Was ist die "Lichtimpfung" bei der Neurodermitis?

Das als Lichtimpfung ("DermoDyne-Therapie") bekannt gewordene Bestrahlungsverfahren verwendet UV-freies, langwelliges Blaulicht zur Behandlung der Neurodermitis und anderer chronisch-entzündlicher Hauterkrankungen.

Wissenschaft bleibt skeptisch

Die Wirksamkeit der Lichtimpfung durch Anwendung einer laserähnlichen Lichtquelle (mit einer Wellenlänge zwischen 400 und 500 nm) ist bislang wissenschaftlich nicht ausreichend bewiesen und daher umstritten. Die dermatologische Arbeitsgruppe zur "Leitlinie Neurodermitis" gibt derzeit mangels kontrollierter Studien auch keine Empfehlung zur Anwendung von langwelligem, sichtbarem Licht in der Therapie der Neurodermitis.

So soll's funktionieren

Laut Hersteller handelt es sich bei der Lichtimpfung um unschädliches, UV-freies, sichtbares Licht, das selektiv nur die Entzündungszellen in der Haut angreife und vernichte. Infolgedessen käme es zu einer Signalweitergabe im Körper, die dafür sorge, dass keine weiteren schädlichen Zellen mehr produziert würden.

Propagiertes Wirkprinzip der bei Neurodermitis eingesetzten Lichtimpfung:

  • Das blaue Licht trifft gezielt nur die überschüssigen Entzündungszellen des Immunsystems (körpereigenes Abwehrsystem) und vernichtet sie.
  • Die abgetöteten Zellen werden von den Fresszellen des Körpers zu den Lymphknoten abtransportiert und verlieren somit ihre Entzündungsaktivität.
  • Die zerstörten Entzündungszellen erzeugen hierbei Körpersignale, die wiederum dafür sorgen, dass das Gleichgewicht des Immunsystems wiederhergestellt wird.
  • Wie bei einer herkömmlichen Impfung wird dadurch das Abwehrsystem "erzogen" und die fehlgesteuerte Entzündung herunterreguliert.

Das Endergebnis: Im Verlauf der Behandlungen erhole sich die Haut zunehmend bis hin zur vollständigen Gesundung.

Gut und teuer?

Die Therapie wird als nebenwirkungsfrei beschrieben, es würde lediglich ein leichtes Kribbeln und ggf. ein Wärmegefühl auftreten.

Der Behandlungszeitraum wird sehr unterschiedlich angegeben. So würden manche Betroffene bis zur Abheilung der Haut nur drei bis vier Zyklen benötigen (ein Zyklus entspricht einer Therapiewoche mit vier bis fünf Sitzungen), während andere zehn oder mehr bräuchten. Des Weiteren geben die Betreiber an, dass es im Einzelfall auch erforderlich sein könnte, eine Lichtimpfung zu wiederholen.

Ein teures Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die durchschnittlichen Kosten von 130 Euro pro Sitzung in der Regel selbst zu tragen sind.

Das sagen die Kritiker

Hauptkritikpunkt vieler Ärzte ist, dass trotz der langen Existenz dieses Verfahrens immernoch keine evidenzbasierten (beweisgestützten) Studien vorliegen würden, die eine objektive Bewertung der Wirksamkeit dieser Therapie zuließen. In diesem Zusammenhang betonen einige Kritiker vor allem die "nichtwissenschaftlichen Theorien" zum Wirkmechanismus der Lichtimpfung verbunden mit dem "Wecken falscher Hoffnungen" und "Geldabzockerei".

Bleibt also abzuwarten, ob irgendwann vielleicht doch noch die erforderlichen wissenschaftlichen Untersuchungen dargelegt werden, die diesem oder ähnlichen Verfahren eine Daseinsberechtigung verschaffen würden.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

Alle Fragen und Antworten dazu finden Sie hier:
UV-Phototherapie: Wirkung und Nebenwirkungen

Anzeigen