Ist die Lebenserwartung mit MS verringert?

Deutlich weniger als die meisten glauben. Im Schnitt ist die Lebenserwartung von Menschen mit Multipler Sklerose um sechs bis zehn Jahre kürzer als bei Gleichaltrigen ohne Erkrankung. Dabei ist in den letzten Jahren ein deutlich positiver Trend erkennbar, das heißt, die Lebenserwartung nimmt stetig zu.

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Bei der Interpretation solcher statistischen Angaben ist in Bezug auf einen selbst ohnehin immer Vorsicht geboten, da bei diesen Daten alle Betroffenen zusammengefasst werden. Viele Menschen mit MS, insbesondere solche mit mildem Krankheitsverlauf, haben beispielsweise eine nahezu normale Lebenserwartung.

Vielfältige Einflussfaktoren

Ob es nun an den neuen verlaufsmodifizierenden Therapien liegt oder am besseren Management möglicher begleitender MS-Komplikationen (schwere Harnwegsinfektionen, durch Schluckstörungen bedingte Lungenentzündungen etc.) – die Sterblichkeit bei MS-Erkrankten sinkt nachweislich.

In diesem Zusammenhang gibt es natürlich auch Prognosefaktoren, die für einen eher günstigen (leichten) bzw. einen eher ungünstigen (schweren) Verlauf der MS sprechen. Aber auch hier gilt selbstverständlich das "Gesetz der Wahrscheinlichkeiten".

Faktoren, die tendenziell für einen günstigen Verlauf der MS sprechen:

  • bei Erkrankungsbeginn nur ein Symptom wie Sehstörungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle
  • kurze Symptomdauer und schnelle Rückbildung nach dem MS-Schub
  • lange Intervalle zwischen den Schüben
  • keine Lähmungen oder Gleichgewichtsstörungen bei Krankheitsbeginn
  • nur niedriger Behinderungsgrad nach fünf Jahren Krankheitsdauer
  • Erkrankungsbeginn vor dem 35. Lebensjahr

Faktoren, die eher für einen ungünstigen Verlauf der MS sprechen:

  • mehrere Symptome bei Erkrankungsbeginn (v. a. solche, die auf Entzündungen im Kleinhirn oder Rückenmark hinweisen wie Zittern der Arme oder Beine, Gang-, Bewegungs- und Sprachstörungen, Muskelkrämpfe oder -steifigkeit)
  • lang andauernde Schübe mit schlechter Rückbildung der Symptome
  • erkennbare Entzündungen und Narben (Läsionen) im MRT

Positive Zukunftsaussichten

Dank intensiver Forschung hat man in den letzten Jahren zunehmend neue Erkenntnisse rund um die Multiple Sklerose gewinnen und infolgedessen auch bessere Behandlungsansätze entwickeln können. Die Kombination einer ganzheitlichen symptomatischen Therapie mit modernen Arzneimitteln hat u. a. dazu geführt, dass die Lebenserwartung von MS-Erkrankten heutzutage kaum geringer ist als bei gesunden Menschen.

Mit der richtigen und idealerweise frühzeitigen Behandlung ist die Autoimmunerkrankung MS zwar immer noch nicht heilbar, aber inzwischen eine Diagnose, mit der man in den allermeisten Fällen dennoch ein langes und schönes Leben führen kann.

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Dr. med. Sonia Trowe

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