MS: Wie kann man abschätzen, ob es sich bei neuen Beschwerden um einen Schub handelt?

Es ist nicht immer leicht, bei neu auftretenden Beschwerden anhand der Symptome zu beurteilen, ob es sich um einen neuen Krankheitsschub handelt. Es gilt eine grobe Faustregel, die allerdings auch nicht sonderlich eindeutig ist: Bestehen Beschwerden länger als 24 Stunden, kann es sich um einen Schub handeln.

Von einem neuen Krankheitsschub spricht man übrigens erst dann wieder, wenn der vorangegangene MS-Schub seit mindestens 30 Tagen vorüber ist.

Vom Neurologen abklären lassen

Ein neuer Krankheitsschub kann sich bei der MS innerhalb von Stunden, Tagen oder aber auch Wochen entwickeln und danach wieder (un)vollständig abklingen. Sollten Sie also ungewöhnliche Beschwerden bzw. funktionelle Beeinträchtigungen bemerken, die sich zunehmend verschlimmern, kann es sich durchaus um einen akuten MS-Schub handeln.

Im Zweifel sollten Sie bei neu aufgetretenen Symptomen zu Ihrem Neurologen gehen und sich beraten lassen. Gemeinsam kann dann entschieden werden, ob zugewartet oder der mögliche Schub näher untersucht wird. Bei Bedarf ist für eine gewisse Zeit die Einnahme zusätzlicher antientzündlicher Medikamente (u. a. Kortison) sinnvoll. Ggf. kommen ergänzend auch noch weitere therapeutische Maßnahmen in Betracht.

Vielfältige Symptome möglich

Unverwechselbare Schub-Symptome, an denen Sie einen "echten" MS-Schub ausmachen können, gibt es leider nicht. Schließlich hängen die Beschwerden, die mit einem neuen Krankheitsschub einhergehen, vor allem vom Entstehungsort der Entzündungsläsionen in Gehirn und Rückenmark ab.

Ein weiterer Einflussfaktor, der bei der Art der Beschwerden eine Rolle spielen kann, ist die Krankheitsdauer der Multiplen Sklerose. Während eine seit vielen Jahren bekannte MS zunehmend durch Schübe charakterisiert ist, die mit Bewegungsstörungen oder anderen Funktionsbeeinträchtigungen einhergehen, imponiert eine noch "frische" MS eher durch Seh- und Empfindungsstörungen.

Doch auch das kann natürlich von Fall zu Fall variieren und die Schub-Diagnose erschweren.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Dr. med. Sonia Trowe

Anzeigen