Wie unterscheidet sich die medikamentöse Neurodermitis-Behandlung bei Kindern von der bei Erwachsenen?

Die Arzneimitteltherapie von Kindern mit Neurodermitis unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der der Erwachsenen. Folgende Punkte sind allerdings beachtenswert:

Äußere Behandlung

  • Wirkungen und Nebenwirkungen der äußerlich angewandten Medikamente treten insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern schneller auf, da ihre Haut die Wirkstoffe besser aufnimmt. Deshalb werden ihnen hauptsächlich moderne Glukokortikoide (Kortison-Präparate) mit hohem therapeutischem Wirkungsgrad verschrieben, bei deren vorschriftsmäßiger Anwendung kaum Nebenwirkungsgefahren bestehen.
  • Für besonders empfindliche Hautstellen wie Gesicht, Achselhöhle oder Leistengegend bevorzugen viele Kinder- und Hautärzte sogenannte Calcineurin-Hemmer (Pimecrolimus, Tacrolimus), die erst seit 2002 zugelassen sind. Ein erhöhtes Krebsrisiko bei äußerlicher Anwendung ist sehr unwahrscheinlich, aber nicht endgültig geklärt.
  • Als unbedenklich für kleine und große Kinder bei äußerlicher Anwendung gelten Polidocanol gegen Juckreiz sowie Gerbstoffe und Schieferöle gegen Entzündungen.
  • Behandlungen mit UV-Licht kommen eigentlich erst ab 12 Jahren in Betracht, sind aber manchmal die letzte sinnvolle Behandlungsalternative.

Tabletten

  • Zur innerlichen Behandlung bei schwerer, hartnäckiger Neurodermitis sind nur Antihistaminika und Glukokortikoide zugelassen. Auf ihren Einsatz verzichten die meisten Ärzte aber bei Kindern wegen der schnell einsetzenden Nebenwirkungen. Trotz fehlender Zulassung gilt vielmehr Ciclosporin (im „off label“-Gebrauch) als erste Wahl. Allerdings nur, wenn es gar nicht anders geht und nach gründlicher Untersuchung von Allgemeinzustand und Nierenfunktion. Das potenzielle Krebsrisiko ist bei jungen Patienten besonders problematisch. Die Kurzzeit-Intervall-Therapie mit geringstmöglicher Dosis ist individuell abzustimmen.

Umgang mit Infektionen

  • Eine häufige Komplikationsgefahr bei Kindern mit Neurodermitis besteht in der Infektion der Ekzeme mit Bakterien oder Viren.
  • Bakterielle Infektionen zeigen sich anfangs meist durch eitrige Pusteln oder Bläschen. Die Grindflechte kommt am häufigsten vor, ist ansteckend, verläuft bei Kindern schwerer als bei Erwachsenen und wird mit Antibiotika behandelt.
  • Eine Herpes-Infektion (Eczema herpeticatum) muss mit antiviralen Medikamenten behandelt werden, da eine Ausbreitung über die gesamte Haut, Fieber und gefährliche Nervenentzündungen drohen.
  • Dellwarzen sind prinzipiell harmlos, können aber auf andere Hautstellen übergreifen und sollten deshalb vom Hautarzt unter lokaler Betäubung entfernt werden.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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