Warum wird ein Tinnitus manchmal leiser und lauter?

Dass ein Tinnitus nicht immer gleich laut wahrgenommen wird, hängt von verschiedenen Ursachen ab. Denn es gibt unterschiedliche Faktoren, die das Ohrensausen beeinflussen können. Stress, innere Anspannung, Aufregung oder seelischer Druck zum Beispiel können dazu beitragen, dass das Geräusch lauter und unangenehmer empfunden wird.

Auf die eigene Wahrnehmung kommt es an

Der sogenannte subjektive Tinnitus ist die häufigste Form von Ohrengeräuschen. Bei ihm gibt es keine objektive Schallquelle für das Piepsen oder Rauschen im Ohr. Der Betroffene nimmt also ein Geräusch wahr, für das es keine reale akustische Entsprechung gibt.

Das heißt jedoch nicht, dass er sich den lästigen Dauerton nur einbildet. Ein Tinnitus existiert tatsächlich. Da er jedoch eine subjektive Empfindung darstellt, kann er entsprechend beeinflusst und von außen modifiziert werden. Das hat Vor- und Nachteile.

Mit bestimmten Maßnahmen lässt sich der Tinnitus eindämmen und oft fast vergessen machen. Bei der Therapie eines chronischen Tinnitus macht man sich diese Einflussmöglichkeiten zunutze. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Situationen und Umstände, unter denen sich ein Ohrengeräusch drastisch verschlechtern und als noch unangenehmer empfunden werden kann.

Ein Spiegel der Seele

Heutzutage weiß man, dass ein chronischer Tinnitus eng mit der Psyche und dem seelischen Wohlbefinden zusammenhängt. Tinnitus ist gewissermaßen ein Paradebeispiel dafür, wie sehr seelische Belastungen und körperliche Gesundheit in Zusammenhang stehen.

Generell kann man sagen: Jede Form von psychischer Belastung (wie Dauerbelastungen im Beruf und im Alltag, Zukunfts- und Versagensängste, schwere Krankheiten, traumatische Erlebnisse usw.) kann einen Tinnitus auslösen und eben auch dazu führen, dass er vom Betroffenen lauter wahrgenommen wird als sonst. Daher gehören Entspannungsübungen und Methoden der Stressbewältigung zum Therapiekonzept eines chronischen Tinnitus. Auch eine psychotherapeutische Behandlung kann manchmal sehr hilfreich bei der Bewältigung der Probleme sein, die sich im Ohrensausen widerspiegeln.

Aber auch die Tages- und Jahreszeit wie auch wechselndes Wetter können sich in unterschiedlicher Weise auf den Tinnitus auswirken. So ist man etwa am Vormittag in der Regel weniger schmerzempfindlich als am Abend oder nachts. Darüber hinaus gibt es bestimmte Tage, an denen man auf das Ohrensausen einfach mehr achtet und es daher als lauter und störender empfindet.

Sport: gut oder schlecht?

Einige Betroffene berichten außerdem, dass das Piepsen, Summen oder Brummen im Ohr durch Sport und generell bei starker körperlicher Anstrengung lauter wird. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich jede Art von sportlicher Aktivität (vor allem Sportarten, die viel Kraftaufwand erfordern) unmittelbar auf das Herz-Kreislaufsystem auswirkt und immer auch eine gewisse Kreislaufbelastung darstellt. Zudem gilt bei körperlicher Ermüdung das Gleiche wie bei psychischer Erschöpfung: Große sportliche Anstrengung verlangt dem Körper sehr viel Energie ab und kostet Kraft.

Außerdem: Viele Betroffene haben sich an das Ohrensausen bereits gewöhnt, und das Gehirn unterdrückt das Geräusch unbewusst. Dies gelingt allerdings weniger gut, wenn sich der Körper gleichzeitig mit anderen Anstrengungen auseinandersetzen muss.

Trotzdem hat Sport insgesamt eine förderliche Wirkung auf Körper und Seele und wird daher bei Tinnitus grundsätzlich empfohlen. Sportliche Betätigung trägt zu einer Steigerung des Wohlbefindens bei, was sich wiederum positiv auf die Wahrnehmung des Tinnitus und sogar gegen depressive Verstimmungen auswirken kann. Außerdem wird der Tinnitus nach der sportlichen Belastung in der Regel wieder leiser. Langfristig wirkt Sport daher sehr heilsam.

Dabei sind einige Sportarten für Menschen, die unter einem Tinnitus leiden, besonders gut geeignet. Dazu zählen vor allem Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Jogging, Aquajogging, Skilanglauf, Fahrradfahren oder Schwimmen: Stetige Aktivität, dem jeweiligen körperlichen Fitnesszustand angepasst, hilft dabei, den Tinnitus möglichst ruhig zu stellen und selbst den Ton anzugeben.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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