Altersschwerhörigkeit: Muss ich wirklich ein Hörgerät tragen?

Eine Frage, die viele Betroffene beschäftigt und eindeutig mit "Ja" beantwortet werden sollte. Die Altersschwerhörigkeit ist eine langsam fortschreitende Schallempfindungsstörung, die sich unbehandelt durchaus gravierend auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken kann.

Während man mit einer leichten (evtl. nur einseitigen) Hörminderung im Alltag sicherlich noch einigermaßen gut zurechtkommt, kann das bei der meist beidseitigen Altersschwerhörigkeit sehr schnell anders aussehen.

Wenn man nicht mehr alles versteht…

Der im Rahmen der Altersschwerhörigkeit auftretende anfängliche Hörverlust im Hochton-Bereich geht typischerweise mit einem reduzierten Sprachverständnis und häufig auch mit störenden Ohrgeräuschen (Tinnitus) einher. Gespräche in großer Runde oder im Restaurant werden zunehmend anstrengender und von den Betroffenen gemieden.

Mit der Zeit gehören schließlich häufiges Nachfragen, lautes Fernsehen und das Nichthören von Telefon oder Türklingel ebenso zum Alltag wie beispielsweise das Überhören von Geräuschen im Straßenverkehr. Letzteres kann dann sogar zu lebensgefährlichen Situationen führen.

Gutes Hören schafft Lebensqualität

Das alles muss aber nicht sein. Wenn man eine Altersschwerhörigkeit frühzeitig erkennt und mit einem guten Hörgerät versorgt, können Betroffene ihren Lebensalltag genauso problemlos bewältigen wie vor dem Hörverlust.

Mit einer gut angepassten Hörhilfe können Sie trotz des reduzierten Hörvermögens weiter Ihren Hobbys und/oder Ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen, uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und Spaß haben. Denn nichts ist schlimmer als sich aus falscher Scham zurückzuziehen statt die Hörminderung zu akzeptieren und konstruktiv anzugehen.

Mögliche Folgen einer unbehandelten, fortschreitenden Altersschwerhörigkeit sind:

  • sozialer Rückzug, Freundschaften werden abgebrochen
  • zunehmende Immobilität, da das Haus kaum noch verlassen wird
  • vorzeitiger geistiger Abbau durch fehlende Kommunikation
  • Unsicherheit im Alltag (beim Einkaufen, Friseurbesuch)
  • Gefahren werden nicht rechtzeitig erkannt (Straßenverkehr, Baustellen).
  • berufliche Einschränkungen, Stress mit Kollegen/Chef
  • Entwicklung von Depressionen, Angststörungen
  • Vereinsamung
  • insgesamt deutlich verminderte Lebensqualität

Lassen Sie sich beraten

Obwohl die Altersschwerhörigkeit an sich ja keine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt, kann sie unbehandelt dennoch weitreichende negative Konsequenzen mit sich bringen. Und zwar vor allem dann, wenn man als Betroffener die grundlegende Problematik der Schwerhörigkeit ignoriert und Hörhilfen mit dem Begriff "Behinderung" assoziiert.

Seien sie offen für die Möglichkeiten der modernen Hörtechnologie. Informieren Sie sich ausgiebig und lassen Sie sich individuell beraten. Sie werden erstaunt sein, was es für eine breitgefächerte Palette an Hörhilfen gibt und wie individuell man sie auf seine persönlichen Bedürfnisse abstimmen kann.

Übrigens, obwohl die Hörgeräte zu den klassischen, am häufigsten verordneten Hörhilfen gehören, gibt es auch Alternativen. So können bei manchen Betroffenen beispielsweise auch Cochlea-Implantate (elektronische Innenohr-Implantate) oder einfache Hörverstärker zum Einsatz kommen.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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