Wie oft habe ich Anspruch auf ein neues Hörgerät?

In der Regel haben Sie bei nachgewiesener Schwerhörigkeit etwa alle sechs Jahre Anspruch auf ein neues Hörgerät. Sollte sich das Hörvermögen allerdings bereits vor diesem Zeitraum deutlich verschlechtern, kann ein Antrag auf neue Hörgeräte auch schon früher gestellt werden.

Immer zum HNO-Arzt

Egal, ob bei Ihnen nun erstmalig der Verdacht einer Hörminderung vorliegt, oder ob eine bestehende Schwerhörigkeit sich nochmal deutlich verschlechtert hat: Sie sollten in beiden Fällen immer einen HNO-Arzt aufsuchen. Nur mit einer vom HNO-Facharzt ausgestellten Verordnung haben Sie auch Anspruch auf eine Hörgeräte-Versorgung mit entsprechender Unterstützung durch die zuständige Krankenversicherung oder einen anderen Kostenträger.

Folgende Voraussetzungen müssen für die Inanspruchnahme eines Hörgerätes vorliegen:

  • körperliche Untersuchung durch einen HNO-Arzt
  • Bestätigung der ein- oder beidseitigen Schwerhörigkeit über spezifische Hörtests
  • Betroffener muss Hörgerät eigenständig bedienen können.
  • Betroffener muss die empfohlene Hörhilfe auch tragen wollen.
  • eine aktuell ausgestellte Hörgeräte-Verordnung durch den HNO-Arzt mit Benennung des Schweregrades der Hörminderung

Das zahlt die Krankenkasse

Die gesetzlichen Krankenkassen müssen sich seit November 2013 mit einem Festbetrag von bis zu 784,94 Euro pro Ersthörgerät beteiligen. Der tatsächliche Betrag hängt mit der Ausprägung Ihrer Hörminderung zusammen und wird in der Regel nur bei einer hochgradigen Schwerhörigkeit komplett ausgezahlt.

Für ein zweites Hörgerät, auf das Sie nach ungefähr sechs Jahren Anspruch haben, kann es jedoch sein, dass Sie einen Abschlag von 20 % hinnehmen müssen. An dieser Stelle sei aber erwähnt, dass die tatsächlichen Kostenerstattungen bei den Krankenkassen durchaus variieren können. Informieren Sie sich deshalb genau über Ihre Rechte bzw. auch darüber, ob eventuell sogar ein anderer Kostenträger in Frage kommt.

Es gibt sogar Hörakustiker, die damit werben, genau diese Kostendifferenz beim zweiten Hörgerät zu übernehmen – Nachfragen und Vergleichen lohnt sich also.

Zuzahlung: Wer? Wieviel? Wie oft?

Wie bereits erwähnt, sind die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht die einzigen, die einen Beitrag bei Hörhilfen leisten. Weitere mögliche Kostenträger bei der Bezuschussung von Hörgeräten sind:

  • Rentenversicherung: Falls Sie noch im Berufsleben stehen und ein Hörgerät benötigen, beteiligt sich die Rentenversicherung ggf. an den Kosten, die die Krankenkasse nicht übernimmt.
  • Unfallversicherung: bei Auftreten der Schwerhörigkeit im Zusammenhang mit einem Unfall
  • Berufsgenossenschaft: bei einem berufsbedingten Hörschaden wie beispielsweise die Lärmschwerhörigkeit
  • Versorgungsamt: bei durch Krieg, Gewalttat oder Impfung bedingter Schwerhörigkeit
  • Arbeitsamt
  • Integrationsamt

Übrigens, wenn Sie eine private Krankenversicherung haben, hängt die Kostenerstattung Ihres Hörgeräts von den individuellen vertraglichen Vereinbarungen ab.

Was man noch wissen sollte

Das Thema Schwerhörigkeit und Hörgeräte ist sehr breit gefächert und gerade für Erstbetroffene oft unübersichtlich. Der Deutsche Schwerhörigenbund e.V. bietet Ihnen deshalb zur besseren Information ein Netz von Beratungsstellen an, die Sie individuell und unabhängig unterstützen können.

Wussten Sie beispielsweise, dass Krankenkassen auch teurere Hörgeräte übernehmen müssen, wenn dies medizinisch notwendig ist? Oder, dass Sie den Kostenbeitrag, den Sie selbst an den Hörgeräten bezahlen müssen, als "außergewöhnliche Belastung" von der Steuer absetzen können? Dass die Krankenkasse bei Verlust des Hörgeräts vor Ablauf der sechs Jahre unter Umständen dennoch einen Zuschuss beisteuert?

Wie Sie sehen, gibt es unzählige Fragen und noch mehr Antworten rund um den Hörverlust und seine Folgen. Verzweifeln Sie aber nicht, sondern verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre berechtigten Ansprüche und wie Sie diese geltend machen können.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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