Wie gut wirken pflanzliche Beruhigungsmittel?

Pflanzliche Beruhigungsmittel werden bereits seit Jahrtausenden eingesetzt. Ihre entspannende Wirkung bei innerer Unruhe und starker Anspannung ist mittlerweile wissenschaftlich belegt. Auch das Einschlafen können sie gut unterstützen.

Etwas mehr Geduld gefragt – dafür deutlich weniger Nebenwirkungen

Insgesamt ist die Wirkung pflanzlicher Arzneimittel zwar schwächer als die der chemisch-synthetischen Medikamente. Auch braucht man etwas Geduld, die Wirkung entfaltet sich in voller Stärke meist erst nach ein- bis zweiwöchiger Einnahme. Dafür gelten die Pflanzenheilmittel im Gegensatz zu Valium, Diazepam & Co (Benzodiazepine) als weitgehend nebenwirkungsfrei und sind rezeptfrei beziehbar. Dennoch sollten auch sie nicht dauerhaft angewendet werden, zumindest nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt. Denn zu ihren langfristigen Auswirkungen fehlen noch aussagekräftige Studien.

Wie Baldrian und Hopfen wirken

Die Wirkmechanismen der zahlreichen pflanzlichen Mittel sind – soweit überhaupt bekannt – recht unterschiedlich. Beim Hopfen beispielsweise wurde ein ähnliches Wirkmuster wie bei dem Schlafhormon Melatonin entdeckt.

Am besten erforscht ist die Baldrianwurzel. Die in ihr enthaltenen Sesquiterpene docken ähnlich wie die Benzodiazepine an den GABA-Rezeptoren im zentralen Nervensystem an. Dadurch können sie beruhigende und angstlösende Effekte verstärken, die durch den Nervenbotenstoff GABA (ƴ-Aminobuttersäure) über diese Rezeptoren vermittelt werden.

Passionsblume tagsüber weniger dämpfend

Ein Teil der Wirkung der Passionsblume (Passiflora incarnata) scheint auch auf diesem Mechanismus zu beruhen. Sie enthält aber noch weitere, teilweise unidentifizierte Wirkstoffe und hat im Unterschied zu den klassischen Beruhigungsmitteln den Vorteil, keine negativen Dämpfungseffekte wie Tagesmüdigkeit hervorzurufen.

Die pflanzlichen Helfer werden in verschiedensten Darreichungsformen angeboten: als Tabletten, Dragees und Tropfen. Oder auch als Tee, da viele ihrer relevanten Wirkstoffe wasserlöslich sind.

Autor: Dr. Hubertus Glaser