Was sind die McDonald-Kriterien?

Die McDonald-Kriterien dienen dazu, die Diagnose einer Multiplen Sklerose zu sichern oder auszuschließen. Es handelt sich um eine ganze Reihe an Symptomen und Befunden, die, je nachdem, wie viele und welche davon auftreten, für oder gegen eine MS sprechen.

Entzündungen frühzeitig nachweisen

Die Systematik der McDonald-Kriterien beruht letztendlich darauf, dass man versucht, die für die MS typische "Verteilung in Raum und Zeit" (räumliche und zeitliche Dissemination) mit Hilfe von MRT-Kriterien frühzeitig nachzuweisen.

Anders ausgedrückt: Klinisch sichtbare MS-Schübe und objektive Bildnachweise von MS-Läsionen (Entzündungsherde) im MRT ermöglichen heutzutage eine schnellere und sicherere Diagnose der Multiplen Sklerose. Das wiederum führt zur Einleitung einer frühen, effizienteren MS-Therapie mit nachweislich besseren Auswirkungen auf den weiteren Krankheitsverlauf.

Beschwerden, Liquor und MRT entscheiden

Entscheidend ist also das Zusammenspiel aus Krankengeschichte, individueller Symptomatik, diversen Labortests und dem Ergebnis der bildgebenden Verfahren (MRT). Die McDonald-Kriterien erlauben hierbei verschiedene Kombinationsmöglichkeiten der zu berücksichtigenden Parameter (Anzahl der Schübe und Läsionen, zeitliche und räumliche Verteilung der Läsionen, Liquor-Befund), um eine "sichere" MS-Diagnose zu stellen.

Zu beachten ist allerdings, dass die erhobenen pathologischen (krankhaften) Befunde nicht von einer anderen Erkrankung besser erklärt werden dürfen. Sämtliche Differentialdiagnosen, die in Frage kommen, müssen zuvor ausgeschlossen worden sein und die Beschwerden bzw. vorliegenden Symptome dem typischen Erscheinungsbild der MS entsprechen.

Sichere, mögliche oder doch keine MS

Die McDonald-Kriterien sind sehr detailliert und komplex. Fangen wir zunächst einmal ganz einfach und praxisnah mit zwei möglichen Befundkonstellationen an, die unter Berücksichtigung der Diagnosekriterien nach McDonald für eine sichere MS sprechen würden.

Eine "gesicherte" Multiple Sklerose nach McDonald (Stand 2017) liegt z. B. vor, wenn:

  • zeitlich und räumlich getrennt mindestens zwei Krankheitsschübe und mindestens zwei Entzündungsherde (Läsionen) im Gehirn oder Rückenmark objektiv nachgewiesen sind

oder

  • anstelle eines zweiten Krankheitsschubs der Nachweis einer neuen Aktivität im MRT zur Bestätigung herangezogen wird.

Erweiterung der Diagnosekriterien

Die McDonald-Kriterien wurden zuletzt im Jahr 2017 aktualisiert. Eine wesentliche Änderung zur Version von 2010 ist, dass z. B. die Kriterien für die zeitliche Dissemination angepasst wurden. Aber auch hinsichtlich der Beurteilung der räumlichen Dissemination von MS-Läsionen gab es Änderungen.

2017 erfuhren die McDonald-Kriterien u. a. folgende Überarbeitung:

  • Zur Beurteilung der zeitlichen Verteilung von MS-Läsionen dürfen fortan nicht nur ältere Entzündungsherde, sondern auch frische symptomatische Läsionen herangezogen werden.
  • Als Beleg für eine zeitliche Dissemination der MS-Erkrankung kann nun auch der Nachweis von oligoklonalen Banden (Antikörper, die bei chronisch-entzündlichen Prozessen des zentralen Nervensystems auftreten) im Liquor herangezogen werden.
  • Um die räumliche Dissemination noch besser zu beurteilen, wurde die bisherige "juxtakortikale Region" um den Begriff kortikal/juxtakortikal erweitert – somit werden zukünftig nicht nur Entzündungsherde in der Nähe der Hirnrinde, sondern auch die in der Rinde selbst lokalisierten Läsionen miteinbezogen.

Bessere Diagnostik, frühere Therapie

Das war jetzt ein ziemlicher Schwung an theoretischem Kauderwelsch. Da die bildgebenden und labortechnischen Verfahren zukünftig sicherlich eine noch größere Rolle in der Diagnostik der MS spielen dürften, ist es ja nicht verkehrt, schon mal den einen oder anderen Begriff gehört zu haben.

Letztendlich möchten wir Ihnen vor allem aufzeigen, dass man heutzutage erfreulicherweise in der Lage ist, dank modernster diagnostischer Möglichkeiten früher eine MS zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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