Wie gut hilft Kortison bei einem Hörsturz?

Auch wenn es bei der Therapie des Hörsturzes bislang keine einheitlichen Empfehlungen gibt, so ist die Glukokortikoid-Behandlung derzeit noch die vielversprechendste Option. Neben der systemischen (innerlichen) Anwendung wird das Kortison nun zunehmend auch lokal ins Mittelohr gespritzt.

Kortison-Präparate haben sowohl eine abschwellende als auch eine entzündungshemmende, das Immunsystem unterdrückende Wirkung. Eigenschaften, die man in der Medizin generell zu schätzen weiß und auch in der HNO-Heilkunde zunehmend vielfältig nutzt.

Es fehlt an Studien

Beim Hörsturz ist das Problem, dass man bis heute nicht genau weiß, welche Ursachen bzw. Krankheitsmechanismen dahinterstecken. Genau diese Hintergrundinformationen wären aber nötig, um Betroffenen eine adäquate, erfolgversprechende Therapie anzubieten.

Hinzu kommt, dass die Datenlage zu den derzeit zur Verfügung stehenden Behandlungsmaßnahmen sehr dünn, teilweise auch widersprüchlich ist. Die Forderung der Experten zu diesem Thema ist umso klarer: Es werden deutlich mehr und bessere, breit angelegte klinische Studien benötigt – nur so kann der weitverbreitete Hörsturz sinnvoll bzw. zielführend behandelt werden.

Doch was bedeutet das für die tägliche Praxis und somit für alle Betroffenen? Welche Behandlung ist denn nun die richtige? Fragen, die man leider nicht wirklich eindeutig beantworten kann.

Das sagen die Experten

Letztendlich entscheidet natürlich Ihr behandelnder HNO-Arzt gemeinsam mit Ihnen, welche Behandlung für Sie persönlich die vielversprechendste ist. Die gewählte Therapie macht er nämlich nicht nur von der Art und Schwere Ihrer Innenohrschwerhörigkeit abhängig, sondern auch von Begleitbeschwerden, von Ihrem Allgemeinzustand und von evtl. bestehenden Grunderkrankungen.

Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde haben dagegen, unabhängig von den zuvor erwähnten individuellen Faktoren, eine eindeutigere Tendenz. In ihren aktuellen Leitlinien zum Hörsturz beschränken sie sich hinsichtlich der Therapieempfehlungen konkurrenzlos auf die Glukokortikoide.

Hierbei geben sie den innerlichen (systemischen) hochdosierten Kortison-Präparaten definitiv den Vorzug. Lediglich bei bestehenden Gegenanzeigen oder, wenn die Therapie nicht anspricht, wird alternativ auf die lokale Kortison-Behandlung in Form der ITC (intratympanale Kortikoid-Therapie) verwiesen.

Unter ferner liefen…

Die sonst in der Hörsturz-Behandlung ebenfalls sehr beliebten durchblutungsfördernden Infusionen bzw. die gefäßerweiternden Medikamente werden von den Experten derzeit nicht empfohlen.

Bezüglich der hyperbaren Oxygenierung (HBO, Sauerstofftherapie), bei der medizinisch reiner Sauerstoff unter einem erhöhten Umgebungsdruck eingeatmet wird, gebe die aktuelle Studienlage so wenig her, dass momentan keine direkte Empfehlung ausgesprochen werden könne. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Behandlungsmethode lediglich in einer Druckkammer in einem Zentrum für hyperbare Sauerstofftherapie durchgeführt werden kann und somit weniger praktikabel ist.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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