Wann muss ein MS-Schub mit Kortison-Präparaten (Glukokortikoiden) behandelt werden?

Wenn ein akuter Schub der Multiplen Sklerose "nur" mit Sensibilitätsstörungen einhergeht, kann auf Kortison-Präparate (und auch andere starke Entzündungshemmer) in aller Regel verzichtet werden. Bei Bewegungsstörungen oder anderen funktionellen Beeinträchtigungen können Glukokortikoide dagegen als Pulstherapie (kurzfristig hochdosiert) sinnvoll sein.

Schnell und effektiv

Oberstes Ziel der akuten Schubtherapie bei Multipler Sklerose ist es, den Krankheitsschub schnellstmöglich einzudämmen. Es geht dabei nicht nur darum, seine Dauer zu verkürzen bzw. die akuten Beschwerden zu lindern, sondern auch, mögliche Folgeschäden durch die Entzündungen erfolgreich abzuwenden.

Typische Beschwerden eines MS-Schubs, bei denen eine Kortison-Pulstherapie angezeigt ist:

  • Entzündung des Sehnervs (bzw. weiterer, das Auge mitversorgender Hirnnerven) mit starken Sehstörungen
  • ausgeprägte spastische Lähmungen und Bewegungsstörungen
  • einschränkende Schluck- und Sprechstörungen
  • starke Schmerzen
  • akute Störungen der Blasen- und Darmfunktion

Fällt die Entscheidung für eine Kortison-Pulstherapie, kommen meist Präparate mit dem Kortison-Wirkstoff Methylprednisolon (Urbason®) zum Einsatz. Der Wirkstoff wird üblicherweise morgens intravenös (als Infusion) in einer Dosierung von 1000 mg über drei bis fünf Tage verabreicht. Es können aber auch andere Substanzen gewählt werden, deren Dosis je nach Wirkstärke variiert.

Falls die Therapie nicht anspricht

Kommt es darunter binnen zwei Wochen nicht zu einer deutlichen Besserung, empfehlen MS-Experten einen zweiten Versuch in etwas höherer Dosierung.

Sollte auch dieser Behandlungsversuch fehlschlagen und Sie weiterhin unter erheblichen funktionellen Beschwerden (z. B. Lähmungserscheinungen) leiden, kommt die sogenannte Plasmapherese (auch "Blutwäsche" genannt) in Betracht. Hierbei wird das körpereigene Blutplasma (Anteil des Blutes ohne die Blutzellen) gegen von außen zugeführtes Plasma ausgetauscht und so quasi "reingewaschen".

Leider ist das Verfahren recht aufwändig und muss in speziell ausgestatteten Praxen oder Kliniken erfolgen. Es führt in etwa jedem zweiten Fall zum Erfolg.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Dr. med. Sonia Trowe

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