Zoledronat

Zoledronat (INN Zoledronsäure) gehört zu den Arzneistoffen, welche die Knochen schützen (so genannte Bisphosphonate). Es handelt sich hierbei um ein Pyrophosphat-Analogon, das von der Struktur her der Pamidronsäure ähnelt.

Der Arzneistoff wird von der Firma Novartis unter zwei Handelsnamen (Aclasta® und Zometa®) mit verschiedenen Zulassungen vertrieben.

Zometa® (seit 2003) ist zugelassen zur Behandlung der tumorinduzierten Hyperkalzämie (TIH) und zur Prävention skelettbezogener Komplikationen bei Patienten mit fortgeschrittenen, auf das Skelett ausgedehnten, Tumorerkrankungen.

Aclasta® ist seit 2005 zur Behandlung der Osteodystrophia deformans (Morbus Paget)zugelassen. Im Oktober 2007 wurde eine europäische Zulassung zur Behandlung der Osteoporose gegeben.

Wirkung

Durch Zoledronsäure wird der Knochenabbau vermindert, indem die Osteoklasten gehemmt werden. Die Osteoklasten sind für die Resorption der Knochensubstanz verantwortlich.

Aclasta®

Aclasta ® wird im Gegensatz zu anderen Bisphosphonaten einmal jährlich intravenös - und nicht wie sonst üblich in Form von wöchentlicher Tabletteneinnahme - verabreicht.

Aclasta® wird gegen Osteoporose und Osteodystrophia deformans eingesetzt. Die Osteodystrophia deformans ist nach Osteoporose die zweithäufigste Erkrankung des Knochenstoffwechsels. Sie äußert sich durch die Verdickung und Deformierung von Knochen und eine verminderte Bruchfestigkeit.

Die Ursache ist nicht abschließend geklärt - man nimmt virale Infektionen oder genetische Faktoren an. In der 2007 veröffentlichten HORIZON-PFT Studie mit 7765 Patientinnen mit postmenopausaler Osteoporose konnte über drei Jahre unter Zoledronsäure 5 mg das relative Risiko für Wirbelkörperfrakturen im Vergleich mit Placebo um 70 % und das Risiko für Hüftfrakturen um 41 % reduziert werden.

Eine Durchstechflasche Aclasta® enthält 5 Milligramm Wirkstoff, in 100 ml Wasser für Injektionszwecke. Die Applikation erfolgt einmal jährlich als Infusion.

Erweiterte Indikation

Die Europäische Kommission hat auf der Basis der wissenschaftlichen Beurteilung der Europäischen Arzneimittelagentur für Zoledronat eine erweiterte Zulassung für die EU, Island und Norwegen erteilt. Neu können auch Männer, welche aufgrund einer Osteoporose ein erhöhtes Frakturrisiko aufweisen, mit Zoledronat behandelt werden.

Die Zulassungserweiterung umfasst auch die Reduktion von Frakturen bei Männern und postmenopausalen Frauen, welche kürzlich eine osteoporosebedingte Hüftfraktur erlitten haben.

Letztgenannte Indikationserweiterung stützt sich auf eine klinische Studie mit 2100 PatientInnen. Gemäß diesen Studiendaten kann das Risiko für eine erneute Fraktur um 35 % gesenkt werden.

Zometa®

Zometa® wird üblicherweise drei- bis vierwöchentlich als intravenöse Infusion verabreicht.

Neben der Inhibition der Knochenresorption wurde in klinischen Studien verschiedene Anti-Tumor-Aktivitäten nachgewiesen, die zur Gesamtwirkung beitragen könnten.

Durch die Hemmung der Rsorption wird die Anfälligkeit des Knochenmarks für das Wachstum von Tumorzellen vermindert, außerdem wurden anti-angiogenetische und analgetische Effekte beobachtet. In vitro wurde unter anderem eine direkte zytostatische Aktivität auf Tumorzellen festgestellt.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Zoledronat oder Zoledronsäure sind vergleichbar mit denen anderer i.v. Bisphosphonate. Sie treten in der Regel innerhalb der ersten Tage nach der Einnahme auf und klingen innerhalb weniger Tage wieder ab. Als häufigste Nebenwirkungen sind grippeähnliche Symptome zu beobachten. Außerdem kann es in Einzelfällen zu Fieber, Knochen- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Laut der sogenannten HORIZON-Studie trat bei Behandlung mit Zoledronsäure bei nicht wenigen Patientinnen (1,3 %) auch Vorhofflimmern auf, das bisher bei Bisphosphonaten nicht beobachtet worden war. Das Vorhofflimmern lag unter der für diese Altersgruppe zu erwartenden Rate und wurde in anderen Studien mit Zoledronsäure nicht beobachtet.

Seit 2003 wird das Auftreten von Kiefernekrosen nach Zahnextraktion in Verbindung mit der Gabe von Aminobisphosphonaten beschrieben. Kiefernekrosen treten fast ausschließlich in Verbindung mit der Gabe von Zoledronsäure auf.

In Bereich einer westdeutschen Großstadt mit 250000 Einwohnern und einen Einzugsgebiet von 1 Million wurden insgesamt 169 Patienten dreier onkologischer Schwerpunktpraxen sowie den beteiligten Fachklinika einer Universitätsklinik untersucht. (...)

Insgesamt konnten bei 15 Patienten (9 %) bisphosphonatassoziierte Kiefernekrosen gefunden werden. Das am häufigsten verwendete Aminobisphosphonat war Zoledronsäure. 47 Prozent der Patienten erhielten dies isoliert, bei weiteren 20 Prozent war Zoledronsäure im Wechsel mit anderen Bisphosphonaten gegeben worden.

13 Prozent hatten Aredia, 20 Prozent Bondronat erhalten. Kiefernekrosen entstanden zu je 50 % nach Zahnextraktion oder spontan. Meist war der Unterkiefer betroffen, in 20 % Ober- und Unterkiefer. (Gerhards F., Rana M., Maciejewski O., Smeets R.: Prospektive Kohortenstudie zu möglichen Kofaktoren der bisphosphonatassoziierten Kiefernekrosen; 59. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Kieferchirurgie , Wiesbaden, 21.-23. Mai 2009)

Wegen des Auftretens bzw. der Verschlechterung von Nierenfunktionsstörungen unter Zoledronsäure wurden Patienten mit schlechter Nierenfunktion im März 2010 von der Behandlung mit Aclasta®ausgeschlossen. Entsprechende Warnhinweise wurden ergänzt bzw. erweitert.

Handelsnamen

Monopräparate

Aclasta (A, CH), Reclast (USA), Zometa (D, A, CH)

 


Der Beitrag "Zoledronat" auf www.navigator-medizin.de basiert auf dem Artikel Zoledronat aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.