Wodurch entstehen die Geräusche beim Tinnitus?

Wie genau das Ohrengeräusch bei einem Tinnitus zustande kommt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Allerdings gibt es mehrere unterschiedliche Erklärungsansätze.

Störung im Innenohr?

Einige Experten gehen davon aus, dass die Ohrengeräusche – ähnlich wie beim Hörsturz – durch Durchblutungsstörungen der Innenohrgefäße ausgelöst werden. Andere Theorien besagen wiederum, dass ein Tinnitus durch eine Störung der Haarzellen im Innenohr ausgelöst wird, die für die Wahrnehmung von Geräuschen und Tönen verantwortlich sind.

Normalerweise werden äußere Schallwellen von den Sinneszellen im Innenohr in elektrische Signale umgewandelt und über den Hörnerv an die Hörrinde im Gehirn weitergeleitet, wo der Höreindruck entsteht. Im erkrankten Zustand jedoch werden fehlerhafte Reize von den Sinneszellen weitergeleitet, wodurch die Hörverarbeitung durcheinandergerät und die Höreindrücke vom Gehirn falsch entschlüsselt werden.

Überschießende Reaktion der Nervenzellen?

Außerdem kann es sein, dass die an der Hörverarbeitung beteiligten Nervenzellen plötzlich überaktiv reagieren, um quasi die Hörschädigung auszugleichen. Diese spontane Überaktivität kann für eine längere Zeit andauern, sodass die Nervenzellen weiterhin überaktiv sind, obwohl gar kein Hörschaden mehr vorliegt. Die Geräuschinformationen werden dann fehlerhaft weitergeleitet. Die Höreindrücke verselbstständigen sich im Gehirn und setzten sich fest.

Zudem vermutet man, dass die bei einem Tinnitus störenden Geräusche von den Nervenzellen nicht mehr ausreichend herausgefiltert werden können. Bei einem gesunden Ohr gibt es einen Filter, der störende Geräusche abfängt, sodass diese erst gar nicht ins Gehirn gelangen. Bei einer Störung dieser Filterfunktion gelangen sämtliche Geräusche ins Hörzentrum des Gehirns und damit ins Bewusstsein – das lästige Ohrenrauschen wird wahrgenommen.

Oder liegt es am Gehirn?

Weitere Erklärungsansätze vermuten, dass dem Tinnitus eine Verarbeitungsstörung im Hörzentrum des Gehirns zugrunde liegt. Die vom Hörnerv übermittelten Informationen werden vom Gehirn falsch verarbeitet, wodurch es ein Geräusch (oder einen Ton) produziert, das es gar nicht gibt.

Abschließend lässt sich sagen: Um genau zu verstehen, wie ein Tinnitus zustandekommt, muss noch weiter geforscht werden. Eines steht jedoch fest: Auch wenn die Ohrengeräusche nur vom Betroffenen selbst gehört werden können, sind sie nicht eingebildet. Einen Tinnitus gibt es wirklich.

Autorin: Nina Schratt-Peterz

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