Tinnitus: Wann sollte man mit Ohrgeräuschen zum Arzt?

In den meisten Fällen sind Ohrgeräusche harmlos. Dennoch sollte man sie immer ernst nehmen und ihnen auf den Grund gehen, bevor sie sich weiter verfestigen. Grundsätzlich gibt es zahlreiche verschiedene Ursachen, die Ohrgeräusche auslösen können.

Erstmal Ruhe und Erholung

Manchmal erklärt sich ein Rauschen oder Piepsen im Ohr schon von selbst. Nach einem Konzertbesuch z.B. können die Ohren für einige Zeit "klingeln", bis sie sich wieder erholen und normal funktionieren. Aber auch ein Silvesterknaller, der direkt neben dem Ohr losgeht, kann bewirken, dass es im Ohr plötzlich quietscht oder scheppert.

Ein solches Lärmtrauma gehört zu den häufigsten Ursachen von Ohrengeräuschen. Wenn sich das sensible Hörorgan wieder erholt hat, klingen die Beschwerden danach in der Regel wieder ab. Sehr hohe Schallbelastungen können allerdings auch bleibende Schäden verursachen. Daher gilt grundsätzlich: Schonen Sie Ihre Ohren!

Die häufigste Ursache für einen Tinnitus ist aber nach wie vor Stress. Außerdem können Dauerstress sowie psychische Probleme bereits vorhandene Ohrgeräusche verschlimmern. Treten die Ohrgeräusche zum ersten Mal auf, sollte man sich daher erstmal etwas Ruhe gönnen. Am besten ist es, sich einige Zeit lang an einem möglichst ruhigen Ort zu entspannen. Oft reichen diese einfachen Maßnahmen schon aus, um dem Ohrensausen ein Ende zu bereiten.

In diesem Fall sollten Sie zum Arzt

Hinter einem Tinnitus kann aber auch eine Verletzung oder eine Erkrankung (wie eine Durchblutungsstörung oder eine Mittelohrentzündung) stecken, die möglichst schnell behandelt werden sollte. Bei immer wiederkehrenden Ohrgeräuschen oder einem Tinnitus, der länger als drei Tage anhält, sollten Sie unbedingt einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen, um die möglichen Ursachen dafür zu besprechen.

Zudem kann der Arzt unverzüglich mit einer entsprechenden Therapie beginnen, bevor sich das Ohrgeräusch festsetzt und chronisch wird. Welche therapeutischen Maßnahmen dabei zum Einsatz kommen, hängt von der Diagnose (Ursache) ab. Häufig werden durchblutungsfördernde Mittel oder Cortisonpräparate verwendet.

Wichtig: Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Ohrensausen wieder verschwindet. Ein akuter Tinnitus, der nicht länger als drei Monate besteht, klingt im Verlauf der Behandlung oder auch ohne Behandlung bei rund 70% der Betroffenen wieder vollständig ab.

Mögliche Alarmsignale

Ohrgeräusche, die zum ersten Mal auftreten und von weiteren Beschwerden wie plötzlichem Hörverlust, Taubheitsgefühlen im Ohr oder akutem Schwindel begleitet sind, sollte man sofort (innerhalb von 12 bis spätestens 24 Stunden nach dem Auftreten) abklären lassen. Am besten sucht man umgehend einen Spezialisten auf, denn es könnte sein, dass der Tinnitus Ursache eines Hörsturzes ist. Aber auch eine Entzündung im Ohr sowie andere ernsthafte Erkrankungen außerhalb des Ohrs könnten dahinter stecken.

Außerdem: Gehen Sie auch zum Arzt, wenn der Tinnitus pulssynchron, also im Takt zum Herzschlag, wahrnehmbar ist. Denn Ohrgeräusche, die von Gefäßen im Ohr oder Kopf stammen, können auch auf eine gefährliche Erkrankung wie einen Tumor im Mittelohr oder einen erhöhten Blutdruck hindeuten.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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