Kann Schafgarbe die MS-Beschwerden lindern?

Die Schafgarbe (Achillea millefolium) wächst bei uns auf Wiesen, außerdem ist sie häufig am Wegesrand zu sehen. Sie blüht den Sommer hindurch bis in den Herbst hinein. Als Heilpflanze kommt sie bei verschiedenen Krankheiten und Beschwerden zum Einsatz.

Dazu gehören z.B. Migräne und Verdauungsprobleme sowie Menstruationsschmerzen. Positive Wirkungen hat die Schafgarbe nun auch bei der Multiplen Sklerose gezeigt, sodass der Pflanze hier noch eine größere Karriere bevorstehen könnte.

Flavonoide der Schafgarbe gegen neurologische Beschwerden

Der Wortteil "garbe" kommt übrigens aus dem Althochdeutschen: Da heißt es "garawa" und bedeutet in etwa "Gesundmacher" oder "Heiler". Kein Wunder also, dass die Schafgarbe in diesem Bereich einiges zu bieten hat.

Heilpflanzen und MS – einige haben Potential

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Zu verdanken ist das den Flavonoiden namens Apigenin und Luteolin, die in der Pflanze vorkommen. Diese Substanzen sollen – so Studien – bestimmte MS-Beschwerden lindern. Konkret geht es unter anderem um Schlafprobleme und Neuralgien (Nervenschmerzen).

Studie: Ein Jahr lang Schafgarbe oder Placebo

Die Schafgarbe gibt es als Heilmittel in verschiedenen Formen: beispielsweise als Tee, Tinktur, Öl, Salbe oder Extrakt. Letzteres testeten Forscher einer iranischen Universität bei Menschen mit Multipler Sklerose. Insgesamt 75 Probanden machten mit (wobei am Ende die Daten von 65 Teilnehmern tatsächlich ausgewertet werden konnten). Sie wurden per Zufall in drei Gruppen aufgeteilt.

Zwei Gruppen bekamen in jeweils unterschiedlichen Dosierungen ein Schafgarben-Extrakt (250 mg sowie 500 mg pro Tag), in dem Luteolin und Apigenin enthalten waren. Die Teilnehmer der dritten Gruppe erhielten ein Scheinmedikament. Die Studie erstreckte sich über einen Zeitraum von einem Jahr. Alle Probanden durchliefen vor, während und nach der Studie verschiedene Tests, die ihre neurologischen und kognitiven Fähigkeiten auf die Probe stellten. Außerdem wurden MRT-Untersuchungen durchgeführt.

Weniger Rückfälle durch Schafgarbe

Das Ergebnis: Das Schafgarben-Extrakt schnitt insgesamt besser ab als das Placebo-Präparat. Diejenigen, die das Extrakt bekommen hatten, erlebten weniger bzw. seltener Rückfälle. Vor allem in der höheren Dosierung schrumpften Zahl und Volumen der Entzündungsherde im Gehirn. Auch die Stimmung und die Gedächtnisleistungen fielen bei den Gruppen mit dem Schafgarben-Extrakt positiver aus als in der Placebo-Gruppe.

Klar ist: Es sind mehr Studien, mehr Untersuchungen und Tests notwendig, um die mögliche Wirkung der Schafgarbe bei der Multiplen Sklerose wirklich nachweisen zu können. Es scheint aber so zu sein, dass diese Pflanze eine vielversprechende Ergänzung zur herkömmlichen MS-Therapie bietet.

Geringe Nebenwirkungen, evtl. Allergien

Was die unerwünschten Wirkungen anbelangt, so kommt die Schafgarbe recht gut weg. Schwerwiegende Nebenwirkungen gab es gar nicht; allenfalls leichte allergische Reaktionen der Haut traten auf, aber auch das nur vereinzelt.

Trotzdem ist es wichtig, im Blick zu haben, dass die Schafgarbe Allergien auslösen kann. Hinzu kommt: Sollten Sie schwanger sein, dürfen Sie die Schafgarbe nicht auf eigene Faust nehmen, sondern sollten sich bei Ihrem Arzt oder der Hebamme rückversichern.

Autorin: Anna Brockdorff

 

Studie:

Ayoobi F et al.: Achillea millefolium is beneficial as an add-on therapy in patients with multiple sclerosis: A randomized placebo-controlled clinical trial. Phytomedicine. 2019 Jan;52:89-97.

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