnommen. Die Instrumentarien zur Probenentnahme werden dabei von rektal eingeführt und die Prostata durch den Darm hinweg punktiert.

Bei auffälligen Befunden oder einem weiter stark ansteigendem PSA-Wert kann nach circa sechs Monaten eine weitere Biopsie notwendig werden. Die Gewebeproben werden unter dem Mikroskop beurteilt und anhand des Gleason-Scores bewertet.

5. Weitere Staginguntersuchungen

Konnte die Diagnose eines bösartigen Tumors der Prostata gesichert werden, schließen sich weitere Untersuchungen, sogenannte Staginguntersuchungen an, mit denen die Ausdehnung des Tumors an seinem primären Entstehungsort beurteilt sowie nach Tochtergeschwulsten gefahndet werden soll.

Vom Kopf bis auf die Füße

Die wichtigsten Untersuchungen zur Stagingdiagnostik sind hierbei:

  • Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane: Eine Sonographie der Bauchorgane dient vor allem der Abklärung von Metastasen in der Leber und der Detektion von Harnabflussstörungen.
  • Ganzkörperknochenszintigraphie: zur Beurteilung des Knochenstatus bzw. zum Aufdecken von Knochenmetastasen
  • Röntgen der Wirbelsäule: Vor allem bei Rückenschmerzen ist das Röntgen ein Verfahren, dass schnell Auskunft über eventuelle Metastasen der Lendenwirbelsäule liefert.
  • Laparokopie: Im Rahmen einer laparoskopischen Untersuchung können Lymphknoten aus dem kleinen Becken entfernt und auf Tumorzellen untersucht werden. Die sogenannte laparoskopische pelvine Lymphadenektomie dient der Einschätzung des Grades der Metastasierung in die regionären Lymphknoten.
  • MRT des Beckens: Mittels MRT kann bei unklaren Befunden die Frage nach der Ausdehnung des Tumors sowie die Operabilität geklärt werden.

Welche Staginguntersuchungen im Einzelnen zur Anwendung kommen, ist jeweils eine individuelle Entscheidung und hängt maßgeblich von den Voruntersuchungen ab, die bei Ihnen durchgeführt wurden. Anhand der vorliegenden Ergebnisse kann Ihr behandelnder Arzt das Tumorstadium einschätzen und die anschließende Therapie planen. Diese wird sehr individuell gewählt und entscheidend durch Sie selbst mitbestimmt. Lassen Sie sich also über alle Verfahren sowie deren Vor- und Nachteile gut aufklären.

Mehr zur Diagnostik erfahren Sie hier:
Untersuchungen bei Krebsverdacht
Ausbreitungsdiagnostik

Klassifikation

Zur Einteilung des Prostatakarzinoms können verschiedene Systeme herangezogen werden. Die TNM-Klassifikation ist international gültig und bezieht sich auf die makroskopische Ausbreitung des Tumors, während anhand des Gleason-Scores die unter dem Mikroskop sichtbaren Zellveränderungen des Prostatagewebes beurteilt werden.

TNM-Klassifikation

Im Anschluss an die Diagnosestellung erfolgt die Klassifikation des Tumors anhand des TNM-Stadiums. Die TNM-Klassifikation ist ein international verwendetes Klassifikationssystem, das zur Beschreibung von bösartigen Tumoren genutzt wird. Anhand der TNM-Klassifikation eines Tumors lassen sich seine Merkmale erkennen. Daran können Ärzte einschätzen, welche Therapie vonnöten bzw. wie gut die Prognose der jeweiligen Krebsform ist.

  • T: Das "T" der TNM-Klassifikation bezieht sich auf den Ausgangs- oder Primärtumor selbst. Es beschreibt seine Größe bzw. die jeweilige örtliche Ausdehnung.
  • N: Das "N" gibt die Anzahl der befallenen Lymphknoten an, die bereits von Tumormetastasen durchsetzt sind.
  • M: "M" steht für Fernmetastasen und bezieht sich auf Tochtergeschwulste, die sich fernab des Primärtumors in anderen Organen abgesiedelt haben.

Zur Beschreibung des Prostatakarzinoms sieht die TNM-Klassifikation folgendermaßen aus:

