MS und Kinderwunsch: Spricht etwas gegen eine Schwangerschaft?

Dazu ein klares "Nein". Weder schließt die Diagnose Multiple Sklerose einen Kinderwunsch aus noch kommt es unter einer Schwangerschaft zur Verschlechterung der Erkrankung. Ganz im Gegenteil – die Schubrate nimmt während dieser Zeit sogar tendenziell ab.

Planung von Vorteil

Experten empfehlen, eine Schwangerschaft bei bekannter MS wenn möglich gut zu planen. Hintergrund ist, dass sich ein stabiler Krankheitsverlauf vor der Schwangerschaft vorteilhaft auf die Schubrate nach der Entbindung auswirken kann. Das bedeutet, dass der letzte MS-Schub idealerweise schon länger zurückliegen sollte, so dass dann prinzipiell nichts gegen ein Absetzen der bestehenden Medikation spricht.

Es wäre in diesem Zusammenhang übrigens sinnvoll, sowohl Ihren Gynäkologen als auch Ihren Neurologen frühzeitig mit in Ihre Familienplanung einzubeziehen. Je nach aktueller Therapie kann nämlich übergangsweise ggf. eine alternative Behandlung erforderlich sein, um bei manchen MS-Medikamenten das Risiko eines "Rebounds" (verstärktes Wiederauftreten von Symptomen nach Absetzen eines Arzneimittels) zu minimieren.

Medikamentenpause empfohlen

Da viele bei der MS eingesetzte Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht (oder nur eingeschränkt) eingenommen werden dürfen, wird eine Unterbrechung der medikamentösen Therapie meist schon vor einer geplanten Schwangerschaft empfohlen.

Wichtig zu wissen: Es gibt in der Behandlung der MS durchaus Immuntherapeutika, die bereits bis zu sechs (im Einzelfall sogar bis zu zwölf) Monate vor Eintritt der Schwangerschaft abgesetzt werden sollten. Andere Medikamente müssen dagegen erst bei nachgewiesener Schwangerschaft pausiert werden. Im Einzelfall können bestimmte Wirkstoffe sogar noch in der Schwangerschaft verabreicht werden.

Die Natur macht das schon

Falls Sie sich jetzt Gedanken darüber machen sollten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie während der Schwangerschaft (und ohne medikamentöse Therapie) einen MS-Schub bekommen, können wir Sie diesbezüglich erstmal beruhigen. Während der Schwangerschaft gibt es einen natürlichen Schutz für Mutter und Kind. Die meisten an MS erkrankten Frauen brauchen in dieser Zeit keine Medikamente. Es ist sogar so, dass die Schubrate mit bis zu 80 % im letzten Drittel stetig abnimmt. Lediglich in den ersten Wochen bis Monaten nach der Entbindung kann es zeitweise zu einer Erhöhung der Schubrate kommen, die sich aber beispielsweise durch ausschließliches Stillen (vor allem in den ersten zwei Monaten) wiederum positiv beeinflussen lässt.

Im Zweifelsfall Kortison

Sollte es dennoch während der Schwangerschaft zu einem schweren MS-Schub kommen, so ist auch in dieser Situation die übliche Vorgehensweise eine Kortison-Stoßtherapie. Allerdings müssen insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel Nutzen und Risiken für Mutter und Kind sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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