Multiple Sklerose: Verräterzellen identifiziert

Die Multiple Sklerose entsteht durch Attacken des Immunsystems gegen das körpereigene Nervengewebe. Doch wie kommt es dazu? Schweizer Wissenschaftler haben jetzt spezielle Zellen identifiziert, die den fehlgeleiteten Immunzellen den Weg weisen.

Wie kommt es zur Fehlleitung des Immunsystems?

Dass die Multiple Sklerose eine Autoimmunerkrankung ist, ist seit langem bekannt. Warum aber die Abwehrzellen das eigene Nerbengewebe angreifen und warum sie so gezielt auf die Hüllen (Markscheiden) der Nervenbahnen losgehen, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Eine Arbeitsgruppe an der Universität Zürich bringt nun etwas mehr Licht ins Dunkel.

Die Schweizer Forscher haben diejenigen Zellen aufgespürt, die den zerstörerischen Abwehrzellen zeigen, wo sie hin müssen. Die den Immunzellen also den falschen Weg zeigen und damit den Angriff auf das eigene Gewebe überhaupt erst ermöglichen.

Dendritische Zellen werden zu Verrätern

Die Rede ist von den sogenannten "dendritischen Zellen". Diese im weitesten Sinne auch zum Immunsystem gehörenden Zellen leben im Bereich der Blut-Hirn-Schranke. Also dort, wo sich entscheidet, was ins Innere des zentralen Nervensystems (Rückenmark und Gehirn) darf und was nicht. Und diese dendritischen Zellen scheinen bei Menschen mit Multipler Sklerose zu "Verrätern" zu werden. Sie schicken die Abwehrzellen, die sich um das Beseitigen von Keimen und anderen Fremdstoffen kümmern sollen (T-Helfer-Zellen), zum falschen Ort. Nämlich zu den Myelinscheiden der Nervenbahnen. Werden die angegriffen, entstehen die typischen Symptome der Multiplen Sklerose.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass sich daraus ein neuer therapeutischer Ansatz ergeben könnte. In dem nämlich die "Verräterzellen" so manipuliert werden, dass sie die T-Helfer-Zellen nicht mehr zum falschen Ort schicken können. 

Autoren: WANC/, 18.02.05

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