Kann hinter Tinnitus auch eine schwere Erkrankung stecken?

Ja, das ist grundsätzlich möglich, wenn auch selten. Hinter einem Tinnitus können viele Krankheiten stecken, die durchaus gefährlich werden können, wenn man nichts dagegen unternimmt.

Problem im Ohr selbst

Ohrengeräusche können zunächst einmal auf eine Erkrankung der Ohren selbst zurückgehen. Eine Störung im Innenohr, wie zum Beispiel die Menière-Krankheit, die häufig mit Drehschindel und Hörverlust einhergeht, sowie ein Hörsturz kann sich durch Ohrensausen äußern.

Des Weiteren ist es möglich, dass eine akute Mittelohrentzündung oder eine Entzündung des Gehörgangs hinter einem Tinnitus steckt. Auch eine Funktionsstörung der Ohrtrompete, die zum Nasen-Rachen-Raum führt, kann in eine chronische Mittelohrentzündung übergehen und Ohrgeräusche verursachen.

Weiterhin kann eine Erkrankung des Mittel- oder Innenohrs wie die Otosklerose, bei der es zum Umbau von knöchernen Strukturen im Ohr kommt, einen akuten Tinnitus auslösen.

Von Kopf bis Fuß alles denkbar

Daneben kann ein Tinnitus bei zahlreichen anderen Erkrankungen auftreten. Häufig steht er beispielsweise in Verbindung mit einer Autoimmunkrankheit (wie Lupus erythematodes, Colitis ulcerosa oder rheumatischen Erkrankungen). Zudem kann er auch Symptom einer Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus sein.

Außerdem ist es möglich, dass der Tinnitus durch eine ernsthafte Erkrankung im Gehirn ausgelöst wird, zum Beispiel aufgrund eines Hirntumors, einer Hirnhautentzündung oder auch durch eine chronische Erkrankung des Nervensystems (Multiple Sklerose).

Darüber hinaus können Herz-Kreislauf-Krankheiten (wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Gefäßverengungen) oder auch ein zu niedriger Blutdruck und Blutarmut (Anämie) sowie eine Nierenschwäche zu Ohrgeräuschen führen. Auch Störungen des Hormonhaushaltes (z.B. Erkrankungen der Schilddrüse) können einen Tinnitus auslösen. Weiterhin kommen Virusinfekte, Zahn-Kiefer-Probleme, Halswirbelsäulenerkrankungen, Medikamente, Stress, Drogen und Lärm als Ursache für das Ohrengeräusch infrage.

Sehr häufig tritt ein Tinnitus schließlich als Symptom einer Depression oder Angststörung auf.

Am häufigsten aber: Stress und zu viel Lärm

Sie sehen also, die Liste möglicher Erkrankungen, die sich hinter einem Ohrengeräusch verbergen können, ist lang. Das liegt daran, dass Tinnitus an sich keine eigene Krankheit ist, sondern eben ein Symptom einer bestimmten Störung.

Ähnlich wie Bauchschmerzen, die eine harmlose Magen-Darm-Verstimmung, eine akute Blinddarmentzündung oder bei Frauen einfach die Regelbeschwerden ausdrücken können, ist auch das lästige „Klingen der Ohren“ ein sehr unspezifisches Phänomen, dessen Ursachen gründlich abgeklärt werden müssen. Als häufigste Risikofaktoren für einen Tinnitus gelten nach wie vor psychischer Stress und extreme Lärmbelastung.

Wichtig: In den meisten Fällen ist ein Tinnitus harmlos. Nur selten steckt wirklich eine gefährliche Erkrankung dahinter. Generell aber empfiehlt es sich, bei Ohrengeräuschen, die länger als 24 Stunden anhalten, immer einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen, um die Ursache für das Ohrenrauschen weiter abzuklären bzw. um ernsthafte Verletzungen und Erkrankungen sicher ausschließen zu können.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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