Gibt es verschiedene Arten von Hörsturz?

Durchaus, der Hörsturz tritt hinsichtlich des Frequenzbereiches und des Schweregrades in fünf verschiedenen Formen auf. Welche Art der Innenohrschwerhörigkeit im Einzelfall vorliegt, kann mit Hilfe der Tonaudiometrie (Hörprüfung) ermittelt werden.

Audiometrie – wer hört was und wieviel

Bei Verdacht auf einen Hörsturz gibt es in der Regel eine klare Vorgehensweise. Ihr behandelnder Arzt wird im Anschluss an das ausführliche Erstgespräch (Anamnese) zunächst die sogenannte Basisdiagnostik in die Wege leiten. Diese umfasst zahlreiche HNO-ärztliche Grunduntersuchungen, zu denen u. a. auch die Tonaudiometrie zählt.

Bei der (Ton-)Audiometrie handelt es sich um einen subjektiven Hörtest zur Hörschwellenmessung. Im Klartext: Mit dieser Methode kann Ihr Arzt das noch vorhandene Hörvermögen in verschiedenen Frequenzbereichen testen und somit sowohl die Form als auch die Schwere des Hörsturzes bestimmen.

Wie das Ganze ungefähr funktioniert? Sie bekommen über einen Kopfhörer oder Knochenleitungshörer nacheinander ganz bestimmte Töne in anschwellender Lautstärke eingespielt. Sobald Sie einen Ton hören, geben Sie Bescheid. Auf diese Art und Weise werden dann nacheinander die Hörschwellen zu den einzelnen Tonhöhen (Frequenzen) bestimmt.

Arten der Innenohrschwerhörigkeit

Dank dieser Hörprüfung kann Ihnen Ihr HNO-Arzt nun ziemlich genau sagen, unter welcher Art der Innenohrschwerhörigkeit Sie leiden und auf welchen möglichen Krankheitsmechanismus sie am ehesten zurückzuführen ist.

Man unterscheidet in diesem Zusammenhang die Hochton-, Mittelton-, Tiefton- und die pantonale (alle Tonhöhen betreffende) Innenohrschwerhörigkeit sowie die Taubheit bzw. an Taubheit grenzende Innenohrschwerhörigkeit:

  • Hochton-Hörverlust: Hierbei vermutet man eine Schwäche der äußeren und/oder der inneren Haarzellen.
  • Tiefton-Hörverlust: Diese Hörminderung im tiefen Frequenzbereich kann schwanken und lässt sich eventuell auf einen endolymphatischen Hydrops (krankhafte Zunahme von Flüssigkeit im Innenohr) zurückführen.
  • Mittelfrequenz-Hörverlust: Als Ursachen werden u. a. lokale Durchblutungsstörungen im Bereich der Knochenleiste im Hörschneckenkanal vermutet.
  • pantonaler Hörverlust: Auch hier werden Funktionsbeeinträchtigungen infolge von Durchblutungsstörungen im Bereich der Gefäßleiste in der Hörschnecke angenommen.
  • Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit: Hierfür könnte ein Gefäßverschluss verantwortlich sein.

Wozu das Ganze gut ist

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, weshalb diese genaue Typ-Bestimmung der Schallempfindungsstörung so wichtig ist. Nun, wenn man weiß, in welchem Frequenzbereich die Innenohrschwerhörigkeit liegt und wie stark ausgeprägt sie ist, kann man auch zielgerichteter beraten und handeln.

Das Problem mit dem Hörsturz ist nämlich, dass man aufgrund des bislang unklaren Ursachenzusammenhangs leider auch keine wirklich durchschlagenden Behandlungsmethoden zur Verfügung hat. Man arbeitet also mit dem, was man hat. Ist die Hörminderung nur leicht ausgeprägt, kann man beispielsweise auch erstmal abwarten, bei einigen Betroffenen bessert sich die Symptomatik nämlich von ganz allein.

Bei anderen Personen steht dagegen die entzündungshemmende Therapie mit Kortisonpräparaten im Vordergrund oder aber durchblutungsfördernde Behandlungsstrategien. Auch bei einer möglichen Versorgung mit einem Hörgerät ist die Art und Schwere der Innenohrschwerhörigkeit natürlich entscheidend.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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