Kann zu viel Lärm zu Tinnitus führen?

Ja. Ohrengeräusche werden sehr oft durch Lärmschäden verursacht. Neben Stress gilt Lärm sogar als eine der Hauptursachen für Tinnitus. Dabei spielen sowohl die Lautstärke als auch die Dauer der Belastung eine Rolle.

Ausschlaggebend für eine Gehörgefährdung sind mehrere Faktoren:

  • Die Höhe des Lärmpegels, der auf das Ohr einwirkt. Ab 80 Dezibel kann die Gesundheit bereits leiden.
  • Die gesamte Schallenergie, die auf das Ohr einwirkt. Lärmeinwirkung von 150 Dezibel verursacht in Sekunden irreparable Schäden.
  • Die Erholungszeit zwischen den Lärmphasen. In der Regel braucht es bis zu zehn Stunden, damit sich die Ohren von einer akuten Lärmbelastung erholen können.

Vom Lärm weggefegt

Trifft starker Lärm dauerhaft oder plötzlich als kurzer Knall auf das Ohr, kann die empfindliche Hörschnecke die äußeren Schallwellen nicht mehr richtig verarbeiten. Die feinen Haarzellen im Innenohr werden quasi "niedergemäht" und leiten die akustischen Reize fehlerhaft weiter. Es kommt zu einem akustischen Trauma im Ohr, und die Haarzellen können ihre Funktion nicht mehr richtig ausüben.

Bei einer länger anhaltenden Lärmbelastung ist es auch möglich, dass es zu einer dauerhaften Schädigung des Innenohrs kommt und die feinen Sinneszellen nicht mehr angemessen auf einen Schallreiz reagieren können. Ein chronischer Tinnitus kann entstehen. Denn sind die Haarzellen erstmals beschädigt, können sie auch nicht mehr nachwachsen.

Je nach dem, durch was ein akustisches Trauma zustande gekommen ist (z.B. Silvesterknaller, lautes Musikhören mit Kopfhörern), kann man zwischen verschiedenen Verletzungen (Explosions-, Knall-, Lärmtrauma) unterscheiden. Außerdem werden Lärmtraumata in akute und chronische Formen eingeteilt.

Chronisches Lärmtrauma: Die Summe macht's

Ein chronischer Lärmschaden kann zum Beispiel entstehen, wenn jemand täglich mehrere Stunden einem hohen Lärmpegel ausgesetzt ist. Anfangs erholen sich die Ohren in den Ruhephasen wieder. Nach jahrelanger wiederkehrender Beschallung verschlechtert sich das Hörvermögen jedoch beidseitig.

Das ist häufig am Arbeitsplatz in lauter Umgebung der Fall, wie z.B. auf einem Flughafen. Daher gilt eine Schwerhörigkeit, die durch Lärm am Arbeitsplatz ausgelöst ist, als Berufskrankheit. Grundsätzlich ist vorgeschrieben, dass ein Grenzwert von 85 Dezibel am Arbeitsplatz nicht überschritten werden darf. Das entspricht etwa Maschinengeräuschen, bei denen man sich nicht mehr unterhalten kann. Wer am Arbeitsplatz häufig Lärm ausgesetzt sind, sollte den Ohren genug Zeit zur Regeneration geben und gegebenenfalls einen Gehörschutz (Ohrstöpsel) tragen.

Auch nach einem Discobesuch oder einem Rockkonzert kann es sein, dass die Ohren brummen, rauschen oder piepen. Meistens verschwinden die Symptome nach einigen Stunden Erholung wieder von selbst. Aber auch hier gilt: Setzt man sein empfindliches Hörorgan immer wieder solchen starken Reizen aus, nimmt es irgendwann irreparablen Schaden.

Generell lässt sich sagen: Je öfter und länger jemand von einem hohen Lärmpegel umgeben ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch ein bleibender Hörschaden entsteht.

Akutes Lärmtrauma: Ein kurzer Knall genügt

Daneben gibt es, wenn auch weitaus seltener, das akute Lärmtrauma, das bei großer Lärmeinwirkung mit Pegeln über 120 Dezibel auftritt. Lärmeinwirkung von 150 Dezibel verursacht in Sekunden irreparable Schäden. Auch Spielzeugpistolen, Knallfrösche, Sirenen oder Trillerpfeifen (die oft einen Wert von über 125 Dezibel erreichen) können einen akuten Lärmschaden im Ohr verursachen.

Sehr starke Schallimpulse von kurzer Dauer verursachen einen akuten Schäden am Trommelfell und der Gehörknöchelchenkette. Nach einem Knalltrauma, zum Beispiel durch einen explodierenden Feuerwerkskörper, der nahe am Ohr losgeht, kann der Druck im Ohr so hoch sein, dass sogar das Trommelfell platzt.

Muten Sie Ihren empfindlichen Ohren also nicht zuviel zu! Manchmal ist Lärm nicht zu vermeiden. Viele Menschen sind in ihrem Alltag immer wieder Lärmkulissen ausgesetzt. Unser Hörorgan kann höhere Lautstärken bis zu einem gewissen Grad verkraften und sich auch wieder regenerieren. Sehr laute Umgebungen sollte man jedoch möglichst vermeiden. Wichtig sind außerdem konsequente Ruhezeiten. Sie kommen übrigens nicht nur Ihren Ohren, sondern auch der Psyche und dem gesamten Wohlbefinden zugute.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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