T0 Es besteht kein Anhaltspunkt für einen Tumor der Vorsteherdrüse.
T1 Der Primärtumor ist klinisch nicht erkennbar (es bestehen keine Symptome, der Tumor ist weder tast- noch sichtbar).
- T1a: Im operativ entfernten Prostatagewebe sind < 5% des untersuchten Gewebes tumorös.
- T1b: Im operativ entfernten Prostatagewebe sind > 5% des untersuchten Gewebes tumorös.
- T1c: Ultraschall und Tastbefunde der Prostata sind unauffällig, mithilfe einer Gewebeentnahme ist dennoch ein Tumor nachweisbar.
T2 Das Karzinom ist auf die Prostata beschränkt, die die Prostata umgebende Kapsel ist intakt.
- T2a: Der Tumor hat < 50% eines Seitenlappens der Prostata befallen.
- T2b: Der Tumor hat > 50% eines Seitenlappens der Prostata befallen.
- T2c: Der Tumor hat beide Seitenlappen der Prostata befallen.
T3 Das Prostatakarzinom hat die Kapsel durchbrochen und sich außerhalb der Prostata ausgebreitet.
- T3a: Die Ausbreitung ist außerhalb der Prostatakapsel, ohne Befall von Nachbarorganen.
- T3b: Die Ausbreitung des Karzinoms betrifft die Samenblase.
T4 Das Prostatakarzinom hat sich auf Nachbarorgane wie die Harnblase, den Enddarm oder die Beckenwand ausgebreitet.
N1 Lymphknoten im Bereich des kleinen Beckens weisen Metastasen des Prostatakarzinoms auf.
M1 Es liegen Fernmetastasen vor.
- M1a: Metastasen außerhalb des kleinen Beckens
- M1b: Es liegen Knochenmetastasen vor.
- M1c: Fernmetastasen befinden sich in allen anderen Organen.

Gleason-Score

Der Gleason-Score dient der Beurteilung von Gewebeproben, die im Rahmen einer Biopsie oder Organentnahme aus der Prostata gewonnen wurden. Unter dem Mikroskop kann beurteilt werden, wie stark sich die Karzinomzellen von den gesunden Zellen der Prostata unterscheiden.

Weiterhin kann mittels der mikroskopischen Untersuchung bzw. des Gleason-Scores abgeschätzt werden, wie schnell der Tumor wächst und ob er bereits die Kapsel der Prostata durchbrochen hat. In Zusammenschau lassen sich prognostische Parameter ermitteln, die bei der Wahl der Therapie eine Rolle spielen können.

5 Grade, 10 Werte

Zur Ermittlung des Gleason-Scores werden die betrachteten Krebszellen zunächst in 5 Gruppen unterteilt. Dabei entspricht ein Gleason-Grad von 1 kaum verändertem Gewebe, während ein Gleason-Grad von 5 einer so starken Entartung des Gewebes entspricht, dass das Ausgangsgewebe der Prostata kaum mehr erkennbar ist. Zur Ermittlung des Gleason-Scores werden zwei Gleason-Grade addiert, sodass sich ein Wert zwischen 2 und 10 ergibt:

  • Stammt die beurteilte Gewebeprobe aus einer Prostatastanzbiopsie, wird der am häufigsten vorkommende Gleason-Grad mit dem addiert, der am schlechtesten ausdifferenziert ist, sich also am stärksten vom gesunden Gewebe unterscheidet.
  • Kommt die beurteilte Gewebeprobe jedoch aus einem Resektat der Prostata, errechnet sich der Gleason-Score aus der Addition der am häufigsten mit der am zweithäufigsten vorkommenden Tumorzellart.

Niedrige Werte lassen auf einen eher langsam wachsenden, gut ausdifferenzierten Tumor schließen, während hohe Werte die Gefährlichkeit und das schnelle Wachstum des Prostatakarzinoms anzeigen.

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Behandlung

Oft reicht auch Abwarten

Zur Behandlung des Prostatakarzinoms stehen verschiedene Optionen zur Auswahl. Neben klassischen Methoden wie einer operativen Entfernung der Prostata und einer Bestrahlung des Tumorgewebes gibt es auch die Möglichkeit der aktiven Überwachung ("Active Surveillance"). Hierbei wird das Prostatakarzinom in kurzen zeitlichen Abständen überwacht und erst bei Fortschreiten der Erkrankung mit einer definitiven Tumortherapie begonnen.

Liegen bereits Fernmetastasen vor oder liegt Ihre Lebenserwartung unabhängig vom Krebs bei unter 10 Jahren, kann eine palliative Therapie erwogen werden. Diese sieht unter anderem das Konzept des beobachtenden Abwartens ("Watchful Waiting") vor, wobei lindernde Maßnahmen erst dann eingeleitet werden, wenn sich Symptome der Erkrankung zeigen.

Allgemein kann zwischen zwei Situationen unterschieden werden: der Therapie des nicht-metastasierten sowie der Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms.

1. Therapie des nicht-metastasierten Prostatakarzinoms

Zur Behandlung eines nicht-metastasierten Prostatakarzinoms stehen zwei gleichwertige Alternativen zur Verfügung, die jeweils ein kuratives Therapieziel verfolgen, also zur Heilung der Erkrankung führen sollen.

Geschmacksache: Operation oder Bestrahlung

Zum einen kann die gesamte Prostata operativ entfernt werden. Dabei werden neben der Prostata inklusive ihrer Kapsel auch die angrenzende Samenblase sowie anliegenden Anteile des Samenleiters entfernt. In der Regel werden zusätzlich benachbarte Lymphknoten entfernt und histologisch auf vorliegende Metastasen untersucht. Des Weiteren werden die Schnittränder des entfernten Gewebes untersucht und auf Tumorfreiheit überprüft. Bei tumorbefallenen Schnitträndern des Resektates sollte sich an den operativen Eingriff eine Bestrahlung des Tumorbettes anschließen, um eventuell verbliebene Tumorzellen zu zerstören.

