Hilft eine hyperbare Sauerstofftherapie beim Hörsturz?

Die hyperbare Oxygenierung (HBO) bzw. Sauerstofftherapie wird u. a. in der frühen Behandlung des Hörsturzes eingesetzt. Bei diesem Verfahren atmen die Betroffenen medizinisch reinen Sauerstoff unter Überdruckbedingungen ein. Die Therapie gilt unter Fachärzten als umstritten.

In den aktuellen Leitlinien der DGHNO (Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde) zum Hörsturz wird die Sauerstofftherapie aufgrund fehlender aussagekräftiger klinischer Studien lediglich als möglicher "Behandlungsvorschlag" aufgeführt. Eine klare Therapieempfehlung gibt es von den Experten nur für die Glukokortikoide (Kortison-Präparate).

Die Idee hinter dem Sauerstoff

Vielleicht fragen Sie sich, wieso man überhaupt auf die Idee kommt, bei einem Hörsturz Sauerstoff einzusetzen. Nun, obwohl man die Ursachen bzw. den Entstehungsmechanismus dieser Erkrankung bis heute nicht genau kennt, so gibt es dennoch plausible Theorien dazu.

Eine davon ist die, dass man annimmt, der Hörsturz sei vor allem auf eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Innenohrs zurückzuführen. Diese Unterversorgung werde wiederum durch eine mangelhafte Durchblutung kleinster Blutgefäße provoziert. Beides zusammen führe schlussendlich zu einer Schädigung der Haarsinneszellen im Innenohr und somit zum Hörverlust.

Die HBO zielt auf eine Beseitigung der Durchblutungsstörung und des Sauerstoffmangels im Innenohr ab. Die Idee ist also, dass durch diese Methode wieder ausreichend gelöster Sauerstoff im Blut zur Verfügung steht, der die Unterversorgung aufhebt und so u. a. dafür sorgt, dass sich die Sinneszellen wieder erholen können.

Praktische Umsetzung

Die hyperbare Sauerstofftherapie ist ein aufwendiges Behandlungsverfahren, das nur in bestimmten Druckkammer-Zentren angeboten wird. Bedenken Sie, dass die HBO nicht für jeden Menschen geeignet ist – mögliche Gegenanzeigen müssen zuvor ausgeschlossen werden.

Während der Behandlung sitzen Sie meist in einer sogenannten Mehrplatz-Druckkammer mit anderen Personen zusammen. Unter Überdruckbedingungen atmen Sie über eine Maske medizinisch reinen Sauerstoff ein und müssen ansonsten nichts weiter tun. Sie haben permanent eine Sprech- und Sichtverbindung nach außen und können (falls erforderlich) auch jederzeit über eine Schleuse die Kammer verlassen.

Beim Hörsturz werden in der Regel etwa 10 bis 15 Behandlungen mit einer Dauer von jeweils 30 bis 60 Minuten empfohlen. Um den bestmöglichen Therapieerfolg zu erzielen, sollten die Behandlungen täglich stattfinden. Die HBO sollte idealerweise innerhalb der ersten zwei Wochen nach Hörverlust eingeleitet werden, spätestens jedoch innerhalb der ersten drei Monate.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

Alle Fragen und Antworten zum Hörsturz finden Sie hier:
Hörsturz: Ursachen und Behandlung

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