Wie fühlen sich die Sensibilitätsstörungen bei der Multiplen Sklerose an?

Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Sensibilitätsstörungen bei der Multiplen Sklerose. Recht häufig berichten Betroffene von strumpfartigen Kribbelgefühlen in den Füßen und am Unterschenkel oder handschuhartigen Missempfindungen an den Händen.

Ein Chaos an Gefühlsstörungen

Die Multiple Sklerose hat hinsichtlich der möglichen Empfindungsstörungen aber noch einiges mehr anzubieten – nicht umsonst wird sie schließlich die Erkrankung mit den "1000 Gesichtern" oder auch "das Chamäleon" genannt.

Neben Störungen der Oberflächen- und Tiefensensibilität unterscheidet man Störungen, bei denen z. B. das Temperatur- und/oder das Schmerzempfinden abgeschwächt oder fehlgesteuert ist, ggf. zeitweise sogar komplett ausfällt. Es kann im Rahmen der MS sowohl zu einer generell gesteigerten Wahrnehmung von Reizen als auch nur zu scharf begrenzten, fleckförmigen Missempfindungen kommen.

Fakt ist: Je nachdem, wie ausgeprägt und aktiv die MS-bedingten Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark sind, so verschieden können sich die damit zusammenhängenden Störungen manifestieren.

Jeder empfindet es anders

Entsprechend diesen Variationsmöglichkeiten können Betroffene ihre Sensibilitätsstörungen somit sehr unterschiedlich empfinden und beschreiben. Dennoch gibt es Parallelen, wo der eine oder andere sich vielleicht wiedererkennt. Deshalb möchten wir Ihnen an dieser Stelle auch einige der möglichen Gefühls- bzw. Empfindungsstörungen aufzeigen.

MS-bedingte Sensibilitätsstörungen können wie folgt in Erscheinung treten:

  • Man hat das Gefühl, wie auf Watte zu laufen.
  • Einige Hautbereiche sind so überempfindlich, dass bereits der Kontakt mit Kleidung oder eine leichte Berührung auf der Haut schmerzt.
  • Bestimmte Körperteile fühlen sich pelzig oder auch taub an.
  • Es kribbelt und krabbelt, wie wenn "1000 Ameisen über die Haut laufen".
  • Man hat z. B. plötzlich das Gefühl, einen Sonnenbrand am Arm zu haben, obwohl dieser sich bei Berührung völlig normal und nicht überhitzt anfühlt.
  • Die Haut brennt wie Feuer.
  • Der Unterschied zwischen kalt und warm wird nicht mehr richtig wahrgenommen.

Vom "Panzergefühl" bis zum Lhermitte-Zeichen

Im Gegensatz zu den oberflächlichen Missempfindungen werden Tiefensensibilitätsstörungen nicht selten erst im Verlauf der MS-Erkrankung auch als solche wahrgenommen. Wenn das unbewusste Vibrationsempfinden beeinträchtigt ist, kann das u. a. zu Unsicherheiten beim Gehen und Stehen führen. Auch die Feinmotorik kann betroffen sein und zu Einschränkungen im Alltag führen (z. B. bei der Essenszubereitung, beim Schneiden, Umgang mit Werkzeugen).

Eine Missempfindung im Bereich des Brustkorbs ist das sogenannte Panzergefühl. Die Betroffenen fühlen sich eingeschnürt und wie von einem Panzer umgeben. Ähnliche Empfindungen können auch an den Gelenken wie Knöchel und Knie vorkommen. Auch Schwellungsgefühle an Gelenken sind möglich.

Entsteht beim Beugen des Nackens ein elektrisierendes Gefühl, das häufig in die Beine, aber auch in die Arme ausstrahlen kann und wie ein Stromschlag empfunden wird, handelt es sich um das Lhermitte-Zeichen. Es spricht für Entzündungen im Bereich des Rückenmarks.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Dr. med. Sonia Trowe

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