Sind Hörverstärker eine Alternative zu Hörgeräten?

Nein. Hörverstärker sind vergleichbar mit den ebenfalls frei verkäuflichen Lesehilfen. Sie sind weder individuell auf Ihre Hörminderung einstellbar noch für den täglichen Gebrauch geeignet.

Nur kurzfristige Lösung

Wer meint, eine bestehende Schwerhörigkeit dauerhaft mit einem günstigen Hörverstärker ausgleichen zu können, wird sehr schnell feststellen, dass das nicht zufriedenstellend ist. Hörverstärker eignen sich lediglich dafür, um (bei einer beginnenden Hörminderung) in bestimmten Situationen die Lautstärke zu erhöhen.

Wenn Sie also eine langfristige und befriedigende Lösung für Ihren Hörverlust suchen, sollten Sie sich zunächst bei einem HNO-Arzt vorstellen. Nur der Facharzt kann sicher beurteilen, um welche Art der Schwerhörigkeit es sich bei Ihnen handelt und wie stark sie bereits ausgeprägt ist. Und nur so lässt sich auch die bestehende Hörschwäche effektiv behandeln.

Pro und Contra

Manch einer wird jetzt vielleicht argumentieren, dass ein Hörgerät ja auch nichts anderes ist als ein "Geräusche-Verstärker" – vor allem vor dem Hintergrund, dass einige Modelle optisch beispielsweise den Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten (HdO) zum Verwechseln ähnlich sind. Das ist aber definitiv nicht der Fall, die Unterschiede sind sehr groß.

Gründe, die für einen Hörverstärker statt einem Hörgerät sprechen:

  • sehr niedrige Anschaffungskosten (Modelle liegen zwischen 20 und 100 Euro Gesamtpreis)
  • kein medizinisches Produkt, somit überall frei verkäuflich (Onlineshops, Drogerie, Supermärkte etc.)
  • langwierige und evtl. kostenintensive Anpassung entfällt
  • bei beginnender bzw. leichter Hörminderung sofort anwendbar
  • praktisch im Alltag, da nur bei Bedarf einzusetzen (Fernsehen in sonst ruhiger Umgebung, Kinobesuch)

Gründe, die gegen einen Hörverstärker sprechen:

  • individuell nicht einstellbar, somit bei Schwerhörigkeit nicht dauerhaft geeignet
  • stark reduzierter Hörkomfort, da alle akustischen Signale ungefiltert verstärkt werden (also nicht nur Sprache oder Musik, sondern auch Nebengeräusche wie Wind, vorbeifahrende Autos, Rauschen etc.)
  • nicht möglich sind: Richtungs- bzw. Rundumhören, Anpassung an unterschiedliche Hörumgebungen, modernste Multimedia-Anwendungen, Schwimm- und Extremsport-adaptierte Versionen etc.
  • fortschreitende Hörminderung kann mit Hörverstärkern nicht aufgehalten werden
  • keine Zulassungs- und Qualitätsprüfungen erforderlich – somit können Modelle auch ungeprüft auf den Markt gelangen und dem Gehör zusätzlich schaden
  • keine finanzielle Unterstützung durch die Krankenkasse (dagegen haben Sie bei einer vorliegenden Hörgeräte-Verordnung Anspruch auf gute, zuzahlungsfreie Hörgeräte)

Für jeden Geschmack etwas

Dennoch: Wenn Sie eine leichte Hörminderung nur zeitweise ausgleichen oder lediglich die Wartezeit bis zu Ihrem HNO-Arzt-Termin überbrücken möchten, ist ein Hörverstärker grundsätzlich natürlich die schnellere und günstigere Lösung.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen deshalb der Übersicht halber die gängigsten Varianten unter den Hörverstärkern vorstellen. Genau wie bei den Hörgeräten gibt es auch hier Unterschiede in der Größe und der Art, wie sie getragen werden – weniger jedoch hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit.

Folgende Hörverstärker-Modelle stehen zur Auswahl:

  • Geräte mit Kopfhörern und einem externen Bedienmodul (am weitesten verbreitet; sehen aus wie MP3-Player; Kopfhörer werden im Ohr getragen)
  • Geräte mit Kinnbügel (gut für Brillenträger; kabellose Geräte, die wie Kopfhörer in den Ohren getragen und über einen Bügel am Kinn zusammengeführt werden)
  • Hinter-dem-Ohr-Geräte (optisch ähnlich den HdO-Hörgeräten; werden hinter dem Ohr getragen, Ohrpassstück liegt im Ohr)
  • Im-Ohr-Geräte (kleine Hörverstärker, die meist in der Ohrmuschel getragen werden)

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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