Entsteht Tinnitus durch zu viel Stress?

Stress kann zwar nicht direkt einen Tinnitus auslösen. Häufig aber tritt das Ohrengeräusch in Zusammenhang mit Stress auf. Zudem führt er oft dazu, dass Menschen den Tinnitus lauter und unangenehmer wahrnehmen.

Vor allem Dauerstress, belastende Lebensereignisse und ständige Sorgen können dazu führen, dass auch das Hörsystem "unter Druck steht". Es warnt sozusagen den Körper davor, sich weiter zu überfordern. Ein Tinnitus kann daher auch als "Hilfeschrei der Seele" verstanden werden. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das eigene Wohlbefinden einen sehr großen Einfluss auf die Entwicklung von Ohrensausen hat.

Guter und schlechter Stress

Jeder kennt stressige Phasen. Sie lassen sich nicht immer vermeiden und können manchmal auch durchaus förderlich sein, um uns anzuregen, zu motivieren und neu herauszufordern. In diesem Zusammenhang spricht man auch vom sogenannten Eustress, also vom "gutem Stress", im Gegensatz zum "schlechten", dem Disstress, der uns überfordert und krank macht.

Vor allem Dauerstress gehört zu diesen negativen Belastungen und kann einen Tinnitus begünstigen. Auch ein falscher Umgang mit Stresssituationen (fehlende oder falsche Stressbewältigungsstrategien) trägt dazu bei. Viele Betroffene, die unter einem chronischen Tinnitus leiden, können nicht gut mit Stress umgehen und sind mit den Anforderungen im Alltag leicht überfordert, wodurch sie ständig unter Anspannung, innerer Unruhe und Zeitdruck stehen. Häufig fällt es diesen Menschen zudem schwer, persönliche Kränkungen und seelische Verletzungen emotional zu verarbeiten.

Raus aus aus dem Teufelskreis: Stressbewältigung

Darüber hinaus stellt das quälende Brummen, Piepsen oder Rauschen im Ohr auch selbst einen wesentlichen Stressfaktor dar. Bei einem chronischen Tinnitus ist das Ohrengeräusch andauernd zu hören – selbst im Ruhezustand. Aus diesem Grund können sich viele Betroffene nicht mehr richtig entspannen. Tinnitus und Stress schaukeln sich gegenseitig immer mehr auf.

Daneben erschweren weitere Stressfaktoren im Alltag (familiäre oder berufliche Sorgen) vielen Menschen, innere Ruhe zu finden. Ein Teufelskreis, aus denen viele Betroffene von alleine nicht mehr herauskommen. Im schlimmsten Fall kann ein chronischer Tinnitus zu Depressionen, sozialer Isolation oder Angsterkrankungen führen oder umgekehrt als Folge einer solchen Erkrankung hervorgehen.

Ein wichtiges Ziel in der Tinnitus-Therapie ist es daher, den Betroffenen beizubringen, wie sie in Zukunft besser mit stressbedingten Situationen umgehen können. Entspannungsübungen und das Erlernen von Stressbewältigungsstrategien versprechen meist gute Erfolge.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

Lesen Sie dazu auch:
Tinnitus: Grundlagen und Ursachen

Anzeigen