Endet eine MS zwangsläufig im Rollstuhl?

Nein. Es gibt sehr viele Menschen mit Multipler Sklerose (MS), bei denen der Krankheitsverlauf relativ milde ist und die auch Jahre und Jahrzehnte nach Beginn der Erkrankung noch uneingeschränkt gehfähig sind.

Die Zeiten haben sich geändert

Das für viele Außenstehende noch vorherrschende Bild, alle Menschen mit MS würden im Rollstuhl enden, ist definitiv falsch. Und wird immer falscher, mit jedem weiteren Fortschritt in der Behandlung.

Auch wenn sich die genauen Gründe für die Entstehung der Multiplen Sklerose bis heute leider noch nicht vollständig klären lassen, so hat man in den letzten Jahrzehnten dennoch einiges über diese chronisch-neurologische Autoimmunerkrankung lernen können.

Das bessere Verständnis rund um die MS-Entzündungsprozesse in Gehirn und Rückenmark hat dazu geführt, dass man deutlich effektivere therapeutische Möglichkeiten entwickelt hat, um früher in das Krankheitsgeschehen der MS einzugreifen und somit schwere Verläufe zu minimieren.

Therapien sinnvoll kombinieren

Die Behandlung der multiplen Sklerose beruht dabei auf dem sogenannten Therapiesäulen-Modell, welches neben dem aktuellen Krankheitsstadium auch den Krankheitsverlauf, vorherrschende Beschwerden, Alter, Geschlecht und weitere individuelle Besonderheiten berücksichtigt.

Entsprechend der aktuellen Erkrankungssituation werden hierbei folgende therapeutische Verfahren immer wieder unterschiedlich miteinander kombiniert:

  • langfristige verlaufs- bzw. krankheitsmodifizierende Therapie (Basisbehandlung)
  • akute Schubtherapie
  • symptomatische Therapie
  • ergänzende Rehabilitationsverfahren (u. a. Physio-, Ergo- und Bewegungstherapie, psychologische Betreuung, Logopädie)
  • ggf. Entspannungsverfahren

Rollstuhl nur bei Bedarf

Die Verknüpfung aus intensiver Forschung mit jahrzehntelanger Erfahrung hat dafür gesorgt, dass wir heutzutage erfreulicherweise immer weniger Menschen mit MS sehen, die dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Viele Betroffene benötigen dieses Hilfsmittel beispielsweise nur in bestimmten Krankheitsphasen (akuter MS-Schub) oder bei besonderen Situationen (längere Gehstrecken, Ausflüge), um damit ihren Alltag besser und unkomplizierter bewältigen zu können.

Selbstverständlich schließt das nicht alle MS-Betroffenen mit ein. Trotz modernster Therapieoptionen gibt es auch bei der Multiplen Sklerose noch schwere Krankheitsverläufe, die im Rollstuhl enden können. Sie stellen aber definitiv eher die Ausnahme dar.

Mehr Selbständigkeit & Mobilität im Alltag

Sollte es bei Ihnen im Verlauf der Erkrankung doch irgendwann zu einer einschränkenden Gehbehinderung kommen, möchten wir Ihnen an dieser Stelle einige praktische Hilfsmittel vorstellen, die Ihren Alltag vielleicht erleichtern könnten.

Für viele MS-Betroffene bedeutet die Möglichkeit, sich ohne fremde Hilfe von A nach B zu bewegen und sich somit noch ein Stück Selbständigkeit zu bewahren, vor allem ein Zugewinn an Lebensqualität.

Folgende Hilfsmittel könnten Ihnen bei einer fortgeschrittenen MS mehr Mobilität im Alltag ermöglichen:

  • Gehstöcke, Gehgestelle, Rollator
  • Orthesen (individuell angepasste medizinische "Schienen")
  • Greifhilfen (z. B. um besser an entfernte Gegenstände zu kommen)
  • (Elektro-)Rollstuhl, Scooter
  • Rollstuhllifte, Hebebühnen
  • etc.

Bevor Sie sich allerdings ein bestimmtes Hilfsmittel anschaffen, sollten Sie sich vorher professionell beraten lassen (u. a. durch Sanitätshäuser, Physio- und Ergotherapeuten).

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Dr. med. Sonia Trowe

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (4)
Multiple Sklerose
4 Montag, den 30. Januar 2017 um 20:39 Uhr
Ich selbst habe 1999 die Diagnose bekommen. Es laufen sehr viele Menschen rum, die bei einem MRT sicher als MS-ler bezeichnet würden, aber keinerlei Einschränkungen haben. Der Rollstuhl ist für mich nur ein Hilfsmittel, das ich ab und zu verwende, aber wichtig ist, immer wieder raus zu kommen. Wenn man sich die Kräfte einteilt, bin ich der Meinung, man kann es auch länger rausziehen, bis man evtl. einen benötigt. Ich selbst leite auch einen Stammtisch in Neustadt an der Weinstraße von der DMSG.
Alles Gute, Moni
Endet eine MS zwangsläufig im Rollstuhl?
3 Mittwoch, den 25. Januar 2017 um 18:34 Uhr
Ich habe PPMS, diangnostiziert im UKE Hamburg im Frühjahr 2003. Da war ich 45 Jahre alt. Die Gehfähigkeit verschlechterte sich binnen 8 Jahren so sehr, dass ich seit 2012 einen Aktivrollstuhl mit Elektroantrieb benutzen muss. Im gleichen Jahr erhielt ich eine Erwerbsminderungsrente und arbeite am Schreibtisch noch 5 Stunden täglich. Ich hoffe, dass es noch lange so bleibt. Aber heute gehe ich freihändig keinen Meter mehr.
MS
2 Donnerstag, den 20. Oktober 2016 um 21:52 Uhr
mein Bruder ist zum Pflegefall geworden
Der Beitrag macht Mut!
1 Freitag, den 19. Februar 2016 um 21:10 Uhr
Habe persönlich im Freundeskreis keinen mit MS, jedoch hast du vollkommen recht! Der medizinische Fortschritt schafft die Grundlage für viele Patienten, wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Das ist bei einer Menge anderer Krankheiten ähnlich und es wird stetig besser.
Finde deinen Beitrag echt gelungen und hoffe die Leser ziehen daraus auch etwas Mut!
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