Bei welchen MS-Formen kommt Cladribin (Mavenclad) in Betracht?

Cladribin (Mavenclad®) ist in der EU seit August 2017 zur Behandlung der hochaktiven schubförmigen Multiplen Sklerose zugelassen. Das Medikament gehört zu den sogenannten "krankheits-modifizierenden Arzneimitteln" – es kann bei den Betroffenen den Verlauf der MS verändern.

Unklare Definition

Doch was bedeutet "hochaktiv"? Das Problem mit diesem Begriff ist, dass er nicht einheitlich verwendet wird und wohl auch erst im Zusammenhang mit den modernen MS-Immuntherapien eingeführt worden ist. Selbst MS-Experten scheinen keine gleichwertige und wissenschaftlich belegte Begriffsdefinition von "hochaktiv" zu haben. Vielmehr sprechen die meisten Ärzte eher von einer "aktiv verlaufenden MS" und beschreiben damit einen Erkrankungszustand, der trotz Therapie nicht unter Kontrolle zu bekommen ist.

Es bleibt daher mit Spannung abzuwarten, ob neben den modernen MS-Therapeutika vielleicht auch dieses Thema in den neuen Leitlinien zur Multiplen Sklerose im ersten Quartal 2019 Beachtung findet.

Das sagt die Zulassungsstudie

Die detaillierten medizinischen Erläuterungen, unter denen eine MS in der Zulassungsstudie zu Cladribin als "hochaktiv" bezeichnet wurde, möchten wir Ihnen an dieser Stelle ersparen. Man kann aber zusammenfassen, dass man sie sowohl anhand bestimmter klinischer als auch bildgebender Befunde definiert hat.

Eine schubförmige MS gilt laut Cladribin-Studie als hochaktiv, wenn:

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  • mehrere Schübe innerhalb des vorausgegangenen Jahres aufgetreten waren (egal ob mit oder ohne Immuntherapie).
  • im Jahr zuvor trotz Immuntherapie ein Schub aufgetreten und zusätzlich mindestens ein neuer, frischer Entzündungsherd (Läsion) im MRT nachweisbar war.
  • im Jahr zuvor trotz Immuntherapie ein Schub aufgetreten war und mindestens neun sogenannte T2-Läsionen (beinhaltet sowohl alte als auch frische Krankheitsherde) nachweisbar waren.

Der Einzelne zählt

Sie sehen, es ist nicht immer ganz einfach mit der "erlaubten" Verordnung von bestimmten Arzneimitteln. Letztendlich verläuft aber jede Erkrankung anders und muss somit auch immer individuell beurteilt werden.

Zum Schluss sollte deshalb immer das Wohl des Betroffenen im Vordergrund stehen und potenziell beschwerdelindernde Therapien – unabhängig von starren Definitionen – möglichst auch ausgeschöpft werden.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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