Darmkur bei MS: Welche Nahrungsmittel helfen?

Der Darm ist bei weitem nicht nur für die Verdauung zuständig. Er hat mehrere Funktionen. So spielt die Darmflora bei der körpereigenen Abwehr eine große Rolle. Umgekehrt heißt das aber auch: Der Darm kann auf verschiedene Art und Weise Beschwerden oder Krankheiten auslösen bzw. verschlimmern.

Angriffslustige Darmzellen

Das scheint auch für die Multiple Sklerose zu gelten. Zumindest deuten Studien mit eineiigen Zwillingen darauf hin. Auffällig war in Untersuchungen, dass Menschen, die an Multipler Sklerose leiden, bestimmte Arten von Darmbakterien fehlten. Insgesamt haben MS-Erkrankte also wohl ein kleineres Repertoire an förderlichen Bakterien im Darm.

Offenbar ist es so, dass bestimmte Abwehrzellen – nämlich spezifische T-Zellen – fälschlicherweise vom Darm zum Gehirn gelangen. Dort greifen sie dann, so Forscher der Universität Zürich, ein Enzym an, das normalerweise Myelin produziert. Myelin umgibt die Nervenzellen, schützt sie und sorgt dafür, dass Impulse schneller übertragen werden. Eben diese Myelinschicht ist bei Menschen mit MS beschädigt.

Ballaststoffe regenerieren die Darmflora

Es leuchtet also ein, dass es sinnvoll ist, sich im Zuge der MS-Behandlung auch um die Darmflora zu kümmern. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Darm zu verwöhnen und zu pflegen. Da sind zum einen Ballaststoffe. Sie kommen vor allem in Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten vor.

Ballaststoffe sind wichtig, weil "gute" Bakterien des Darms sich von ihnen ernähren und aus ihnen wiederum wichtige andere Stoffe bilden. So entstehen unter anderem Butyrat und Propionat. Dabei handelt es sich um kurzkettige Fettsäuren. Sie finden über den Blutkreislauf ihren Weg ins Gehirn. Dort können sie – gerade bei Menschen mit Multipler Sklerose – einen sehr wertvollen Job leisten, indem sie Nervenzellen versorgen und aufpäppeln.

Propionsalz als Therapieergänzung

Untersuchungen haben tatsächlich ergeben, dass MS-Betroffene, die Propionsäure nahmen, anschließend über deutlich mehr Abwehrzellen im Blut verfügten und zugleich weniger Entzündungszellen aufwiesen. Der Wissenschaftler Aiden Haghikia und sein Team von der Ruhr-Universität Bochum konnten in einer Studie zeigen, dass Propionsäure bzw. deren Salz Propionat wirklich einen positiven Einfluss auf den Verlauf einer MS-Erkrankung hat.

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Propionsalz gibt es als Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen und wird von der Nahrungsmittelkontrolle der Europäischen Union und der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) als unbedenklich eingestuft. Empfohlen wird, das Propionsalz als Ergänzung zu den herkömmlichen Medikamenten zu nehmen und so in die gesamte Behandlung einzubinden.

Präbiotika als "Darmfutter"

Durch sogenannte Prä- und Probiotika lässt sich der Darm ebenfalls unterstützen. Präbiotika sind zum Beispiel Inulin und Fructooligosaccharide. Sie sind unverdauliche Bestandteile von Lebensmitteln. Die Präbiotika dienen "guten" Darmbakterien als Nahrung, sodass sie sich satt fressen und infolgedessen vermehren können.

Probiotika dagegen sind lebensfähige Mikroorganismen, die in die Darmflora aufgenommen werden und ihr guttun. Zu den Probiotika zählen unter anderem Milchsäurebakterien. Sie kommen zwar in Lebensmitteln wie Käse oder Joghurt vor, allerdings reichen diese Mengen möglicherweise nicht aus.

Auf dem Markt sind Einzelpräparate entweder mit Prä- oder mit Probiotika. Aber auch Kombinationen werden angeboten, sie heißen "Synbiotika". Die Mittel bekommen Sie als Tabletten, Kapseln oder Tropfen in der Apotheke, in der Regel ohne Rezept.

Autorin: Anna Brockdorff

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