Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit an Multipler Sklerose zu erkranken, wenn MS bereits in der Familie aufgetreten ist?

Das hängt von der Enge des Verwandtschaftsgrades ab. Sind Geschwister an MS erkrankt, liegt die Wahrscheinlichkeit, selbst an Multipler Sklerose zu erkranken, bei 4%.

Multiple Sklerose ist aber keine Erbkrankheit. Sie ist eine komplexe, durch viele Faktoren beeinflussbare Erkrankung. Seit vielen Jahren schon wird als Ursache u. a. das Zusammenwirken von genetisch bedingter Veranlagung, Umweltfaktoren, Wohnort und chronischen Infektionen vermutet.

"Das eine MS-Gen" gibt es nicht

Trotz zahlreicher internationaler Forschungsarbeiten ist das Rätsel um die Entstehung der MS leider immer noch nicht vollständig gelöst. Dennoch weiß man, dass die genetische Veranlagung eine MS begünstigen kann. Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehr als 150 genetische Merkmale im Zusammenhang mit der MS stehen, wobei jedes einzelne nur minimal zur Entstehung der Erkrankung beiträgt.

Außerdem tritt MS nicht gleichmäßig in allen Bevölkerungsgruppen und Ländern auf. Auch hierzu gibt es verschiedene Theorien wie beispielsweise die Vitamin-D- oder die Hygiene-Hypothese.

Das sagt die Statistik

Wer allerdings gerne mit Zahlen jongliert, für den haben wir auch einiges im Angebot. Ermittelte Wahrscheinlichkeiten, an MS zu erkranken, wenn bereits Familienmitglieder betroffen sind:

  • Bei einem Elternteil mit MS liegt die eigene Erkrankungswahrscheinlichkeit bei 3 %.
  • Sind beide Eltern von der Multiplen Sklerose betroffen, liegt das Erkrankungsrisiko für die Kinder mit 20 % deutlich höher.
  • Am höchsten ist das eigene MS-Risiko, wenn ein Zwillingsgeschwister erkrankt ist. 35 % der Geschwister erkranken dann ebenfalls.
  • Bei Verwandten zweiten oder dritten Grades mit Multipler Sklerose liegt das eigene Risiko bei nur noch etwa 1 % oder darunter.

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Dr. med. Sonia Trowe

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