Was sind die häufigsten Ursachen eines Tinnitus?

Das Auftreten von Ohrengeräuschen kann viele verschiedene Ursachen und Auslöser haben. Wie es dann genau zu dem lästigen Rauschen oder Piepsen im Ohr kommt und welche Mechanismen dahinter stecken, ist noch nicht geklärt.

Verletzungen oder Erkrankungen des Ohrs

Das Problem kann im Ohr selbst liegen. Man unterscheidet das äußere Ohr, das Mittel- und das Innenohr. Zum äußeren Ohr gehört die nach außen hin sichtbare Ohrmuschel und der äußere Gehörgang bis zum Trommelfell. Mit einer Ohrenlampe kann der Arzt ihn einsehen. Das Mittelohr umfasst das Trommelfell und die dahintergelegenen Räume. Das Innenohr liegt noch weiter im Schädelinneren und beherbergt das Hör- und Gleichgewichtsorgan. Hier entstehen also die Geräusche und Töne, die wir hören. Im Bereich des gesamten Ohrs kann es nun zu Verletzungen oder Erkrankungen kommen, die einen Tinnitus hervorrufen können.

Mannigfaltige Störungen kommen hier als Auslöser in Frage:

  • Verschluss des Gehörgangs (z.B. durch Ohrenschmalz oder Fremdkörper im Ohr)
  • Mittelohrentzündungen oder Entzündungen des Gehörgangs
  • Trommelfellverletzungen (durch Riss oder Durchlöcherung)
  • knöcherne Vorsprünge (Exostosen) im äußeren Gehörgang
  • Knochenerkrankung an Mittel- und Innenohr (Otosklerose)
  • Erkältung (Nasennebenhöhlenentzündungen)
  • Schwerhörigkeit (Altersschwerhörigkeit)
  • Hörsturz
  • gutartige Tumore am Hörnerv (Akustikusneurinom)
  • Kopfverletzungen, die Mittel- und Innenohr betreffen
  • Menière-Krankheit
  • Caisson-Krankheit (Druckluftkrankheit/Taucherkrankheit)
  • Baro-Trauma (Druckverletzung)

Gehirnerkrankungen

Neben dem Ohr selbst kann die Ursache für Ohrengeräusche auch im Gehirn liegen. Wenn man sich einmal überlegt, wie nahe sämtliche Strukturen im Schädelinneren beieinanderliegen, kann man sich gut vorstellen, dass eine Schädigung in einem Bereich schnell auch Auswirkungen auf benachbarte Systeme hat. Außerdem sind viele Prozesse im Gehirn eng miteinander verknüpft.

Zu den Erkrankungen des Gehirns, die einen Tinnitus auslösen können, gehören:

  • Multiple Sklerose
  • Hirntumor
  • Hirnhautentzündung

Akustisches Trauma

Der wohl bekannteste Auslöser für einen Tinnitus ist eine starke Lärmeinwirkung. Dadurch werden die sensiblen Zellen im Innenohr geschädigt und gehen zugrunde. Bis zu einem gewissen Grad kann sich das Ohr dem erhöhten Schalldruck, dem es dabei ausgesetzt wird, noch anpassen. Bei einem zu starken Reiz erholen sich die Sinneszellen jedoch nicht mehr und bleiben dauerhaft geschädigt.

Ursachen für ein solches akustisches Trauma können sein:

  • überlaute Musik (z.B. bei einem Discobesuch)
  • Knall- oder Explosionstrauma

Tinnitus und Psyche

Psychische Faktoren spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung eines Tinnitus. Sie lösen ihn zwar nicht direkt aus, können ihn aber begünstigen und bei chronischen Ohrengeräuschen immer wieder zu einer Verschlechterung der Symptome führen. Die Ohrengeräusche sind ihrerseits psychisch oft sehr belastend und können Ängste oder Depressionen auslösen. Es entsteht ein Teufelskreis, bei dem sich körperliche und psychische Phänomene vermischen und gegenseitig aufschaukeln.

Folgende psychische Störungen können einen Tinnitus begünstigen:

  • Stress
  • belastende Lebensereignisse
  • Depressionen
  • Angststörungen

Weitere mögliche Auslöser und Ursachen

Daneben gibt es noch weitere Ursachen bzw. begünstigende Faktoren, die für das Aufkommen von Ohrengeräuschen verantwortlich sein können. Zu ihnen zählen:

  • Gefäßverkalkung und Durchblutungsstörungen (Arteriosklerose)
  • Herzrhythmusstörungen
  • erhöhter oder zu niedriger Blutdruck
  • Blutarmut
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes)
  • Halswirbelsäulenprobleme
  • Muskelverspannungen
  • Zahn- und Kieferbeschwerden
  • Medikamente (Schmerz- und Rheumamedikamente, Malariamittel, harntreibende Mittel, Chemotherapeutika, selten verschriebene Antibiotika)
  • Vergiftungen

Diese bunte Auflistung zeigt: Ein Tinnitus kann das Symptom ganz unterschiedlicher Erkrankungen oder Störungen sein. Es erfordert eine gründliche und sorgfältige Abklärung der Ursachen, um dem Betroffenen bestmöglich helfen zu können.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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