Macht Multiple Sklerose müde?

Sehr viele Menschen mit Multipler Sklerose haben im Verlauf der Erkrankung mit vermehrter Müdigkeit zu kämpfen. Meistens nimmt diese im Verlauf des Tages zu und ist weitgehend unabhängig von der körperlichen und seelischen Belastung.

Fatigue – erschöpft, nicht faul

Eines der häufigsten Symptome bei Multipler Sklerose ist die Fatigue, eine chronische krankheitsbedingte Müdigkeit, kombiniert mit Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Dieses unsichtbare Symptom ist für viele Betroffene sehr belastend, vor allem wenn es sie im normalen Alltag oder in der Ausübung der Berufstätigkeit zunehmend behindert.

Die Ursachen dieser extremen Müdigkeit sind bis heute zwar noch nicht vollständig geklärt, allerdings kommt man dem komplexen Phänomen stückchenweise immer näher. So scheint es bei der Fatigue zu Funktionsveränderungen in unterschiedlichen Hirnarealen zu kommen – einerseits lässt die Gehirnaktivität nach, andererseits nimmt sie zum Ausgleich an anderer Stelle zu. Das kostet Kraft und erschöpft.

Das können Sie selbst beitragen

Grundsätzlich gilt: Um die Fatigue in den Griff zu bekommen, muss die MS als Ursache behandelt werden. Wird die medikamentöse Therapie durch weitere Behandlungssäulen (z. B. Physio-, Ergo-, Trainings- und psychologische Therapie) ergänzt, kann diese Kombination durchaus zu einer deutlichen Besserung der Symptome führen.

Einige Tipps, um Ihren Alltag trotz Fatigue besser zu bewältigen:

  • Legen Sie wichtige Arbeiten auf den Vormittag, solange Sie noch leistungsfähig sind, und heben Sie sich Routineaufgaben eher für den Nachmittag auf.
  • Planen Sie regelmäßige Ruhepausen in Ihren Alltag ein.
  • Trinken Sie ausreichend. Flüssigkeitsmangel kann zusätzlich zu vermehrter Müdigkeit und Antriebslosigkeit führen.
  • Finden Sie ein gesundes Mittelmaß zwischen Überlastung und Unterforderung – wichtige Aufgaben zeitig und selbst erledigen, weniger Wichtiges einfach delegieren oder verschieben.
  • Bauen Sie gezielt Bewegung in Ihren Alltag ein, am besten an der frischen Luft (längere Spaziergänge, Radfahren, Treppe statt Aufzug etc.).
  • Sport: Besonders wirksam ist eine Kombination aus Ausdauertraining (2 bis 3 mal pro Woche) und Krafttraining (1 bis 2 mal pro Woche) unter professioneller Anleitung.
  • Lassen Sie sich von Fachleuten (Ergo- oder Physiotherapeuten) zeigen, wie Sie Ihren Alltag ggf. effektiver und somit weniger kraftraubend gestalten können – z. B. durch den Gebrauch von Hilfsmitteln oder durch eine bessere Organisation von Abläufen.
  • Vermeiden Sie Hitze. Wie andere MS-Symptome auch kann sich die Fatigue im Rahmen des Uhthoff-Phänomens (Beschwerdezunahme durch Temperaturerhöhung) verstärken.

Klären Sie Ihre Mitmenschen auf

Da die Fatigue zu den unsichtbaren Symptomen der MS gehört, ist es für Betroffene oft nicht leicht, Ihre teilweise sehr gravierenden Einschränkungen anderen Menschen gegenüber plausibel zu vermitteln.

Damit es im Alltag und vor allem auch im Beruf nicht zu unnötigen Missverständnissen und Kommentaren kommt ("Der faule Sack hat bloß keine Lust zu arbeiten.", "Wohl mal wieder zu viel gefeiert, was?", "Dieses ständige Auf und Ab nehme ich Dir nicht mehr ab!"), sollten Sie Ihr Umfeld aufklären.

Nur, wenn Sie offen und ehrlich über die MS und ihre Begleiterscheinungen sprechen, können andere Sie verstehen und richtig einschätzen. Woher sollen Ihre Mitmenschen und Kollegen sonst auch wissen, wieso Sie nicht immer das leisten können, was man vielleicht von Ihnen erwartet? Die wenigsten können mit der Erkrankung selbst, geschweige denn mit dem Symptom Fatigue überhaupt etwas anfangen.

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Dr. med. Sonia Trowe

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