Wo und wie entsteht Nervosität?

Nervosität als Dauerzustand bedeutet den Verlust der inneren Gelassenheit und Ausgeglichenheit. Sie beruht auf einer Dauerreizung des unbewussten Nervensystems (Vegetativum), die medizinisch auch als vegetative Dysregulation bezeichnet wird.

Unsere 12 wichtigsten Tipps gegen Nervosität

weiterlesen...

Zugrunde liegt letzten Endes eine länger andauernde Überforderung. Mit anderen Worten: chronischer Stress. Dessen Ursachen können sehr vielfältig sein und von außen auf uns einwirken oder auch in uns selbst liegen. Am Ende münden sie jedenfalls auf zellulärer und biochemischer Ebene in eine gemeinsame Endstrecke.

Zuerst: Stresshormone im Dauereinsatz

Alles beginnt mit dem Sympathikus. Das ist der aktivierende Teil unseres unbewussten Nervensystems, der zum Beispiel bei Gefahr oder Belastungen den Puls und das Adrenalin hochtreibt.

Durch dauerhaften Stress wird der Sympathikus hochreguliert. Es kommt dadurch zu einer langfristig erhöhten Bildung der Stresshormone Cortisol, Noradrenalin und Adrenalin in den Nebennieren. Deren Wirkspektrum ist mannigfaltig und betrifft vor allem das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und das Immunsystem.

Daraus ergeben sich dann nervöse Symptome, die auf einer Überaktivität der betreffenden Organsysteme und Funktionsabläufe beruhen, z.B.:

  • Anspannung, Unruhe und Schlafstörungen (Gemüt)
  • Bluthochdruck, Herzrasen und Kopfschmerzen (Kreislauf)
  • Allergietendenz (überschießendes Immunsystem)
  • Durchfall und vermehrter Harndrang (Verdauung, Stoffwechsel)
  • Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen (Geist, Hirnstoffwechsel)

Dann: Erschöpfungsphase

Doch irgendwann sind die Ressourcen des Sympathikus erschöpft. Dann kommt es zu einem jähen Abfall der Stresshormone. Das Ungleichgewicht verschiebt sich in Richtung Parasympathikus, dem Gegenspieler des Sympathikus. Die Symptome sind jetzt vom Defizitcharakter geprägt:  Erhöhte Infektanfälligkeit, verringerte Schmerztoleranz und chronische Schmerzzustände bis hin zu Depressionen sind die Folge.

Lange Latenzphase, bevor körperliche Schäden auftreten

Die nervöse Unruhe ist für die Betroffenen in diesem Wechselspiel durchgängig spürbar. Man fühlt sich getrieben und unter Druck gesetzt. Dank unserer enormen körpereigenen Pufferkapazitäten lässt sich die Fehlsteuerung aber über längere Zeit erstaunlich gut kompensieren. Organische Befunde sind deshalb trotz der mitunter massiven subjektiven Beschwerden in dieser Phase nicht auszumachen.

Ein somatisch (körperlich) fixierter Arzt wird Ihnen dann kaum weiterhelfen können. Warten Sie deshalb aber nicht ab, bis sich die ungeordneten Verhältnisse als körperliche Schäden manifestieren. Sondern suchen Sie sich einen ganzheitlich geschulten Therapeuten und nutzen Sie vor allem die vielen Ansatzpunkte, um sich selbst zu helfen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser