Was versteht man unter der primär progredienten MS?

In der Regel verläuft eine Multiple Sklerose in Schüben, zwischen denen längere beschwerdefreie Intervalle liegen. Man spricht dann auch von einer schubförmig remittierenden MS.

Bei etwa 10-15% aller Menschen mit Multipler Sklerose verläuft die Erkrankung dagegen nicht in Schüben, sondern zwar langsam, aber kontinuierlich fortschreitend. Dieser Verlauf wird primär progrediente MS (PPMS) genannt.

Was kommt, bleibt meist auch

Im Gegensatz zum schubweisen Verlauf, bei dem die neurologischen Probleme während des Schubes erheblich sein können, nach dem Schub aber häufig wieder komplett abklingen, ist das Fortschreiten bei primär progredienter MS zwar deutlich langsamer und "unauffälliger"; allerdings bilden sich die einmal entstandenen neurologischen Schäden nicht mehr zurück.

Ganz selten können auch bei der primär progredienten MS Schübe vorkommen, die dann den ansonsten eher schleichenden Verlauf kurzzeitig überlagern.

Schwer zu therapieren

Die PPMS ist schwierig zu behandeln. Über Jahrzehnte gab es keine zugelassene Therapie, die den Krankheitsverlauf dieses MS-Typus hätte beeinflussen können. Behandlungsversuche mit Kortison-Präparaten (Glukokortikoiden), Mitoxantron (Ralenova®) oder Cyclophosphamid sind kaum von Erfolg gekrönt und ohne jeglichen Einfluss auf den Erkrankungsverlauf.

Seit Anfang 2018 steht nun Betroffenen mit primär progredienter MS im Frühstadium erstmalig ein "verlaufsmodifizierendes" Medikament zur Verfügung. Laut Studiendaten soll der Antikörper Ocrelizumab (Ocrevus®) bei der PPMS sowohl die Abnahme der Gehgeschwindigkeit als auch insgesamt das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen – ein hoffnungsvoller Lichtblick für viele Betroffene.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Dr. med. Sonia Trowe

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