Was sind typische MRT-Befunde bei Multipler Sklerose?

Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann MS-Entzündungsherde im Gehirn oder Rückenmark nachweisen. Typisch für Multiple Sklerose sind sogenannte periventrikuläre Entzündungsherde (neben den Seitenventrikeln, einer bestimmten Hirnregion, gelegen).

Auch Entzündungsherde im Bereich des "Balkens", einer weiteren Hirnregion, gelten als charakteristisch für MS.

Von hellen und dunklen Flecken

Hierbei können sich die Entzündungsherde im MRT u. a. als rundliche, ovale oder flächenartige helle Flecken in der weißen Substanz des Gehirns verstreut zeigen oder aber auch als dunkle "black holes" imponieren.

Unter schwarzen Löchern (black holes) versteht man im Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose alte Läsionen im MRT, bei denen es zu einer sehr starken Entzündung mit Zerstörung der Nervenzellkörper kam. Da an diesen Stellen eine Narbenbildung, "Remyelinisierung", ausgeblieben ist, sieht man im MRT stattdessen mit Hirnwasser gefüllte Löcher.

Kurz und schmerzlos

Heutzutage gilt die MRT (auch Kernspintomographie genannt) als das wichtigste bildgebende Verfahren in der Diagnostik bzw. Abklärung der Multiplen Sklerose. Die Untersuchung ist schmerzfrei, nicht gesundheitsschädlich (es werden keine Röntgenstrahlen verwendet) und dauert in der Regel zwischen 20 und 30 Minuten.

Bei der MRT werden mit Hilfe von Magnetfeldern und Radiowellen Querschnittsaufnahmen der Gewebestrukturen in Gehirn und Rückenmark angefertigt. Das Verfahren erkennt auch akute Entzündungsherde und kann diese von älteren Läsionen und Narbengewebe unterscheiden. So ist es möglich, sowohl die räumliche als auch die zeitliche Streuung der MS-Entzündungsherde auszumachen.

Kontrastmittel zur genauen Identifizierung

Um auf den Bildaufnahmen alte und frische Läsionen voneinander unterscheiden zu können, wird Ihnen vor der eigentlichen MRT-Untersuchung ein Kontrastmittel über die Vene gespritzt. Es enthält Gadolinium, ein chemisches Element, das sich in Bereichen ablagert, in denen kürzlich Entzündungen entstanden sind.

MRT allein reicht nicht

Für eine "sichere" Diagnose der MS muss allerdings noch mehr vorliegen als ein auffälliger MRT-Befund. Entscheidend ist hierbei das Zusammenspiel aus Krankengeschichte, individueller Symptomatik, diversen Labortests und dem Ergebnis der bildgebenden Verfahren (MRT).

Zu beachten ist zudem, dass die erhobenen krankhaften Befunde nicht von einer anderen Erkrankung besser erklärt werden dürfen. Sämtliche Differentialdiagnosen, die in Frage kommen, müssen deshalb ausgeschlossen worden sein, bevor die Diagnose MS gestellt werden kann.

Auch die international anerkannten McDonald-Kriterien, die als Maßstab für die Diagnose der MS dienen, stützen sich darauf. Sie kombinieren die MRT-Befunde u. a. mit dem Auftreten klinischer Symptome der Erkrankung.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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