Gibt es auch kritische Stimmen zur Langzeittherapie der MS?

Ja. Es gibt MS-Patienten und auch einige Ärzte, die den Sinn der Langzeitbehandlung mit sogenannten Immunmodulatoren (v.a. Beta-Interferon und Glatirameracetat) anzweifeln.

Einer der immer wieder angeführten Gründe ist, dass diese Medikamente massiv auf das Immunsystem einwirken, ohne die Erkrankung im Kern zu bekämpfen. Ein kurzfristiger Erfolg im Sinne seltenerer Schübe könnte damit auch um den Preis langfristiger nachteiliger Effekte auf Körper und Seele erkauft werden. Dieselben Betroffenen stehen auch oft einer Behandlung mit Kortison sehr kritisch gegenüber. Und auch dafür gibt es gute Gründe.

Solange niemand weiß, wie die Multiple Sklerose eigentlich entsteht, bleibt immer auch Raum für gehörige Zweifel an dem heute meist eingeschlagenen Behandlungsweg. Aber es ist natürlich auch immer eine Frage der Alternativen. Die Wenigsten haben die innere Überzeugung, einfach ganz auf eine Behandlung zu verzichten.

Was ist wahr?

Wir selbst kennen die Wahrheit nicht. Tatsache ist, dass keines der Medikamente, die in der Langzeittherapie eingesetzt werden, die Multiple Sklerose heilen kann. Tatsache ist aber auch, dass sie die Schub-Wahrscheinlichkeit senken und das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamen. Das zumindest ist das wesentliche Ergebnis der entsprechenden Studien dazu. Und der überwiegende Teil aller Experten und Ärzte rät zu dieser Behandlung.

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Dass diese Medikamente meist sehr teuer sind und damit auch viel Geld verdient wird, kann niemand leugen. Und dass die oben genannten Experten, die die offiziellen Behandlungsrichtlinien bei der MS vorgeben, fast alle in irgendeiner Form von den Herstellerfirmen finanziell unterstützt werden, ist auch unstrittig. Daraus allein lässt sich aber nicht der Schluss ableiten, dass diese Mittel nicht wirken. Insofern bleibt das letztlich auch eine sehr individuelle Einschätzung jedes Einzelnen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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Kommentare (1)
Studien
1 Freitag, den 24. Juni 2016 um 15:52 Uhr
Es ist ja schön, dass diese Studien, meist von der Pharma-Industrie initiiert und auch finanziert, eine klare Sprache sprechen. Interessant wären Studien, die genauso akribisch erheben, wie es MS-Patienten und deren Wohlbefinden ergeht, die sich für ein Leben ohne BT entschieden haben. Dann erst hätte man einen aussagekräftigen Vergleich.
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