Wird Ocrelizumab eingenommen oder gespritzt?

Ocrelizumab wird in Form einer Infusion verabreicht. Man muss dafür also "an den Tropf". Allerdings sind einige wenige Infusionen ausreichend.

Die Behandlung mit dem Antikörper Ocrelizumab (Ocrevus®) beginnt mit zwei Infusionen im Abstand von zwei Wochen. Dabei wird dann jeweils ein venöser Zugang gelegt (ähnlich wie bei der Blutentnahme) und das Mittel infundiert. Das kann ein bisschen dauern, weil der Zufluss in den Körper nicht zu abrupt sein darf. Danach erhalten Sie dann nur noch etwa halbjährlich weitere Infusionen.

Wieso so lange Abstände?

Dieser vergleichsweise lange Zeitraum ohne Medikamentenzufuhr hängt mit der Wirkweise von Ocrevus® zusammen. Der Antikörper tötet spezielle Abwehrzellen (B-Lymphozyten) im Körper ab, die am Entzündungsgeschehen bei der Multiplen Sklerose beteiligt sind.

Dies darf weder zu hoch dosiert noch zu häufig nacheinander passieren, weil sonst das Immunsystem zu stark beeinträchtigt wäre. Aus dem gleichen Grund sind auch nach den Infusionen in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen notwendig.

Planen Sie ausreichend Zeit ein

Die Behandlung mit Ocrevus® ist sehr aufwändig und darf auch nur in einer für Multiple Sklerose spezialisierten neurologischen Praxis bzw. in einer entsprechenden Klinik durchgeführt werden.

Damit Sie sich den Ablauf und den damit auch für Sie persönlich verbundenen Aufwand dieser Infusionstherapie besser vorstellen können, haben wir ihn stichpunktartig nochmal für Sie zusammengefasst.

Anwendungsschema für Ocrevus® zur Behandlung der RMS und frühen PPMS:

  • Etwa 30 Minuten vor jeder Ocrevus®-Infusion erhalten Sie eine Vorbehandlung mit einem Kortison-Präparat und einem Antihistaminikum (antiallergisches Medikament).
  • Beide Medikamente werden Ihnen über die Vene verabreicht und sollen verhindern, dass Sie möglicherweise auf den Wirkstoff Ocrelizumab mit einer Unverträglichkeit reagieren.
  • Wenn erforderlich, kann zusätzlich auch ein fiebersenkendes Arzneimittel (z. B. Paracetamol) gegeben werden.
  • Die erste Ocrevus®-Dosis zu 600 mg wird Ihnen in zwei getrennten Infusionen (zu jeweils 300 mg) in einem Zeitabstand von zwei Wochen gegeben.
  • Die weiteren Ocrevus®-Dosierungen werden Ihnen dann als Einmalinfusion von 600 mg nur noch alle sechs Monate verabreicht.
  • Jede 600-ml-Infusion dauert ca. 3 Stunden und 30 Minuten.
  • Während der Behandlungen werden Sie engmaschig vom medizinischen Personal beobachtet und müssen auch noch nach Infusionsende für mindestens eine Stunde in der Praxis bzw. Klinik bleiben.

Bitte beachten Sie, dass der Zeitaufwand für die Therapie mit Ocrevus® alle sechs Monate allein in der Praxis mindestens fünf Stunden beträgt. Es wird empfohlen, die Behandlung mit Ocrelizumab so lange fortzusetzen, wie sie hilfreich und verträglich ist.

Autoren: Dres. med. J. Hofmann, J. Zorn, S. Trowe

Anzeigen