Hilft Grüner Tee bei Multipler Sklerose?

Bisherige Untersuchungen deuten jedenfalls darauf hin. Der vorwiegend im grünen Tee enthaltene Wirkstoff EGCG (Epigallocatechin-3-Gallat) scheint den für die MS typischen chronischen Entzündungsprozess im zentralen Nervensystem bremsen zu können.

Doch warum hört und sieht man nichts Konkretes zu dieser vielversprechenden Therapieoption? Und wie könnte eine mögliche Behandlung mit EGCG überhaupt aussehen? Wäre jeder MS-Betroffene ein geeigneter Kandidat für diesen natürlichen Wirkstoff?

Aktueller Stand der Forschung

Obwohl die antientzündlichen und nervenzellschützenden Eigenschaften von EGCG seit über zehn Jahren bekannt sind, fehlen leider bis heute die lang angekündigten weiterführenden Studien zur Wirksamkeit bei Multipler Sklerose. Warum das so ist, bleibt unklar.

Heilpflanzen und MS – einige haben Potential

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Zum einen scheint EGCG nach der oralen Einnahme (zum Beispiel in Kapselform) chemisch sehr instabil zu sein und nur geringfügig in den Blutkreislauf aufgenommen zu werden. Zum anderen wird es wohl recht schnell abgebaut, ohne dabei ein klar definiertes Zielobjekt anzusteuern. Das seien demnach nur einige Faktoren, die aussagekräftige klinische Testungen am Menschen mit dem Wirkstoff EGCG erschweren würden, so die Wissenschaftler.

"Zaubermittel" oder nicht?

Grüner Tee wird schon seit einigen tausend Jahren in der chinesischen Heilkunde eingesetzt. Seit jeher werden dem aromatischen Getränk gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt, auch hierzulande. Nicht ungewöhnlich also, dass die detaillierte Analyse seiner Inhaltsstoffe in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Fokus der Wissenschaft gerückt ist.

Inzwischen weiß man, dass Grüner Tee mehr als 300 biochemisch aktive Substanzen enthält, zu den wichtigsten gehört das Flavonoid EGCG. Weltweit untersuchen Forscher derzeit vor allem seine speziellen Wirkungen und Nebenwirkungen auf die unterschiedlichsten Krebs-, Herz-Kreislauf-, neurologischen und autoimmunen Erkrankungen.

Bei der Multiplen Sklerose werden dem EGCG offenbar folgende Wirkmechanismen zugeschrieben:

  • EGCG greift auf unterschiedliche Weise regulierend in die bei der MS fehlgeleiteten Prozesse des Immunsystems ein.
  • Der Wirkstoff hemmt T-Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) an deren Ausbreitung und unterdrückt damit die autoimmune Entzündungsreaktion bei der MS.
  • EGCG zeigt außerdem eine neuroprotektive Wirkung (es schützt Nervenzellen im Zentralnervensystem vor Schädigungen).
  • Durch EGCG wird die Blut-Hirn-Schranke stabilisiert und infolgedessen die MS-Schubrate reduziert.
  • Der Schweregrad der Multiplen Sklerose wird durch EGCG insgesamt abgemildert.

Wissenschaftler mahnen zur Vorsicht

Trotz der Verlockung, jetzt einfach loszugehen, um sich die vielversprechenden, überall erhältlichen Tee-Extrakte zu holen, sollten Sie laut Experten zurückhaltend sein. Vor dem Hintergrund, dass noch keine zuverlässigen Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von EGCG vorliegen, raten die Wissenschaftler weiterhin dringend davon ab, frei verkäufliche Grüner-Tee-Extrakte in unkontrollierter Selbstmedikation einzunehmen.

Problematisch seien u. a. die in den Präparaten enthaltenen, sehr unterschiedlichen Konzentrationen an EGCG oder auch an Zusatzstoffen (z. B. Koffein). Man könne derzeit auch keine klaren Aussagen darüber treffen, wieviel EGCG für eine positive Wirkung bei MS gegeben werden müsste, ohne gleichzeitig ggf. schwere Nebenwirkungen (u. a. Leberschädigungen, Bluthochdruck) oder Arzneimittelwechselwirkungen in Kauf zu nehmen.

Abwarten und Tee trinken…

Wenn jemand dennoch ein Nahrungsergänzungsmittel mit dem verheißungsvollen Flavonoid EGCG zu sich nehmen möchte, sollte er eine maximale Tagesdosis von 300 mg möglichst nicht überschreiten. Höhere Dosierungen gelten als potenziell lebertoxisch und sollten daher nur in Absprache mit Ihrem Hausarzt bzw. Neurologen erfolgen. Wirkstoffmengen von über 800 mg EGCG pro Tag wirken nachweislich leberschädigend.

Es bleibt also eigentlich, wie so oft, nur die hoffnungsvolle Aussicht auf ein zeitnah erscheinendes, effektives und nebenwirkungsarmes Grüntee-Präparat. Bis dahin heißt es wohl: Abwarten und (maßvoll) Grünen Tee trinken.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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Kommentare (1)
Was Experten so sagen
1 Freitag, den 08. März 2019 um 17:51 Uhr
B. Schneider
Die im Artikel genannten Experten, die von einer Einnahme von Grünem Tee abraten, sind genau die Experten, die bei der Pharmaindustrie auf der Payroll stehen. Sie "dürfen" Grünen Tee und ähnliche Alternativsubstanzen also gar nicht gut finden. Aus dem gleichen Grund geht es mit den Studien so schlecht voran. Denn Arzneimittelstudien werden fast ausschließlich von der Pharmaindustrie finanziert. Nach allem was ich weiß, gilt Grüner Tee als sehr aussichtsreicher Kandidat im Kampf gegen diverse Autoimmunerkrankungen und auch gegen Arteriosklerose.
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