Sind hier und da mal Ohrgeräusche schon ein krankhafter Tinnitus?

Nein, Ohrengeräusche, die hin und wieder mal auftreten, sind noch kein Anzeichen für einen krankhaften Tinnitus. Nach einem Discobesuch oder einer anderen, lang anhaltenden Lärmbelastung (z.B. lautes Musikhören mit Kopfhörern) haben viele Menschen schon einmal Ohrengeräusche wahrgenommen, die aber in den meisten Fällen wieder von alleine verschwinden.

Sensible Haarzellen vertragen keinen Lärm

Der Grund für das kurzzeitige Auftreten von Ohrengeräuschen ist folgender:

Werden die sogenannten Haarzellen im Innenohr über einen langen Zeitraum gereizt, wie es bei einer starken Lärmbelastung geschieht, ermüden sie und werden vorübergehend gelähmt. Diese Überreizung kann kurzzeitig ein Piepsen und Brummen im Ohr auslösen. Haben die Haarzellen jedoch die Möglichkeit zur Regeneration, können sie sich vollständig von der Dauerbeschallung erholen und ihre Funktion wieder aufnehmen.

Je öfter man jedoch seine Ohren hohen Lärmbelastungen aussetzt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die sensiblen Haarzellen nicht mehr genug Zeit haben, sich zu erholen und allmählich ihre Fähigkeit zur Regeneration verlieren. Einmal verletzte Hörzellen können nicht mehr neu gebildet werden. Der Schaden bleibt also bestehen und führt zu einer dauerhaften Hörstörung.

Des Weiteren kann auch Dauerstress oder ein besonders belastendes Lebensereignis ein vorübergehendes Ohrensausen auslösen. Hier reichen oft einfache Entspannungsübungen sowie ein vernünftiges Stressmanagement aus, um das lästige Ohrengeräusch wieder in den Griff zu bekommen.

Ohrengeräusche nicht immer ungefährlich

Dennoch sollte man Ohrengeräusche, auch wenn sie nur gelegentlich auftreten, nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn manchmal kann auch eine ernsthafte Erkrankung (zum Beispiel eine akute Mittelohrentzündung oder eine Stoffwechselerkrankung) dahinter stecken. Dann kommen jedoch meist noch andere Symptome hinzu, die einen irgendwann zum Arzt führen.

Generell sollte man Folgendes beachten: Bei akuten Ohrengeräuschen oder, wenn die Symptome länger als 24 Stunden anhalten, sollten Betroffene einen Facharzt aufsuchen, um die Ursache für das Ohrengeräusch zu klären. Das gilt vor allem dann, wenn neben dem Ohrenrauschen weitere Beschwerden (wie Hörverlust oder Schwindel) hinzukommen.

Außerdem: Je früher ein Tinnitus behandelt wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Ein akuter Tinnitus hat in der Regel gute Heilungschancen. Je länger jedoch das Ohrengeräusch andauert oder der Betroffene nichts dagegen unternimmt, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Tinnitus chronisch wird und sich im Kopf festsetzt.

Hält das Ohrgeräusch länger als drei Monate an, lässt es sich meist nicht mehr vollständig heilen. Ziel der Therapie ist es dann, die Symptome zu lindern und zu lernen, mit dem ständigen Ohrengeräusch umzugehen.

Autorin: Nina Schratt-Peterz

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