MS: Ist die Einnahme von Weihrauchpräparaten sinnvoll?

Weihrauch hat nicht nur in Religion und Kirche eine lange Tradition, sondern auch im Bereich der Medizin. Recht neu ist dagegen die Erkenntnis, dass Weihrauchpräparate möglicherweise auch ein schlagkräftiges Mittel gegen die Multiple Sklerose sind.

Einige Untersuchungen zumindest haben in dieser Hinsicht durchaus positive Ergebnisse gebracht. Eine Studie unter der Leitung der deutschen Neurologin Klarissa Hanja Stürner erforschte die Effekte von Weihrauch auf Menschen mit Multipler Sklerose. Rund 30 Betroffene mit schubförmiger MS blieben bis zum Schluss dabei. Fast ein dreiviertel Jahr lang bekamen sie statt Kortison oder Interferon Weihrauch-Kapseln.

Weniger Schübe und Entzündungsherde

Und siehe da: Die Schübe wurden weniger. Außerdem gingen die Zahl und die Größe der Entzündungsherde deutlich zurück, wie MRT-Aufnahmen zeigten. Darüber hinaus wurde der Verlust von Hirnsubstanz gebremst. Die Forscher rund um Klarissa Hanja Stürner gehen davon aus, dass Weihrauch vor allem Menschen helfen kann, die noch nicht sehr lange an MS leiden und bei denen sich die Symptome in Grenzen halten.

Heilpflanzen und MS – einige haben Potential

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Nebenwirkungen traten bei den Probanden kaum auf, und wenn, dann in recht milder Ausprägung. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen zählten Beschwerden des Magen-Darm-Traktes. Auch leichte Infektionen kamen vor. Insgesamt gilt Weihrauch – zumindest, wenn Qualität und Dosis stimmen – aber als sicher und gut verträglich.

Heilsame Boswelliasäuren

Noch ein paar Worte darüber, was Weihrauch überhaupt ist. Gewonnen wird er aus dem Harz des Weihrauchbaumes. Für die gesundheitsfördernden Wirkungen sind hauptsächlich die darin enthaltenen Boswelliasäuren verantwortlich.

Belege gibt es vor allem dafür, dass sie in Entzündungsprozesse eingreifen. So hemmen die Boswelliasäuren ein Enzym, das sogenannte Leukotriene produziert. Leukotriene wiederum sind Botenstoffe, die bei Entzündungsreaktionen zum Vorschein kommen. Etwas verkürzt ausgedrückt bedeutet das: Je weniger Leukotriene herumschwirren, desto geringer fällt die Entzündung aus.

Fertigarzneimittel bisher kaum verfügbar

Etwas schwierig ist es, überhaupt an solide Weihrauchpräparate heranzukommen. Angeboten werden vor allem Nahrungsergänzungsmittel. Zugelassene Fertigarzneimittel aus Weihrauch, die höhere Standards erfüllen müssen, gibt es dagegen in der EU bisher nicht. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass es teuer und aufwendig ist, entsprechende Zulassungsstudien durchzuführen.

Autorin: Anna Brockdorff

 

Studie:

Stürner KH et al.: A standardised frankincense extract reduces disease activity in relapsing-remitting multiple sclerosis (the SABA phase IIa trial). J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2018 Apr;89(4):330-338.

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