Gibt es Symptome, die sicher auf eine Multiple Sklerose hinweisen?

Nein, die gibt es nicht. Jedes mögliche Symptom der Multiplen Sklerose (MS) kann für sich betrachtet meist auch eine Vielzahl anderer Ursachen haben. Sämtliche möglichen Beschwerden sind also zunächst einmal nicht spezifisch für die MS.

Oft vergehen Jahre bis zur Diagnose

Keinesfalls kann demnach ein einzelnes Symptom die Krankheit beweisen, und auch mehrere "typische" Symptome zusammen sind kein Beweis für MS. Weil die Krankheitssymptome so unspezifisch sind und häufig erst die Beobachtung der Beschwerden über Jahre den Verdacht auf MS aufkommen lässt, vergehen nicht selten einige Jahre bis zur Feststellung der Krankheit.

Eine "sichere" Diagnose ist nur anhand von (röntgenologischen) Bildgebungsverfahren und der sogenannten Lumbalpunktion (Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit) möglich. Sind im Rahmen dieser Untersuchungen bestimmte Kriterien (McDonald-Kriterien) erfüllt, kann die MS-Diagnose gestellt werden.

Schrittweise vorgehen

Wenn Sie also den Verdacht haben, dass mit Ihnen bzw. Ihrem Körper in letzter Zeit etwas nicht stimmt, sollte der erste Schritt der Gang zu Ihrem Hausarzt sein. Anhand eines ausführlichen Gesprächs (Anamnese) kann er sich einen Überblick über Ihre bisherigen Beschwerden verschaffen und Sie ggf. zum Neurologen weiterleiten.

Bei Verdacht auf MS müssen parallel vor allem auch andere in Frage kommende Erkrankungen ausgeschlossen werden. Für einen aussagekräftigen Befund sind deshalb zur Diagnosestellung der Multiplen Sklerose zunächst folgende Untersuchungen erforderlich:

  • intensive körperliche Untersuchung
  • spezielle Überprüfung der Nervenfunktionen
  • breite Blutanalyse
  • Untersuchung des Nervenwassers (Liquordiagnostik)
  • Magnetresonanz-Aufnahmen (MRT, Kernspintomographie))

Wenn sich der Verdacht erhärtet

Sollten diese Untersuchungen den dringenden Verdacht einer MS untermauern, kann dann abschließend mittels der sogenannten McDonald-Kriterien eine recht zuverlässige Diagnose gestellt werden. Sie bestätigen eine Multiple Sklerose, wenn sich sowohl MS-typische Entzündungsherde an verschiedenen Stellen des ZNS (zentralen Nervensystems) feststellen lassen als auch zeitlich versetzte Episoden von Krankheitsaktivität (Krankheitsschübe) auftreten.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Dr. med. Sonia Trowe

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