Obwohl es sich bei der operativen Entfernung der Prostata um keinen allzu großen Eingriff handelt, kann es doch zu Komplikationen kommen, die die Lebensqualität im Nachgang erheblich einschränken können. Hierzu zählen in erster Linie die Stressinkontinenz sowie die erektile Dysfunktion, die in ca. 50% der Fälle auftritt.

Alternativ zur Operation kann eine externe Bestrahlung als therapeutische Option eingesetzt werden. Diese wird in mehreren Sitzungen mit einer Gesamtstrahlendosis von 74-80 Gray durchgeführt. Sind Lymphknoten befallen, kann die Strahlentherapie mit einer Hormontherapie kombiniert werden.

Den Ball flach halten: Active Surveillance

Bei sehr kleinen, lokal und langsam wachsenden Prostatakarzinomen bestehen darüber hinaus zwei weitere Behandlungsstrategien: Einerseits kann radioaktiv strahlendes Material (sogenannte 125-Iod-Seeds) in die Prostata eingesetzt werden und dort die Tumorzellen lokal zerstören.

Andererseits besteht die Option der "Active Surveillance" (aktive Überwachung), bei welcher der Tumor bzw. das Tumorwachstum in engen Abständen überwacht und erst bei einem Fortschreiten der Erkrankung behandelt wird. Diese Variante hat den Vorteil, dass keine unnötige Behandlung durchgeführt wird. Der Nachteil sind sehr engmaschige Untersuchungstermine, die oftmals eine große Verunsicherung bezüglich der eigenen Gesundheit nach sich ziehen.

2. Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms

Hat das Prostatakarzinom bereits Absiedlungen in anderen Körperregionen gebildet oder beträgt Ihre Lebenserwartung unabhängig von der Tumorerkrankung unter 10 Jahren, werden regelhaft palliative Therapieverfahren eingesetzt.

Dem Tumor die Hormonzufuhr kappen

Zum einen kann eine kombinierte Hormon-Chemotherapie zum Einsatz kommen. Bei dieser wird ein klassisches Chemotherapeutikum wie Docetaxel mit einem GnRH-Analogon wie Buserelin oder einem GnRH-Blocker wie Abarelix sowie mit einem Antiandrogen wie Flutamid kombiniert.

Ziel der Hormontherapie ist es, eine vollständige Androgenblockade zu erreichen und dem Tumor auf diese Weise seinen hormonellen Wachstumsreiz zu entziehen, da viele Prostatakarzinome androgenabhängig wachsen. Die kombinierte Chemotherapie soll die Neuentstehung von Tumorzellen verhindern und damit das Wachstum des entarteten Prostatagewebes weiter einschränken.

Eine sinnvolle Alternative: Watchful Waiting

Eine andere Option des palliativen Therapiekonzeptes ist das "Watchful Waiting" (beobachtendes Abwarten). Hierbei wird das Tumorwachstum langfristig beobachtet und erst dann interveniert, wenn Sie Beschwerden entwickeln, die zu einer Minderung der Lebensqualität führen. Im Gegensatz zur "Active Surveillance" geht es dabei nicht um Maßnahmen zur Heilung der Erkrankung, sondern vielmehr darum, Symptome der fortschreitenden Tumorerkrankung zu lindern.

Egal, welches Therapiekonzept gewählt wird, es ist sehr wichtig, dass Sie über Vor- und Nachteile jedes einzelnen gut Bescheid wissen, um für sich abwägen zu können, welche der therapeutischen Optionen Sie nutzen wollen und welche nicht. Vertrauen Sie dabei nicht nur den ärztlichen Aussagen, sondern auch Ihrem eigenen Bauchgefühl.

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Häufige Fragen zur Behandlung

Prognose

Die Prognose des Prostatakarzinoms ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Entscheidend sind der Gleason-Score sowie das TNM-Stadium des Ausgangstumors, aber auch der Operationsbefund. Eine Entfernung des Tumors im Gesunden hat beispielsweise eine deutlich bessere Prognose, als wenn Restbestandteile des tumorösen Gewebes im Gesunden verbleiben.

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Autorin: Lisa Wunsch

Quellen

M. Stephan et al.: Die Urologie, Springer Medizin Verlag, 2016.

Leitlinie Onkologie: S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms,  http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLl_S3_Prostatakarzinom_2018-04.pdf, zuletzt aufgerufen am 22.05.2018.

N. Mottet et al.: Guidelines on Prostate Cancer, https://uroweb.org/wp-content/uploads/09-Prostate-Cancer_LR.pdf, zuletzt aufgerufen am 22.05.2018.

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