Warum nimmt das Sturzrisiko im Alter zu?

Im Alter kommen mehrere Faktoren zusammen, die das Sturzrisiko erhöhen können. So nehmen etwa die Muskelmasse und die Knochendichte ab. Beide Faktoren erhöhen die Gefahr hinzufallen. Auch die Sehkraft verschlechtert sich, man tritt also leichter mal daneben.

Muskelverstärker Vitamin D: bei geschwächten Nieren oft zu wenig

Bei vielen älteren Menschen nimmt zudem die Nierenfunktion ab, wodurch es unter anderem zu einem (häufig unerkannten) Mangel an Vitamin-D-Hormon kommen kann – und das auch bei ausreichender Vitamin-D-Versorgung. Der Grund ist, dass es für die Wirkung von Vitamin D zuvor eines Aktivierungsschrittes in der Niere bedarf.

Warum ist Vitamin D so wichtig? Weil die aktiven Komponenten des sogenannten Vitamin-D-Hormons nicht nur den Knochen festigen, sondern auch die Muskelkraft erhöhen. Und mit kräftigeren Muskeln fällt man weniger oft hin.

Auch andere Erkrankungen und Medikamente erhöhen das Sturzrisiko

Zu einer Erhöhung des Sturzrisikos trägt neben den altersbedingten Veränderungen auch die Zunahme anderer Erkrankungen bei. Nur ein Beispiel: Bei Herzrhythmusstörungen und anderen Kreislaufproblemen kommt es nicht selten auch zu Blutdruckschwankungen. Und die können zu kurzen Ohnmachtsanfällen mit schweren Stürzen führen – besonders direkt nach dem Aufstehen. Aber auch die verordneten Medikamente können zur Gefahr werden. Manche von ihnen erhöhen die Sturzgefahr direkt, z.B. Schlaf- und Beruhigungsmittel, andere indirekt über ihre Neben- und Wechselwirkungen.

Keine Sorge bei gepflegter Fitness

Im Pflegeheim ist die Sturzrate übrigens höher als in der häuslichen Umgebung. Und damit kommen wir zur guten Nachricht: Für mehr als zwei Drittel der über 65-Jährigen besteht statistisch gesehen kaum eine Gefahr: Sie stürzen seltener als einmal im Jahr. Das ist die positive, gesundheitsorientierte Version der Botschaft zur Häufigkeit von Stürzen im Alter. Noch eine gute Nachricht: Nur ein Fünftel der Stürze führt zu irgendwelchen Verletzungen, weniger als 10% zu den gefürchteten Knochenbrüchen.

Aber wie es in unseren Zeiten üblich ist, betrachten wir die Dinge meist eher von der bedrohlichen Seite: Und nach dieser Lesart beträgt das Sturzrisiko in der Altersgruppe über 65 Jahre etwa 30%. Eines ist an dieser Sichtweise aber durchaus richtig: Es mahnt zur Vorsicht. Denn Sie sollten die Sturzgefahr im Alter durchaus ernst nehmen und sich gezielt um Ihre gesundheitliche Fitness kümmern – auch, um diese Gefahr so gering wie möglich zu halten.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn