MS: Wie erkenne ich einen Schub?

Ein Schub bei der Multiplen Sklerose bezeichnet das Entstehen eines oder mehrerer Entzündungsherde im Gehirn oder Rückenmark. Gleichzeitig kommt es zu körperlichen Beschwerden oder neurologischen Funktionsbeeinträchtigungen.

"MS-Schub" genau definiert

Ein Schub kann innerhalb von Stunden, Tagen oder Wochen entstehen, um nach einiger Zeit wieder abzuklingen. Kommt es also zu neuen Beschwerden, die sich über Stunden oder Tage verschlimmern, kann es sich um einen akuten MS-Schub handeln. Damit sollten Sie auf jeden Fall zu Ihrem Arzt gehen. Er kann dann zusammen mit Ihnen entscheiden, ob und welche therapeutischen Möglichkeiten ggf. in Betracht gezogen werden müssen.

Übrigens, laut Definition muss dieser relativ plötzlich einsetzende Zustand, in dem die Multiple Sklerose (wieder) aktiver wird, länger als 24 Stunden andauern, um überhaupt als MS-Schub zu gelten. Von einem neuen Schub spricht man wiederum erst dann, wenn der vorangegangene mindestens 30 Tage vorüber ist.

Beschwerden von A bis Z

Die doch sehr vielfältigen Symptome, die während eines MS-Schubes auftreten können, hängen vor allem vom Entstehungsort der Entzündungsherde ab. Außerdem spielt die Krankheitsdauer eine Rolle.

Während die akuten Schübe bei der noch "jungen" MS z. B. eher durch Sensibilitäts- und Sehstörungen charakterisiert sind, kommt es im Verlauf der Erkrankung vermehrt zu Schüben mit Bewegungsstörungen oder anderen funktionellen Beeinträchtigungen.

Doch auch darauf ist natürlich kein Verlass. Die Erkrankung mit den "1000 Gesichtern" ist immer für eine Überraschung gut und kann sich individuell sehr unterschiedlich zeigen.

MS, die große Unbekannte

Es kann sogar sehr gut sein, dass Sie das eine oder andere Symptom im Rahmen eines ersten MS-Schubes gar nicht richtig wahrnehmen und erst im Nachhinein mit der MS in Verbindung bringen können. Auch gibt es Betroffene mit einem recht milden Verlauf der Erkrankung, deren Schübe immer "nur" mit leichten Sensibilitätsstörungen einhergehen.

Bei vielen MS-Erkrankten ist es jedoch nicht selten eine wechselnde Kombination verschiedener Störungen, geprägt von unterschiedlicher Intensität und Dauer, die die Schübe selbst und die Multiple Sklerose insgesamt ausmachen.

Beschwerden, die häufiger bei einem anfänglichen MS-Schub auftreten:

  • Sehstörungen (u. a. Sehunschärfe, gestörtes Farbsehen, Doppelbilder)
  • Augenschmerzen
  • Sensibilitätsstörungen bzw. Missempfindungen (u. a. Kribbeln, Juckreiz, Brennen, gestörtes Kälte- und Wärmeempfinden, Schmerzen)
  • Taubheitsgefühl an bestimmten Körperstellen

Schub-Beschwerden, die eher bei länger bestehender MS auftreten, sind z. B.:

  • Schluck- und Sprechstörungen
  • Störungen der Blasen- und Darmfunktion
  • Bewegungsstörungen und spastische Lähmungen
  • starke Schmerzen

Den Schub therapeutisch rasch eindämmen

Körperliche Störungen und Funktionsbeeinträchtigungen, die während eines Schubes auftreten, können sich entweder vollständig zurückbilden oder im ungünstigeren Fall bei entsprechenden Nervenschäden teilweise auch über den Schub hinaus bestehen bleiben.

Unsere 10 wichtigsten Tipps bei Multipler Sklerose

weiterlesen...

Um sowohl die Schubdauer zu verkürzen als auch die akuten Beschwerden zu lindern sowie mögliche Folgeschäden der MS-Entzündungen zu verhindern, wird deshalb oft frühzeitig eine Kortison-Pulstherapie empfohlen.

Diese Kurzzeit-Behandlung mit einem entzündungshemmenden Kortison-Präparat (z. B. Urbason®) wird lediglich im Rahmen des akuten MS-Schubs für etwa drei bis fünf Tage durchgeführt. Sie ist kein Ersatz für die individuelle verlaufs- bzw. krankheitsmodifizierende MS-Basistherapie.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Dr. med. Sonia Trowe

Anzeigen