Multiple Sklerose: Wann darf Cladribin (Mavenclad) nicht eingenommen werden?

Aufgrund der immununterdrückenden Wirkung von Cladribin (Mavenclad®) sind in der Behandlung der MS einige Einschränkungen, Gegenanzeigen und Warnhinweise zu beachten.

Der Wirkmechanismus von Cladribin steht beispielsweise im direkten Zusammenhang mit einer reduzierten Lymphozytenzahl (einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen). Dadurch kann wiederum die Immunabwehr geschwächt und somit das Risiko für Infektionen erhöht sein.

Vorsicht bei Infektionskrankheiten

Ob nun frische oder chronische Infektionen, wenn unser Immunsystem zusätzlich noch durch ein Arzneimittel geschwächt wird, kann das schwerwiegende Konsequenzen haben. So können u. a. auch jahrelang unauffällig vor sich hin schlummernde, chronische Infektionen wie eine Hepatitis B unter Cladribin plötzlich reaktiviert werden und Probleme bereiten.

Um bestimmte Infektionen bzw. Erkrankungen auszuschließen und/oder zu verhindern, müssen sich MS-Betroffene deshalb sowohl vor, während als auch nach einer Behandlung mit Mavenclad® diversen (Blut-)Untersuchungen unterziehen.

Impfstatus überprüfen

Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auch auf dem Varicella-Zoster-Virus – dem Erreger, der sowohl für die Windpocken als auch für die Gürtelrose (Herpes zoster) verantwortlich ist. Da bekannt ist, dass es unter Cladribin gehäuft zum Herpes zoster kommen kann, sollte jeder MS-Betroffene ohne ausreichenden Antikörperschutz vor Therapiebeginn gegen Windpocken geimpft werden.

Das gilt übrigens auch für andere Schutzimpfungen. Vor Beginn einer immununterdrückenden Behandlung mit Mavenclad® sollten möglichst alle von der STIKO (Ständige Impfkommission) empfohlenen Impfungen durchgeführt bzw. aufgefrischt werden.

Hier ist Cladribin nicht erlaubt

Oft stellt sich leider erst im Laufe der Voruntersuchungen heraus, dass nicht jeder Betroffene Mavenclad® bekommen kann. Manchmal ist die Behandlung mit Cladribin aber nach einer entsprechenden Vorbehandlung doch möglich. Letztendlich muss das immer individuell beurteilt werden.

Der Übersicht halber haben wir nachfolgend nochmal die wichtigsten allgemeinen Gegenanzeigen für Sie zusammengestellt.

In der Therapie der MS sollte Mavenclad® nicht eingenommen werden bei:

  • akuten Infektionen
  • chronischen Infektionen wie Tuberkulose, HIV, Hepatitis B oder C
  • einer Immunschwäche
  • aktiven Krebserkrankungen
  • einer Therapie mit einem anderen Immuntherapeutikum (Achtung! Aufgrund der langen Wirkdauer mancher Arzneistoffe müssen auch nach deren Absetzen ausreichend lange Sicherheitsabstände eingehalten werden.)

Weitere Gegenanzeigen in der Behandlung der Multiplen Sklerose mit Mavenclad® sind:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Fruktoseintoleranz (Die Tabletten enthalten Sorbitol.)
  • mittelschwere bis schwere Funktionsstörungen der Leber oder Nieren
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe