Wann brauche ich ein Hörgerät?

Je früher, desto besser. Sobald ein nachgewiesener Hörverlust vorliegt, sollten Betroffene baldmöglichst auch mit einem Hörgerät versorgt werden. Wer das Tragen einer Hörhilfe zu lange hinausschiebt, riskiert eine zunehmende Verschlechterung der Schwerhörigkeit.

Formale Voraussetzungen

Um bei den Hörgeräten eine Unterstützung durch die gesetzlichen Krankenkassen zu erhalten, müssen Sie als Betroffener eine vom HNO-Arzt ausgestellte Hörgeräteverordnung vorlegen. Sie belegt Ihre Schwerhörigkeit und bescheinigt, dass Sie ein Hörsystem benötigen.

Voraussetzungen für eine (beidseitige) Hörgeräteverordnung sind demnach:

  • Der tonaudiometrisch gemessene Hörverlust auf dem besseren Ohr beträgt mindestens 30 dB (z. B. Zischlaute).
  • Die sprachaudiometrisch gemessene Verstehensquote auf dem besseren Ohr (unter Verwendung des Freiburger Einsilbertests) beträgt bei 65 dB nicht mehr als 80 %.

Manchmal eine Sache des Ermessens

Es gibt aber durchaus einige HNO-Ärzte, die Betroffenen auch dann eine Hörgeräte-Versorgung vorschlagen, wenn die gesetzliche Indikationsgrenze (Schwelle, ab der Hörsysteme als Kassenleistung verordnet werden dürfen) noch gar nicht erreicht ist.

Begründet wird diese Empfehlung damit, dass in manchen Fällen eben nicht die Messung ausschlaggebend ist, sondern das subjektive Empfinden der Betroffenen. Wenn jemand also unter einer (wenn auch noch geringen) Hörminderung leidet, ist es auch sinnvoll, Hörgeräte einmal auszuprobieren. Helfen sie, dann sollte man sie zukünftig auch tragen.

Abwarten ist kontraproduktiv

Sei es aus falscher Scham, aus Trägheit, Kostengründen oder Ahnungslosigkeit. Die Gründe, warum viele Menschen das Tragen von Hörgeräten hinausschieben, sind vielfältig und manchmal auch kurios. Tatsache ist, eine chronische Innenohrschwerhörigkeit (Schallempfindungsstörung) wird sich nicht wieder bessern. Ganz im Gegenteil, bei den meisten Betroffenen wird der Hörverlust mit den Jahren eher größer. Die Ursache für diese langsam fortschreitende, oft kaum bemerkte Verschlechterung ist, dass das Ohr zunehmend weniger Geräusche wahrnimmt und dadurch nicht mehr ausreichend stimuliert wird.

Win-win-Situation

Diesem natürlichen Prozess können Sie nur entgegenwirken, indem Sie sich rechtzeitig für das Tragen von Hörhilfen entscheiden. Hierbei profitieren nicht nur Sie, sondern ebenso Ihr unmittelbares Umfeld wie Familie, Freunde und Bekannte. Sie werden sehen, das verbesserte Hören ist vor allem ein Zugewinn an Lebensqualität und somit auch an Lebensfreude.

Gute Argumente für eine frühzeitige Versorgung mit Hörgeräten sind u. a.:

  • Das Fortschreiten der Schwerhörigkeit wird abgebremst.
  • Das Gehirn lernt, bereits vergessene Töne und Klänge wieder zu verarbeiten bzw. zu interpretieren.
  • Teilnahme an großen Gesprächsrunden, Tischkonversationen im Restaurant sind wieder problemlos möglich.
  • Aufführungen, Konzerte, Kinobesuche führen zu ganz neuen Hörerlebnissen.
  • Die Mobilität im Alltag wird gesteigert, da zuvor bestehende Unsicherheiten im Umgang mit anderen Menschen (beim Bäcker, beim Friseur, etc.) nicht mehr auftreten.
  • Möglichen gefährlichen Situationen im Straßenverkehr wird durch besseres Hören vorgebeugt.
  • Dem vorzeitigen geistigen Abbau sowie der Entwicklung von Depressionen und Angststörungen (durch sozialen Rückzug bzw. fehlende Kommunikation) wird entgegengewirkt.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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