Wie hoch muss Kortison bei der Schubtherapie der Multiplen Sklerose dosiert werden?

In der Schubtherapie der MS spricht man nicht ohne Grund von einer Kortison-Hochdosisbehandlung. Gängig sind z.B. 500 bis 1.000 mg Methylprednisolon am Tag.

Es sind auch niedrigere Dosierungen (weniger als 100 mg pro Tag) oder aber eine Dosis von mehr als 1500 mg pro Tag möglich (Ultrahochdosisbehandlung). Am besten bewiesen ist jedoch die Wirksamkeit der (normalen) Hochdosisbehandlung, weshalb sie sich als Standardbehandlung durchgesetzt hat.

Drei Tage an den Tropf

Wie bereits erwähnt verwenden die Neurologen in der Kortison-Pulstherapie der MS meist Präparate mit dem Kortison-Wirkstoff Methylprednisolon (Urbason®). In der Regel wird das Medikament in der Praxis oder im Krankenhaus morgens über die Vene (als Infusion) in einer Dosierung von 1000 mg über drei bis fünf Tage verabreicht.

Falls es unter der Kortison-Hochdosisbehandlung binnen zwei Wochen nicht zu einer deutlichen Besserung der Schubbeschwerden kommen sollte, wird nicht selten ein zweiter Therapieversuch mit einer etwas höheren Dosierung gestartet. Eine Plasmapherese (Blutwäsche) wird dagegen eher in Ausnahmefällen bei weiterhin bestehenden, ausgeprägten Funktionsbeeinträchtigungen (z. B. Lähmungen) eingesetzt.

Übrigens, wenn andere Kortison-Präparate als das Methylprednisolon gegeben werden, kann die tägliche Dosierung des gewählten Medikaments durchaus von der o. g. Menge abweichen.

Mögliche Nebenerscheinungen

Die hochdosierte Kurzzeittherapie mit Kortison kann verstärkt mit Schwindel und Übelkeit einhergehen. Auch Magenschleimhautreizungen bzw. -entzündungen kommen vor. Dem kann allerdings gut mit sogenannten Protonenpumpenhemmern (z. B. Omeprazol, Pantoprazol) als "Magenschutz" vorgebeugt werden.

Schwere Blutzuckerentgleisungen sind eher nicht zu erwarten, es sei denn, Sie sind Diabetiker. Zuckerkranke Menschen haben unter einer Kortisontherapie ggf. einen erhöhten Bedarf an Insulin oder oralen Antidiabetika. Da in solchen Fällen häufig eine engmaschigere Überwachung und Therapieanpassung erforderlich ist, wird die MS-Kortisontherapie bei Diabetikern auch gerne stationär im Krankenhaus durchgeführt.

Anders als bei der Kortison-Langzeitbehandlung im Rahmen anderer Erkrankungen treten die klassischen Glukokortikoid-Nebenwirkungen (Bluthochdruck, Wassereinlagerungen, grüner Star (Glaukom), Osteoporose, neu diagnostizierter Diabetes, Fettstoffwechselstörungen etc.) in der Kurztherapie des MS-Schubes normalerweise nicht auf.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Dr. med. Sonia Trowe

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