Kann Tinnitus auch einfach nur an zu viel Ohrenschmalz liegen?

Ja, das kann durchaus sein. Eine Ansammlung von zu viel Ohrenschmalz führt manchmal zu einem Ohrpiepen, Brummen, Knacksen oder Ohrzischen. Wenn sich das Ohrenschmalz nämlich verhärtet und sich im Gehörgang festsetzt, entsteht eine Art Pfropf im Ohr, der das gesamte Hörsystem irritiert.

Die Folge: Man hört plötzlich schlechter, es kommt zu Druckgefühl, Schmerzen, Juckreiz und gegebenenfalls zu einem Tinnitus. Ein Ohrpfropf kann sogar Schwindelanfälle auslösen. Für die Betroffenen kann das sehr störend und lästig werden.

Pfropf im Ohr: lästig, aber harmlos

Ohrenschmalz, im Fachjargon Zerumen genannt, entsteht aus dem Sekret von Talgdrüsen am äußeren Ohr, das für den Schutz der Haut wichtig ist. Bei manchen Menschen wird sehr viel von dieser schützenden Substanz gebildet. Wieder andere haben einen recht engen oder verwinkelten äußeren Gehörgang. In beiden Fällen bildet sich oft immer wieder ein harter Pfropf, der den Gehörgang nach und nach verschließt.

Ein solcher Zeruminalpfropfen im Ohr ist allerdings harmlos und lässt sich meist leicht wieder entfernen. Betroffene sind oft schon daran gewöhnt, sich regelmäßig vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Ohren säubern zu lassen.

Ohrenlampe bringt Licht ins Dunkel

Ohrengeräusche können allerdings zahlreiche weitere Ursachen haben. Andere Auslöser können zum Beispiel Ohrinfektionen, große Lärmbelastungen, chronischer Bluthochdruck, Allergien und in seltenen Fällen auch Tumore sein. Darüber hinaus können auch viele Medikamente (wie Antibiotika und Acetylsalicylsäure, enthalten in Aspirin) einen Tinnitus auslösen.

Ob wirklich zu viel Ohrenschmalz die Ursache für die Beschwerden ist, sollte daher am besten immer durch einen Facharzt abgeklärt werden. Es gehört zur Eingangsuntersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, den Gehörgang mit einer Ohrenlampe einzusehen. Damit lässt sich das Ohrenschmalz schnell ausfindig machen.

Finger weg von Wattestäbchen!

Viele Menschen reinigen ihre Ohren mit Wattestäbchen. Ärzte raten davon aber ausdrücklich ab. Denn beim Herumwühlen im Gehörgang mit dem Wattestäbchen kann es sein, dass man das vorne sitzende Ohrenschmalz noch weiter in den Gehörgang hineinschiebt, wo es stecken bleibt und sich festsetzt. Das Schmalz trocknet ein und verhärtet sich, so dass erst durch die Manipulation ein Pfropf entsteht. Die verhärtete Masse kann dann nur mehr durch einen Arzt entfernt werden.

Außerdem ist der äußere Gehörgang sehr sensibel. Ständiges Traktieren der feinen Haut kann sie schädigen und Entzündungen hervorrufen. Und schließlich erfüllt das Ohrenschmalz wichtige Funktionen, indem es Fremdkörper wie Staub, Sand, Bakterien oder Insekten am Einnisten im Ohr hindert, die an der klebrigen Substanz haften bleiben.

Um seine Ohren sauber zu halten, sollte man daher auf das Reinigen der Ohren mittels Wattestäbchen unbedingt verzichten. In der Regel reicht es aus, die äußere Ohrmuschel der Ohren zu reinigen. Und bei wem tatsächlich zu viel Ohrenschmalz produziert wird, der sollte regelmäßig den Gang zum Facharzt auf sich nehmen und seine Ohren einem Experten anvertrauen.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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