Diagnose

Vor der Ära der bildgebenden Verfahren war die Diagnose der Multiplen Sklerose vor allem auf die klinische Einschätzung von Symptomen und Anamnese gestützt. Heute wird die Diagnose nach einheitlichenDiagnosekriterien der Multiplen Sklerose gestellt. Als Grundlage für die Diagnosestellung dient die zuletzt 2005 überarbeitete Fassung der McDonald-Kriterien.

2001 schlug ein internationales Expertengremium neue Kriterien zur Diagnose der MS vor, die neben klinischen die Bedeutung bildgebender Befunde (MRT) betont (McDonald-Kriterien). Auch paraklinische Befunde (Liquordiagnostik und evozierte Potentiale) wurden berücksichtigt; sie verloren jedoch gegenüber bildgebenden Befunden an Bedeutung.

Aufgrund von Untersuchungen, die sich mit der Empfindlichkeit und Spezifität der McDonald-Kriterien befassten, erfolgte 2005 eine Überarbeitung. Diese revidierten McDonald-Kriterien zeichnen sich insgesamt durch eine erleichterte Diagnosestellung der MS aus. Wichtig ist die Feststellung, dass die Diagnose einer MS nicht gestellt werden darf, wenn die erhobenen pathologischen Befunde von einer anderen Erkrankung besser erklärt werden können.

Die folgende tabellarische Übersicht zeigt die genaue Fassung der revidierten McDonald-Kriterien:

Klinische Präsentation

Zusätzliche Parameter, die für eine MS-Diagnose benötigt werden

* Zwei oder mehr Schübe
* Zwei oder mehr objektivierbare klinisch evidente Läsionen
Keine; klinische Evidenz ist ausreichend
* Zwei oder mehr Schübe
* Eine objektivierbare klinisch evidente Läsion
Disseminierung im Raum, Nachweis durch:
* MRT
* oder ein positiver Liquorbefund plus zwei oder mehr MS-typische MRT-Läsionen
* oder Abwarten eines weiteren Schubes, der durch eine Läsion an einer anderen Lokalisation verursacht ist
* Ein Schub
* Zwei oder mehr objektivierbare klinisch evidente Läsionen
Disseminierung in der Zeit, Nachweis durch:
* MRT
* oder zweiten klinischen Schub
* Ein Schub
* Eine objektivierbare klinisch evidente Läsion
(monosymptomatische Präsentation, klinisch isoliertes Syndrom)
Disseminierung im Raum, Nachweis durch:
* MRT
* oder positiver Liquorbefund plus zwei oder mehr MS-bedingte MRT-Läsionen

und


Disseminierung in der Zeit, Nachweis durch:
* MRT
* oder zweiten klinischen Schub
Schleichende neurologische Progression
(PP-MS)
Kontinuierliche klinische Progression (retrospektiv oder prospektiv bestimmt) über ein Jahr

und


zwei der folgenden Punkte treffen zu:
* positive MRT des Gehirns (neun T2-Läsionen oder vier oder mehr T2-Läsionen mit positivem VEP)
* positive MRT des Rückenmarks (zwei oder mehr T2-Läsionen)
* positiver Liquorbefund

Falls die Kriterien erfüllt sind und keine bessere Erklärung für die klinische Präsentation besteht, ist die Diagnose MS. Falls der Verdacht besteht, die Kriterien jedoch nicht vollständig erfüllt sind, lautet die Diagnose mögliche MS. Falls während des Diagnoseprozesses eine andere Diagnose die Befunde der klinischen Präsentation besser erklärt, lautet die Diagnose keine MS.


Der Beitrag "Diagnose" auf www.navigator-medizin.de basiert auf dem Artikel Multiple Sklerose (MS) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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